HAUS URSULA IN POPAYAN: KITA UND BABYKRIPPE – BERICHT ÜBER DAS 3. QUARTAL 2018

SOZIALVERHALTEN, SOLIDARITÄT UND SENSIBILISIERUNG UNSERER KINDER

In unserem Land sehen wir viele Schwächen im Bereich der familiären Erziehung, die die Grundlage einer Gesellschaft ist. Diese setzen sich genauso in den Schulen fort, weshalb die natürliche Entwicklung der Menschen in unserem Lande meistens weit davon entfernt ist, solidarisch zu sein und sensibel gegenüber den Problemen und dem Kummer anderer. Das beinträchtig in großem Maße die Entwicklung und menschliche Bildung unserer Kleinen. Wir können noch hinzufügen, dass diese Kleinen, wenn sie heranwachsen, beginnen, negative Verhaltensweise zu zeigen in einem so schwierigen Land, wo es so viele bedürftige und ausgegrenzte Menschen gibt, die Verständnis, Liebe, Solidarität und Achtung der anderen benötigen.
In der Kinderhilfe haben wir gemerkt, daß das ganz offensichtlich ist bei unseren Jugendlichen, die inmitten so vieler sozialer Probleme aufwachsen mußten und die die Schäden eines so schweren Lebens davontragen und gezeichnet sind durch ein gewalttätiges Umfeld voller materieller Bedürfnisse. All das hat Spuren hinterlassen, die wir in ihrem Verhalten erkennen. Als Heranwachsende werden sie aufsässig und rebellisch, und es fällt schwer, mit ihnen zu kommunizieren. Daher müssen wir in der Kinderhilfe Strategien entwickeln und anwenden, um diesem Verhalten begegnen zu können, damit unsere Kinder und Jugendlichen nicht etwa auf Abwege geraten. Grade ihr Umfeld bietet ihnen diese täglich an in vielen Formen, die als Chancen verkleidet daher kommen und etwas Besseres versprechen. Aber am Ende münden sie in Schäden und der Zerstörung ihrer Zukunft.
Auch wenn wir hier nicht immer den Ausweg finden, die Antworten oder Lösungen, in den meisten Fällen können wir doch diese Geschichten ändern. Und die Kinderhilfe kann die Veränderungen sehen und daß sie Leben gerettet und ganz vielen Menschen ermöglicht hat, eine bessere Zukunft zu haben.
Deshalb bemühen wir uns immer, ihre Fähigkeiten zu fördern für eine bessere Entwicklung und möchten verhindern, daß die Abwesenheit ihrer Eltern wegen deren Arbeit, Ausbildung oder auch aus Verantwortungslosigkeit nicht die Chancen der Kinder beschneidet. Gleichzeitig bringen wir ihnen bei, daß ihre Freunde aus dem Umfeld meistens ein schlechter Umgang sind, der sie auf Abwege bringen kann. Deshalb ist es grundsätzlich in der Kinderhilfe so, und sollte es überall so sein, daß jeder Erwachsene seinen Kontakt mit den Jugendlichen nutzt, um ihm seine volle Aufmerksamkeit zu schenken und dabei den einen oder anderen Ratschlag zu geben.

Es kann vorkommen, daß die Heranwachsenden es leid sind, Ratschläge und Vorträge zu bekommen, trotzdem sollte man das aber immer wiederholen, damit sie sich daran erinnern können, wenn die betreffende Situation eintritt. Aber besonders eindringlich wirkt das Vorbild der Erwachsenen, weil sie irgendwann damit beginnen, das Verhalten, das sie wahrnehmen, zu reflektieren und nachzuahmen.
Daher gibt es in der Kinderhilfe Initiativen, die sie dazu animieren sollen, sich um ihren Nächsten zu kümmern und um das Fehlen von Mitgefühl und Solidarität in unserem Umfeld. Auch sollen sie lernen, die Fähigkeiten und Gaben, die wir alle mitbekommen haben, zu nutzen, indem sie etwas dazu beitragen, jemandem zu helfen, der in Not ist und daß man irgendwie positiv auch andere Leben beeinflussen kann.

In der BABYKRIPPE helfen uns die Heranwachsenden, die zur weiterführenden Schule gehen, vor oder nach dem Unterricht in der Schule. Man kann beobachten, wie liebevoll sie die Babys begrüßen, besonders die ganz kleinen und wie sie sich freuen, wenn diese sie anlächeln in ihrer reinen Unschuld. Es gibt aber auch unwillige Reaktionen, wenn sie eine volle Windel riechen, wenn ein Baby krank ist und sich übergibt, und hier müssen wir mit der Erziehung zum sozialen Verhalten beginnen, auch wenn es am Anfang schwierig ist, sich daran zu gewöhnen. Viele von ihnen mögen immer noch nicht den Po der Babys abwischen, die auf ihrem Töpfchen sitzen, aber wenigstens gewöhnen sie sich an die Fürsorge, die man ihnen geben muß und die Zuwendung, wenn man ihre Kleidung wechselt, sie frisiert, ihnen die Flasche gibt oder das Frühstück, und wenn man sie schlafen legt. Außerdem lernen sie die verschiedenen Lebensweisen zu respektieren und das Zusammenleben unter denselben Kindern.

