BERICHT AUS DEN OFFENEN GRUPPEN VON HAUS ZWEI MÄRZ/APRIL 2018

In Kolumbien sind die Lebensumstände für die Kinder der untersten Einkommensschichten immer schwieriger aufgrund der sozialen Krise, in der sich unser Land derzeit befindet. Hierunter leiden besonders die Kinder, da sie direkt betroffen sind: Schwierigkeiten wie die Trennung der Eltern, Arbeitslosigkeit, Drogenabhängigkeit und hohe Kriminalitätsraten beeinflussen, beeinträchten und prägen das Leben unserer Kindheit immer mehr. Unsere Kinder geraten unter diesen Umständen, die immer heftiger werden, leider immer mehr in den Strudel der Probleme mit hinein.
Ironischer- und unverständlicherweise prahlt Kolumbien immer wieder damit, dass die Bildung gratis sei und es tausende Unterstützungsprogramme für Kinder gebe. Die füllen ganze Seiten in den Zeitungen und sollen dazu dienen, dass die Kinder immer im Unterricht und beschäftigt seien. Es gibt aber viele, die keinen Zugang hierzu haben und die, die zur Schule gehen oder an den Programmen der Regierung teilnehmen können, erhalten hier lediglich Wissen. Die Lehrer und Lehrerinnen beschränken sich darauf, Unterricht zu erteilen und die Schülerinnen und Schüler mit den Noten aus Tests zu bewerten. Manchmal sind es auch nur kurz angelegte Kurse, die auch nur wenige Stunden am Tag einnehmen. Der Großteil der Kinder, die nach der Schule nach Hause kommen, findet dort niemanden vor, der ihnen helfen könnte. Entweder verstehen die Eltern die Lerninhalte nicht und können deshalb den Kindern nicht bei der Erklärung der Hausaufgaben helfen.
Viele sind aber auch Analphabeten und können deshalb die Aufgaben der Kinder einfach nicht erlesen. Sie haben deshalb auch oft keine Möglichkeiten, einen guten Job zu bekommen und müssen ständig auf der Suche nach einem Tagelohn sein, was bedeutet, dass die Kinder allein zu Hause sind. Oftmals gehen die aus Langeweile und auf der Suche nach etwas Spaß auf die Straße, denn auch in der Schule war es schon langweilig, den ganzen Vormittag zu sitzen. Draußen lernen sie oft Leute kennen, die sie mit schlechten Gewohnheiten, wie dem Drogenkonsum oder der Bandenkriminalität konfrontieren und bekannt machen. Viele Mädchen, die auf der Suche nach Nähe und Zuneigung sind, die sie zu Hause nicht bekommen, haben sehr früh Freunde und sexuelle Beziehungen, so dass häufig frühe Schwangerschaften auftreten.

So kommen die untersten drei Schichten der kolumbianischen Bevölkerungsschicht nicht aus ihren Problemen heraus, sondern rutschen – im Gegenteil – immer weiter ab. Denn die grundlegenden Probleme wie wirkliche Bildung, Arbeit und ein funktionierendes Gesundheitssystem werden nicht gelöst, was für die Kinderheit und Jugend eine Kettenreaktion an Problemen auslöst. Zusammenfassend fehlt unseren Kindern eine gesunde Ernährung, Freizeit und Betreuung und da dies viele zu Hause nicht erhalten, wie oben beschrieben wird, versuchen wir im Casita 2 diese Lücken bei Dutzenden von Kindern durch die verschiedenen Aktivitäten und Angebote zu füllen, die wir anbieten.

Die Kinder kommen aus eigenem Willen zu den Angeboten oder auch, weil sie Eltern haben, die sich um sie sorgen und sie dort pünktlich hinbringen und wieder abholen, um ihre Zeit dort gut auszunutzen und weit entfernt von den Problemen auf den Straßen zu sein.
Es ist deshalb sehr bereichernd zu sehen, wie ihnen im Casita 2 verschiedenste Aktivitäten und Anleitungen, Liebe, Freizeit und samstags auch einige leckere Lebensmittel zukommen. Samstags ist bei den Kindern meist keiner zu Hause, weil die Eltern arbeiten müssen, um Nahrung zu beschaffen und viele von ihnen haben kein gesichertes Mittagessen. Im Casita Zwei bekommen sie eins.
Die Hausaufgabenhilfe Nehmen jetzt ungefähr acht Kinder wahr, die Unterstützung und Anleitung bei ihren Hausaufgaben benötigen. Die Kinderhilfe hält für sie immer eine Lehrerin bereit und manchmal helfen auch die Patenkinder, die selbst schon viel von der Unterstützung des Vereins profitiert haben und Stück für Stück etwas von der Hilfe, die sie erhalten haben, zurückgeben.

Carmen Lilian ist weiterhin sehr aktiv bei den Hand- und Bastelarbeiten für Kinder, entwickelt immer neue Ideen und bereitet verschiedenste Handarbeiten, die sie den Kindern beibringt, vor, die sehr fröhlich an den Angeboten teilnehmen und sich lachend Anekdoten aus dem ihrem Alltag erzählen, während sie die Handarbeiten, die Carmen Lilian ihnen beibringt mit viel Liebe, Hingabe und Geduld anfertigen. Die Kinder sind sehr angetan von ihren Angeboten und bringen immer schönes Selbstgemachtes mit nach Hause, verbringen so ihre Freizeit auf sinnvolle Art und Weise und lernen jeden Tag etwas Neues.

