POPAYAN: BERICHT ÜBER DAS 3. QUARTAL 2018

SENSIBILISIERUNG UNSERER KINDER FÜR IHRESGLEICHEN UND UM DAS UMFELD ZU ACHTEN

Wenn man von Kolumbien spricht und vor allem von unseren Jugendlichen, ist das immer eine Gelegenheit, viele der sozialen Probleme aufzuzeigen, denen diese sich täglich stellen müssen. In der Kinderhilfe unterstützen wir ja die Menschen, die am meisten Not leiden, die aus den ärmsten, vernachlässigten Vierteln kommen und damit auch mit den schlimmsten Geschichten, Menschen, die vom Staat vergessen wurden.
Die Familien aus diesen Gegenden haben unendlich viele Probleme, angefangen mit ihrem Umfeld voll von Drogenmissbrauch, Gewalt, Jugendbanden, Missbrauch, unter anderem. Das Aufwachsen damit hat schon Probleme bei ihnen verursacht, und meistens haben sie auch eines oder zwei davon in der eigenen Familie. Deshalb sind sie schon dadurch gezeichnet und haben lebenslange Schäden bekommen. Und dabei haben wir noch nicht einmal erwähnt, dass fast alle Familien hier dysfunktional sind und sie am Rande des Elends leben, wo schon die Kinder den materiellen und emotionalen Mangel kennen, den Hunger, Kälte und weiteres. Das hat in diesem Lebensabschnitt schon Spuren hinterlassen, und wenn man nicht beizeiten eingreift, wird die Entwicklung und Zukunft unserer Jugendlichen davon bestimmt werden. Aus jeder Geschichte kann man lernen, weil die Kinderhilfe leider in vielen Fällen nur auf ein oder zwei Mitglieder einer Familie einwirken kann, in der Hoffnung, dass alles im Verein Gelernte sich unter den Familienmitgliedern und Geschwistern multipliziert, und warum auch nicht, unter den Nachbarn. So sollen soziale Anstöße gegeben werden, bei denen jede Maßnahme wirklich Veränderungen bewirkt und einen Unterschied schafft. So haben wir schon viele Veränderungen erreichen können und einen Unterschied zwischen denen, die in der Kinderhilfe aufwachsen und jenen, die zuhause und im Viertel bleiben. Das wird offensichtlich in ihrem Gesichtsausdruck bis hin zu ihrer körperlichen Erscheinung durch die Ernährung und Erziehung hier.