Dabei können wir einige Mädchen vorstellen, wie ANA MARIA RUALES. Sie hat ein gutes Vorbild in ihrer Mutter, die als Haushaltshilfe arbeitet und kleine Kinder hütet. Ana Maria hat keine Probleme damit, einem Baby die schmutzige Windel zu wechseln. Sie hilft gerne, die Babys zum Schlafen zu bringen, nachzusehen, ob sie sauber sind, wenn sie zu Bett gehen oder dazu bereit sind. Sie muß nur noch lernen, die Aufmerksamkeit zu fesseln, wenn sie zu der Gruppe spricht.


ANGIE VANESA BUITRON beginnt grade, sich an die Mitarbeit bei den Babys zu gewöhnen und zu lernen, und man erkennt eine große Hingabe zu ihnen. Sie liebt es, die Mädchen zu frisieren und hat Freude daran, denn sie hat selber ganz langes Haar, und es wirkt, als würde sie gerne die Freude an ihrem Haar an die Mädchen weitergeben, die sich am Anfang nicht kämmen lassen wollten. Jetzt haben sie aber großes Vertrauen in sie gefaßt.

VALENTINA PACHECO ist ein ziemlich ernsthaftes Mädchen. Deshalb ist es so schön, sie bei den Kindern lächeln zu sehen, die großes Vertrauen zu ihr haben wegen ihrer Beständigkeit beim Helfen. Sie liebt es, sie lächeln zu sehen, und mehr noch als sie zu hüten, bringt sie ihnen bei, untereinander auf sich aufzupassen.
Die Heranwachsenden können in ihrem Umfeld zuhause und in der Nachbarschaft unangebrachte Musik hören, Sexualität in frühem Alter, Schwangerschaften, Saufgelage. Körperliche MIßhandlungen der Frauen, die sich den Männern unterordnen müssen und keinerlei Visionen einer Möglichkeit, voranzukommen. Die meisten jungen Mädchen müssen sich schon von ihren Freundinnen anhören, wie diese mißhandelt und mißbraucht werden von ihren Freunden und können nicht einmal einen Rat geben, weil sie nicht wissen, womit sie es zu tun haben. Unbeabsichtigt zusammen gekommen, binden sie sich und gehen Beziehungen untereinander ein, womit sie ihre Kindheit verkürzen und sich ihrer Jugend berauben.

Sie stellen sich gegen ihre Eltern, die sich darauf vorbereiten müssen, demnächst ein Enkelkind aufzunehmen, das die Kosten der Familie in die Höhe treibt.
Die Mithilfe der Kinder in der Kinderhilfe gibt ihnen eine Vorstellung von der großen Verantwortung, die man mit einem Kind übernimmt, vor allem in so jungen Jahren, von der Kraft, die es kostet und dem Beispiel, das man ihm geben muß. Unsere Mädchen lernen hier, das Verhalten der Kinder zu unterscheiden und stellen Fragen nach dem Warum bestimmter Verhaltensweisen der kleinen Kinder.


In der BABYKRIPPE hoffen wir, daß die Mädchen sich ihres eigenen Körpers bewußt werden , der Notwendigkeit, sich selber zu mögen, Verantwortung zu übernehmen für ihr Sexualleben und Empfängnisverhütung, zu wissen, wie man andere Menschen mit Achtung behandelt und aus den Gesprächen lernen, die wir mit den Eltern hier führen über die Wichtigkeit, ihre Kinder gut zu behandeln. Dies ist die beste Art zu lernen, vor allem da sie selber die angemessene Aufmerksamkeit erfahren haben und Teil einer Gruppe sind, die diese wiederum den kleinen Kindern gibt, die sich schon ganz liebevoll von ihnen verabschieden.

Aber für die Kinderhilfe ist es auch wichtig, daß dieses Sozialverhalten und die Sensibilisierung ihresgleichen gegenüber sich auch auf andere Bereiche ausweitet. Deshalb machen wir mit den Kindern, ab dem Alter von drei Jahren, Besuche an andere Orte. Bei den Besuchen im Altersheim beginnen wir, die Kleinen der Kita zu integrieren. Auch bei möglichen Besuchen in andere Kitas oder andere Gruppen, wobei sie tiefer in deren Umfeld und Welt eindringen können. So soll ihre Sensibilität und Liebe zu anderen geweckt und ihnen ermöglicht werden, mit alten Menschen zusammen zu kommen, mit ihnen zu spielen, sich gemeinsam zu beschäftigen beim Malen, zu frühstücken, als wären es ein paar weitere Kinder. Das macht sie froh, und sie zeigen ihre Sanftheit, die sie auszeichnet. Für einige ist es auch eine Möglichkeit, Ängste abzubauen, die sie aus Gründen, die wir nicht kennen, empfinden im Umgang mit alten Menschen, und wir helfen ihnen hier, diese zu überwinden.
Es ist eine wunderschöne Arbeit, die Möglichkeit zu geben, ihresgleichen zu helfen und zu begreifen, daß sie nicht allein auf der Welt sind, und daß diese Welt sie braucht. Aus diesem Grund hat die Kinderhilfe diese so bedeutenden und für die Erziehung zur Menschlichkeit wichtigen Ausflüge von der Babykrippe an begonnen.