Ganz besonders wollen wir diesmal die Osterzeit hervorheben, anlässlich derer diverse Angebote stattgefunden haben, wie Hasen basteln und Eier dekorieren. Bei allen haben wir aus- und angemalt, geschnitten, um so verschiedene vielseitige Projekte herzustellen, die auch den Kleinen gefielen, die auch am Ostersamstag dabei waren. An jenem Samstag haben wir auch die deutsche Tradition nachgestellt, bei der Schokoladeneier versteckt und dann gesucht werden. Dies hat den Kindern sehr gefallen und viel Spaß gemacht, weil es für sie etwas ganz Neues ist. Außerdem war es sehr lecker, weil es ja Schokolade gab. Vor allem ist es aber auch eine Möglichkeit, etwas über die anderen Kulturen der Welt zu lernen, um so den Blickwinkel zu erweitern und über den eigenen Tellerrand zu sehen.

Samstags um halb zehn kommen die unterschiedlich alten Kinder nach und nach an. Sie sind zwischen drei und vierzehn Jahre alt.
Die Betreuerinnen bereiten hierfür verschiedene Aktivitäten vor, um eine vertrauenswürdige, fröhliche und motivierende Umgebung zu schaffen: Vorlesen von Geschichten zum Beispiel oder Basteleien. Manchmal bekommen sie auch eine kleine Leckerei als Ansporn, mitzumachen. So können wir jeden Samstag ungefähr dreißig Kinder betreuen und ihnen eine schöne Zeit bescheren, in der sie etwas anderes als das Leben auf der Straße und bei den gefährlichen Straßenbanden erleben, die einen sehr schlechten Einfluss auf sie haben.

DAS MITTAGESSEN gehört zu einem anderen Programm, das mit besonderer Liebe und Aufmerksamkeit durchgeführt wird. Die Menüs sind immer an den Geschmack der Bevölkerung angepasst, die sie erhalten sollen, damit sie mit viel Freude gegessen werden. Es werden zwischen 45 und 60 Mahlzeiten ausgegeben. Manchmal kommen mehr Kinder als erwartet, aber wir haben hier im Casita immer noch einen Plan B, um auch dem letzten Kind, das kommt, ein Mittagessen geben zu können.
Wenn beispielsweise das zubereitete Menü bereits alle ist, bereiten wir eine einfache Mahlzeit für die Kinder zu, einen Maisfladen zum Beispiel, Brot mit Rührei, ein bisschen Salat und einen Saft. Alles wird immer gern gegessen und vom Casita 2 kommt keiner hungrig nach Hause. Salat gibt es weiterhin, wenn auch etwas weniger, da die meisten Kinder aus dieser Bevölkerungsschicht meist kein Gemüse mögen, weil ihre Mütter zu Hause oft keine Möglichkeiten hatten, ihnen beizubringen, diese zu essen. Wer in Armut lebt, isst kein Gemüse, stattdessen stehen auf dem Essensplan Reis, Kartoffeln, manchmal Ei und Zuckerwasser.
Einige der Lebensmittel, die die Kinder hier bekommen, sind ihnen deshalb fremd, trotzdem essen sie sie gern und vielen Kindern gefällt es, neue Lebensmittel kennenzulernen, so dass sie sehr regelmäßig jeden Samstag kommen.
Die Kinderhilfe kümmert sich jedoch nicht nur um die Kinder, sondern auch um die Erwachsenen, die die Basis vieler Familien sind, oft aber einsam und isoliert zu Hause sind, um dort die täglichen Arbeiten wie Kochen, Waschen und Bügeln zu verrichten und die Enkel zu betreuen. Sie haben eigentlich nie Gelegenheit, zusammenzukommen und etwas anderes zu unternehmen, aber im Casita 2 realisieren wir auch weiterhin Angebote für Erwachsene.
HANDARBEITEN UND KOCHEN wird weiterhin auf offene und extrovertierte Art und Weise angeboten. Die Mütter und Großmütter verbringen gemeinsam eine angenehme Zeit, lachen und erzählen sich Anektdoten aus dem Leben und von all den Problemen, die sie normalerweise zu Hause in der Familie vorfinden, vor allem, wenn sie aus den untersten Bevölkerungsschichten stammen.

Das Charisma und Ambiente des Casitas ist für sie eine Gelegenheit, etwas hiervon loszuwerden, Luft zu holen und einen anderen Sinn im Leben zu sehen. Denn hier können sie Dinge kreieren und merken oftmals, dass sie Fähigkeiten haben, die sie dachten, gar nicht zu haben. Sie können hier auch Kleidung oder Accessoires herstellen, die sie selbst tragen können um ein besseres Auftreten zu haben. Um dies realisieren zu können, gibt ihnen die Kinderhilfe das Material, das teuer ist. Manche Teile kommen auch in Paketen aus Deutschland. Hier werden sie zu Dingen verarbeitet, die vielen Menschen Freude und eine Veränderung im Leben bescheren.

Beim Kochen bereiten wir verschiedene Obstsalate zu, aber auch Mahlzeiten mit Fleisch, die die Frauen hier kosten können. Das wichtigste ist jedoch, dass die Kinderhilfe alles Material zur Verfügung stellt, um hier gut kochen zu können.

Für all dies sind wir unendlich dankbar, denn durch Ihre Hilfe an unser Land können wir das Leben vieler Hunderter Menschen glücklicher machen und ihnen die Möglichkeit geben, das Leben auf positive und fröhliche Art und Weise wahrzunehmen.

Bericht: Sandra Yicel Medina Sánchez
Übersetzung: Annika Frisch