Für die Kinderhilfe ist es sehr wichtig, dass jedes Mitglied seine Persönlichkeit gut entwickeln kann. Deshalb fördern und bestärken wir in unseren Kindern den Sinn für Solidarität, bieten ihnen die Möglichkeit, mit anderen Menschen zusammen zu kommen und kennenzulernen, was sie umgibt. Vor allem aber sollen sie für ihresgleichen sensibilisiert werden, um die Einschränkungen anderer zu achten, aber auch um die Stärken jener kennenzulernen und zu schätzen. Sie sollen begreifen, dass jemand, der anders ist als die übrigen wegen seiner gesundheitlichen Umstände nicht weniger wertvoll ist, im Gegenteil. Man kann viel von ihnen lernen, und so können sie auf neutrale und natürliche Art und Weise andersartige Menschen kennen und schätzen lernen und damit unsere soziale Arbeit multiplizieren. Eine unserer Hoffnungen ist ja, dass sie so Gelerntes multiplizieren und lernen, ihren Nächsten zu lieben.
Dafür beginnen wir schon in frühem Alter damit, Ausflüge in andere Einrichtungen zu machen, wie zu FEDAR. Dort sind „besondere“ Kinder und Jugendliche (geistig behinderte). Aber die Liebe, Zärtlichkeit, Sozialverhalten und die Begabungen, schöne und kreative Dinge anzufertigen, macht sie einzigartig, und von ihnen können wir noch so viel mehr lernen. Bei ihnen sieht man keinen Egoismus, Neid, Verächtlichmachen; sie sind authentisch und durchsichtig. Und sie können uns eine wunderbare Botschaft von Liebe und Zärtlichkeit mitgeben. Auch können wir dort viel lernen, wie sie Papier und Karten herstellen, töpfern, und sie zeigen es begeistert den anderen, wobei sie ihr unschuldiges Wesen zeigen und ihre Liebe zu den Mitmenschen. Es ist eine ganz wertvolle Erfahrung zu erleben, wie diese Kleinen ihre Kenntnisse mit anderen teilen ohne Egoismus, ohne Neid und ohne Schlechtigkeit.
Auch können wir die alten Leute im Altersheim besuchen, die manchmal wie Kinder sind und Beispiele an Weisheit, Kraft, Durchhaltevermögen, und Lebensfreude in dieser Welt. Es ist eine ganz wunderbare Erfahrung, mit ihnen zusammen zu sein, wobei wir die Haltung unserer Kinder wiedererkennen und auch die Auswirkungen dieser Welt und dieses Landes, wo die Gesellschaft sich oft grausam zeigt. Es gibt hier nicht die nötige Pflege, aber viele undankbare Kinder, die ihre alten Eltern auf die Straße setzen, die zum Glück in diesem Altersheim aufgenommen werden. Sie ist hart, unsere Gesellschaft, denn allein in diesem speziellen Fall begreifen wir nicht, wie in unserem Land, die Regierung das Geld hat, um Waffen zu kaufen und Krieg zu führen, aber nichts hat, um diese „Asyle“ zu schaffen oder zu unterstützen, ganz zu schweigen von einer allgemeinen Bildung, die sie auch nicht ermöglichen. Aber in diesem besonderen Fall steht das „Asyl“, das die Kinderhilfe besucht, wieder einmal kurz vor der Schließung, und sie müssen von der Großzügigkeit von Spendern leben und den Almosen der Leute, weil der Staat sich nicht darum kümmert. Wenn diese alten Menschen von unseren Kindern besucht werden, spürt man eine unendliche Freude. Sie lächeln, andere weinen, wieder andere, die weder sprechen oder sehen können, sind begeistert von Umarmungen und wenn man ihnen zuhört, denn sie haben Geschichten zu erzählen und tun dies mit Begeisterung.

Um all dieses Lernen zu ermöglichen, das so wichtig ist für die umfassende Erziehung unserer Kinder und Jugendlichen, fördert die Kinderhilfe in den einzelnen Gruppen das Helfen, Lernen und die Liebe zu ihresgleichen. So helfen die Jugendlichen der oberen Schulklassen den Kleinen, indem sie ihnen die Hausaufgaben erklären, wie in der Gruppe Hoffnung. In der Kita für Kleinkinder und der Babykrippe helfen sie bei der Pflege, wie dem Windelwechseln, Frisieren, Füttern mit der Flasche, Schuhe anziehen und spielen mit ihnen. All das ermöglicht ein wechselseitiges Lernen und vor allem eine Sensibilisierung ihren Kameraden gegenüber. Ganz sicher wirkt sich das auch auf ihre Elternhäuser aus und ihr soziales Umfeld und hilft ihnen auch, viele Probleme zu überwinden und die Schäden eines harten Lebens zu tilgen.

Als Beispiel können wir das Mädchen ANGELA LORENA nehmen. Sie kam in die Kinderhilfe, als sie noch keine zwei Jahre alt war. Wir erinnern uns, dass sie noch nicht einmal richtig laufen konnte, als sie in die Kita kam. Und wir haben sie aufgenommen, weil ihre Mutter als Losverkäuferin auf der Straße arbeitete und das Kind immer bei sich hatte in der heißen Sonne, dem Regen und sie hindern musste am Laufen und einer normalen Entwicklung, weil das gefährlich für sie geworden wäre. Aber die Mutter hatte keine Alternative wegen ihres schweren Lebens und der materiellen Not. Inzwischen sind 15 Jahre vergangen, und Lorena ist immer noch bei uns, und der Unterschied zu ihren Schwestern ist bemerkenswert. Sie ist ein sehr vernünftiges Mädchen, fleißig in der Schule, liebt den Sport und hilft auch bei den Schulkindern und in der Babykrippe. Ihr Problem ist ihre Langsamkeit, und in der Babykrippe ist bei so vielen Tätigkeiten Schnelligkeit notwendig. Aber wir müssen hervorheben, dass diese Jugendliche sehr perfektionistisch ist. Wenn sie zum Beispiel ein Baby fertigmachen soll, was bedeutet, die Windeln zu wechseln, es zu frisieren, möchte sie es hübsch und ansehnlich aussehen lassen, wenn die Mutter es abholt. Sie hat ein ganz sanftes Wesen und kann das Weinen oder die Verzweiflung der Babys beruhigen und ihre Aufmerksamkeit fesseln, wenn sie sie in der Gruppe anspricht. All dies hat sie im Verein gelernt, und es ist das Ergebnis davon, dass sie schon so früh in die Kita gekommen ist und dass die Kinderhilfe ihr eine gute Erziehung ermöglicht hat und sie dazu motiviert, immer weiter über sich hinaus zu wachsen. Trotz ihrer Jugend hat sie eine ganz andere Denkweise , was wir an einem einzigen Beispiel sehen, denn im Gegensatz zu ihren Schwestern, ist sie beständig im Lernen in der Schule und dabei, sich eine andere Zukunft zu schaffen. In ihrem Alter waren ihre Schwestern schon schwanger, und Lorena hat da ganz anderes vor. 