Ein klares Beispiel dafür ist im Augenblick die Situation in der Babykrippe, wo wir mehrere ganz kleine Babys neu aufgenommen haben. Das hat die Heranwachsenden sensibilisiert, und wir können mehr Zeit verwenden für das Wechseln der Windeln und Füttern, während sie bei der Zwischenmahlzeit helfen und beim Umziehen. Auch achten sie darauf, die Kinder zur Toilette zu bringen, wenn sie es verlangen und sagen den Betreuerinnen Bescheid, damit sie die Pos abwischen, wenn es so weit ist. Sie passen beim Spielen auf, damit es nicht zu ruppig wird und damit es auch keinen Zwischenfall aus Unvorsichtigkeit gibt. Nachdem sie dann ihre Zwischenmahlzeit eingenommen haben, helfen sie uns, die Treppen zu fegen, denn sie haben verinnerlicht, wie wichtig ein sauberes Umfeld für die Kinder ist. Zum Schluß bringen sie die Thermoskannen für die Flaschennahrung hinüber, damit am nächsten Tag die Küchenfrauen sie erneut füllen können. Im Laufe der Zeit haben sie gelernt, selbständig ein Kind zu ermahnen, wenn es sich unangemessen verhält. Sie trauen sich inzwischen, es zur Strafe hinzusetzen für eine Zeit, und die Kinder haben gelernt, ihren Anweisungen zu folgen, und wenn sie aufgegessen haben, nehmen sie ihre Taschen und gehen zu ihnen, damit sie ihnen die Windeln wechseln oder sie umziehen können.

In diesem Quartal möchten wir eine ganz besondere Geschichte erzählen, die von der Senora LUZ ESTEFANY. Diese junge Mutter hat ein besonders schweres Leben. Offensichtlich wuchs sie mit großem Mangel an Zuwendung auf wegen der Verhaltensweisen ihrer Mutter, des Todes ihres Vaters, der Armut und fehlenden Bildung, der Gewalt in ihrem Umfeld. So können wir ihre Kindheit und Jugend zusammenfassen.

Danach, wahrscheinlich auf der Suche nach Zuwendung, hatte sie verschiedene Lebensgefährten, jeder von ihnen verantwortungslos. Diese junge Mutter fühlte sich am Ende mit ihren Kindern völlig alleingelassen, ohne diese ernähren zu können oder eine Unterkunft zu haben oder eine Möglichkeit zu arbeiten. Sie fühlte sich völlig in die Enge getrieben, ohne etwas zu essen zu haben oder es ihren Kindern geben zu können, als sie zum Glück durch eine Freundin von der Kinderhilfe erfuhr. Wir konnten die Familie dann in einer wirklich sehr beklagenswerten Situation besuchen, wo die Kinderhilfe eingriff mit Beistand, Liebe, Hilfe und Mitgefühl für die Allerärmsten, womit sie den Wert dieser wunderbaren Arbeit zeigt, die sie tut.

Mit der Aufnahme der beiden kleinsten Kinder, obwohl kein freier Platz mehr vorhanden war, denn alle Plätze der Kita waren schon besetzt, konnten wir auch einen Kleinen im Alter von zwei Jahren aufnehmen. Und von dem Moment an hat sich das Leben dieser jungen Frau verändert. Wir helfen ja nicht nur den Kindern, sondern auch dieser Mutter, indem wir emotionalen Beistand geben, Motivation, ihr ermöglichen zu arbeiten, unabhängiger zu werden, weniger unterwürfig, und vor allem, indem sie begreifen lernt, daß sie eine starke Frau ist und vorankommen kann. Das ist eine neue Aufgabe, bei der wir aber die Unterstützung der Kinderhilfe anbringen und unsere Vision anwenden können, und auf diese Weise können wir viele Leben verändern. Mit diesem Beispiel möchten wir die ganze wunderbare Arbeit der Kinderhilfe mit den Allerärmsten vorstellen.

Die Arbeit der Kinderhilfe ist wunderbar inmitten von so viel Elend, emotionalen und materiellem Mangel, Gewalt und anderen Problemen. Deshalb möchten wir immer wieder unsere Dankbarkeit ausdrücken für alle jene, die dieses wundervolle Werk möglich machen.

Yaneth Rocio Rivera und Sandra Yicel Medina Sanchez