POPAYAN: 2. QUARTAL 2018

DESORIENTIERTE JUGENDLICHE IN KOLUMBIEN

Die junge Bevölkerung Kolumbiens ist unzähligen sozialen Problemen ausgesetzt, ganz besonders die ärmsten von ihnen. Bei ihnen konzentrieren sich die Probleme der Exklusion, der fehlenden Chancen, der Reproduktion des Elends. Die jungen Männer sterben oft eines gewaltsamen Todes und habeneine geringere Lebenserwartung als Jugendliche anderer sozialer Klassen, die in besseren wirtschaftlichen Umständen leben und daher die Chance auf ein besseres Leben haben. Ganz im Unterschied zu jenen, die unterhalb der Armutsgrenze leben und kaum Bildungschancen bekommen, keine Arbeit, keine Freizeit, und ihre Möglichkeiten, sich in ihrem Umfeld zu entwickeln, sind gleich null.

Und wenn wir von jenen sprechen, die in den ländlichen Gegenden leben, so sind ihr Schicksal meistens die bewaffneten Gruppen( Guerilla, Paramiliärs und allgemeine Kriminelle), Netze des Drogenhandels und Schmuggels, Prostitution, usw. In einem Land, wie dem unseren als Armer zu überleben, ist definitiv ein Wunder, das man nicht allein schaffen kann. Immer wird man dafür eine Freundeshand brauchen, die Hoffnung gibt, die eine bessere Welt zeigt und Möglichkeiten zum Träumen und der Erfüllung dieser Träume, vor allem aber die Ausrüstung dafür: und dafür und für hunderte von Menschen gibt es die Kinderhilfe in unserem Land. Hier haben wir in den Horten und unter den Patenkindern Jungen, Mädchen und Jugendliche, die die Kinderhilfe als ihr Zuhause ansehen, wo sie ein sauberes Umfeld finden, sicher und friedlich, mit menschlicher und familiärer Wärme, das ihnen Obhut und Liebe bietet, ihnen Sicherheit gewährt und die Möglichkeit, eine bessere Welt kennenzulernen.

Unsere Kinder besuchen die verschiedenen Schulen, und dafür bietet die Kinderhilfe ihnen die besten Konditionen in Form von didaktischem Material, Uniformen, ausgezeichneter Ernährung und Hilfe beim Lernen. So können sie sich besser entwickeln und sich sicher fühlen, während ihre Eltern sich auf der Straße aufhalten, wo sie als ambulante Verkäufer arbeiten, als Müllsammler oder als Haushaltshilfe, unter anderem. Davon müssen sie die Familie ernähren, eine Hütte zum Wohnen bezahlen. Aber diese Gewißheit, in Ruhe arbeiten zu können, haben sie nur durch die Kinderhilfe, wo den Familien eine umfassende Unterstützung geboten wird, die unseren Leuten ermöglicht, Ziele zu sehen und zu erreichen.


Die Dynamik der Kinderhilfe zeigt einen großen Unterschied zu der Dynamik und dem Unterricht in den Schulen, die unsere Kinder besuchen. Diese beschränken sich darauf, nur Stoffe zu vermitteln und haben die emotionale Seite unsere kolumbianischen Kinder und Jugendlichen völlig vergessen. Deshalb sieht die Kinderhilfe die Notwendigkeit, bei ihnen ihre Begabungen und Fähigkeiten zu entwickeln und zu fördern, sie zu lehren, sich besser in der Welt zurechtzufinden und eine größere Sicherheit zu erlangen und zu begreifen, daß im Leben und im Land alles einen Preis hat, eine Anstrengung verlangt. Wenn man nicht darauf vorbereitet ist, sich der Welt nach der Schule und der Kinderhilfe zu stellen, wird die Zukunft sicherlich unsicher sein. Aber wenn die Kinder alles zu nutzen wissen, was der Verein ihnen bietet, werden sie vorankommen können, ihre Geschichte verändern, ein Vorbild sein für die Gesellschaft und etwas dazu beitragen, wie es heute schon viele tun.

Im Verein wird den Kindern viel geboten; aber gleichzeitig lernen sie nach und nach, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten zu teilen und zu multiplizieren bei den kleineren Kindern, die nach ihnen kommen. Wenn unsere Heranwachsenden mit der Sekundarstufe beginnen, werden sie an verschiedenen Aktivitäten beteiligt, die ihnen ermöglichen, mehr
Selbstsicherheit zu entwickeln, sich nützlich zu fühlen und ihresgleichen zu helfen. Dafür beteiligen sie sich am Abwaschen des Geschirrs in der Kita, helfen bei der Betreuung der Kinder in der Kita und der Babykrippe, wo sie
den Babys Liebe und Zuwendung geben, Geduld lernen, sie füttern, beim Windelwechseln helfen und überall wo es nötig ist.

In der Gruppe HOFFNUNG der Schulkinder werden sie dann zu Gruppenleiterinnen für die Jungen und Mädchen, die Schwächen haben im Schreiben, Mathematik, Spanisch und helfen auch bei den Hausaufgaben, unter anderen Aufgaben, die Tag für Tag anfallen. Diese Aufgaben sind sehr wichtig, weil sie unseren Jugendlichen, abgesehen von schulischer Anleitung, eine Bildung für das ganze Leben ermöglichen, und wenn sie in die Welt gehen, wissen sie schon etwas davon und können sich zurechtfinden unter so vielen sozialen Problemen und schlechten Einflüssen, denen sie in ihrem Umfeld täglich ausgesetzt sind.