In diesem Quartal möchten wir die kleine NICOL FERNANDA vorstellen. Sie wurde vor ungefähr drei Monaten fest in die Kinderhilfe aufgenommen, denn vorher kam sie nur zur Hausaufgabenbetreuung. Sie hat noch eine Zeit der Eingewöhnung und Probe und ist ein Kind, dem die Señora Mireya, die Mutter von Ana Maria Ruales, helfen wollte, denn das Kind war in der Stadt Cali verlassen worden, unterernährt und in schlechtem gesundheitlichem Zustand. Sie ist die Tochter eines Verwandten von Ana Marias Vater, und Ana Marias Mutter fand sie bei einem Besuch dort völlig vernachlässigt vor. Nicht einmal ihre Mutter gab ihr zu essen, weil sie auf der Straße lebte, und die älteren Geschwister auch nicht, die alle Drogen konsumierten. Dieses Kind befand sich in ständiger Gefahr, so dass sie die Mutter bat, sie für eine Weile mitnehmen zu dürfen, während sie sich erholte und heranwüchse. Und diese Mutter hatte damit kein Problem, sondern trennte sich von ihrer Tochter, als wäre sie ein Gegenstand und unterschrieb sogar ein Dokument, in dem sie die Erlaubnis gab, das Kind mit nach Popayan zu nehmen. So kam die Kleine in die Kinderhilfe, denn Dona Mireya konnte sie, wegen ihrer Arbeit, nicht ständig betreuen, und ihr Viertel ist ebenfalls sehr gefährlich. Deshalb wollte die Kinderhilfe ihr vorübergehend helfen, bis man die Möglichkeit sah, dass sie sich eingewöhnen konnte, was dann auch passierte. Die Señora Mireya hat sie in die Schule gebracht, und wir sehen das Kind besser angepasst. Sie hat an Größe und Gewicht zugenommen, kleidet sich besser und wirkt schon aufgeweckter und selbstständiger. Und wir helfen ihr, viele der Folgen ihrer Vernachlässigung zu überwinden. Dona Mireya behütet das Mädchen, bringt es zur Schule und holt es ab und hofft, ihr noch mehr helfen zu können und sie nicht wieder an ihren Herkunftsort zurückbringen zu müssen, wo sie nur in Gefahr wäre. So zeigt sie ihr Mitgefühl, ihre Sorge und Liebe für die Kleine, wobei auch die Kinderhilfe großen Einfluss auf ihre Entwicklung hat. Auch helfen und beraten wir Dona Mireya ständig, denn das Kind hatte manches Mal ein unangebrachtes Verhalten, was normal war wegen seines Aufwachsens auf der Straße. Dona Mireya verlor dann die Geduld, aber nach und nach können wir ihr in dieser Entwicklung helfen, bei der wieder ein Leben gerettet werden konnte. Außerdem sehen wir das Mitgefühl und die Sorge Ana Marias für die Betreuung dieses Kindes in der Kinderhilfe und zuhause.

Mit diesen Beispielen heben wir die gute Arbeit der Kinderhilfe hervor und fragen uns WAS FÜR EIN LEBEN HÄTTEN DIESE KINDER OHNE DIE KINDERHILFE. Aber zum Glück können wir uns auf wunderbare Menschen verlassen, die so vielen Jungen und Mädchen die Möglichkeit geben, ein glückliches Leben zu haben.

Sandra Yicel Medina Sanchez