Diesmal möchten wir SARA DANIELA NOSCUE TROMPETA vorstellen, ein Kind Indigener Herkunft, das schon als Baby in die Kinderhilfe kam. Sie hat sich bei uns sehr gut entwickelt, so daß sie heute in der Gruppe HOFFNUNG ist und schon zur Schule geht. Sie ist das einzige Mädchen unter vier kleinen Geschwistern, und ihre Mutter ist sehr arbeitsam und fleißig.

Aber so sehr sie sich auch anstrengt, sie kann dem Elend nicht entkommen. Sie hat viele Kinder zu ernähren, und sie kann definitiv Sara nicht die nötige Aufmerksamkeit schenken, die sie mit dem Eintritt ins Schulleben benötigt. Ihre Brüder sind nicht zuverlässig und sehen nicht die Notwendigkeit, ihre Schwester zu hüten. Deshalb haben sie sie oft nicht zur Schule gebracht, oder an manchen Tagen haben sie sie nicht abgeholt, oder sie haben sie abgeholt, aber mit nach Hause genommen und nicht in den Verein gebracht. Dort hatten sie aber kein Mittagessen, und wenn sie etwas hatten, so war es nicht nahrhaft. Außerdem war sie dort in Gefahr, und niemand konnte Sara hüten, wie es sicher ihre Mutter getan hätte. Deshalb entwickelten wir mit den Jugendlichen des Vereins einen Hilfeplan, nach dem die Mädchen, die älter sind als 15 Jahre, sich abwechseln, um Sara von der Schule abzuholen und in den Verein zu bringen, bis sie groß genug ist, sich allein zu verteidigen.

Jugendliche, wie Katherine Dayana Riascos, Kedy Yomara Piedrahita und Mabel Daniela Benitez haben unter anderem die Aufgabe, Sara abzuholen, und erfüllen diese liebevoll und zuverlässig. Sie wissen, was sie jeden Tag zu tun haben, auch ohne daß man sie daran erinnert und tun das mit ganz viel Liebe. Auch sind sie für die Hausaufgaben der Mädchen zuständig, der Anleitungen und Mitteilungen von der Schule von Sara zuständig und haben mittlerweile eine gute Beziehung zu den Lehrern und auch den Betreuerinnen des Vereins. Gleichzeitig begreifen sie auch die Wichtigkeit einer guten Bildung und dessen, was sie von ihrem Wissen mit anderen Kindern teilen können. So sieht man Sara jetzt sehr glücklich, unterstützt und geliebt von allen in der Kinderhilfe, und wir erleben, wie sie heranwächst und sich normal entwickelt. Wir alle hoffen, daß sich all die Bemühungen in der guten Gesamtentwicklung der Kleinen widerspiegeln werden.

JAFET DIAZ GALINDEZ: Dieser Kleine hat sich, seit er in die Kita aufgenommen wurde, gut integriert. Einige Male aber hatte die Familie daran gedacht, ihn aus dem Verein zu nehmen weil die augenblickliche Unterkunft sehr weit entfernt ist, weshalb er viele Male nicht in die Kinderhilfe kommen konnte. Seine Eltern, die immer zuverlässig und sehr arbeitsam gewesen sind, haben sich jedoch sehr bemüht, ihn in den Verein zu bringen, damit er sein Mittagessen bekam, schulische Hilfe und behütet wurde. Er hat nämlich große Schwächen beim Schreiben und in Mathematik.

Für ihn gibt es deshalb immer jemanden für die Nachhilfe, was Luisa Fernanda sein kann oder Angie Buitron, die ihm vor allem bei den Hausaufgaben in Mathematik helfen oder seine Hefte und Bücher durchsehen, in denen er viele Aufgaben hat. Diese Mädchen haben gelernt, viel Geduld und Toleranz aufzubringen, den Jafet ist ein sehr unruhiges Kind mit Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Auch schafft er es kaum deutlich zu schreiben oder zu rechnen. Deshalb braucht er fast immer eine personalisierte Hilfe, und die älteren Patenkinder sind dabei eine große Unterstützung. Jafets Mutter ist sehr dankbar für diese Hilfe, denn wegen ihrer Arbeit hat sie kaum Zeit für ihn, und außerdem versteht sie den Lehrstoff der Schule nicht. Daher wird die Kinderhilfe immer in jeder Hinsicht eine große Hilfe sein für die all die Menschen, die sie betreut. Dabei werden Vorhaben verwirklicht und Ziele erreicht in einer guten integralen Entwicklung und der Verbesserung der Lebensqualität von ganz vielen Familien.

Wir sind unendlich dankbar für all die Unterstützung für die Bildung und Erziehung unserer Kinder und Heranwachsenden, die normalerweise in unserem Land nicht möglich wäre. Aber die Kinderhilfe bietet uns jedoch neue Chancen für das Leben, die Bildung und Möglichkeiten, die alle Kinder bereichern, die das Privileg haben, zum Verein zu gehören, wo sie ihre verschiedenen Fähigkeiten entwickeln und so bessere Menschen werden.


Sandra Yicel Medina Sanchez