Bäckereibericht: 4. Quartal 2019

Die Bäckerei ist ein wunderbarer Raum, wo die Jungen und Mädchen zweimal in der Woche einen Termin haben. An diesen Tagen können sie sich vormittags an der Zubereitung der Zwischenmahlzeiten für die ganze Kinderhilfe beteiligen und an den Nachmittagen erhalten sie theoretischen Unterricht über die Zubereitung der verschiedenen Speisen. Aber sie ist auch ein Raum, der ihnen ermöglicht, Dinge zu erkunden und auszuprobieren und über das hinauszusehen, was sie aus ihrem täglichen Leben kennen. Dabei nähern sie sich neuen Kontexten und verinnerlichen unbekannte Dinge, die ihre Gesamtentwicklung und Bildung fördern, ganz im Kontrast zu dem, was sie in ihrem Umfeld erleben. Die Kinder leben oft sehr eingeschränkt in Hütten aus Holzbretternoder sie wohnen zur Miete in Zimmern von 2 Quadratmetern. Deshalb wählen viele Kinder als Alternative die Straße. Dort gehen viele von ihnen verloren. Hier erleben Gewalt, Vandalismus und Drogenhandel vor allem in Form von Straßenkämpfen zwischen Jugendbanden. Wir können nicht zulassen, daß diese Jugendlichen ausgegrenzt bleiben, nur weil sie das Pech hatten in diesen Vierteln zur Welt kommen. Wir wollen nicht, daß sie die Straße als Alternative im Leben wählen, als einen leichten Ausweg um irgendwie an Geld zu kommen. Um das zu verhindern, gibt es die KINDERHILFE. In der Bäckerei erleben wir täglich wie die Jungen und Mädchen, während sie den Teig für die Brote oder verschiedenen Kuchen kneten, in Gespräche versunken sind, ohne dabei die Arbeit zu vernachlässigen.

Sie erzählen sich ihre Geschichten aus dem Viertel, was am Wochenende passiert ist oder unter anderem geben sie die populäre Musik oder Reggaeton wieder, die auch kein guter Einfluß ist für das Alter dieser Kinder. Es ist eine Musik, die auf Sexualität basiert, auf Drogen und Mißhandlung der Frauen. Hier nutzen dann die Betreuerinnen die Gelegenheit, um sie über das Gute und Schlechte aufzuklären und zu unterrichten, was sie tun und lernen müssen und was nicht, auch um diese Kinder von so viel Einfluß des Umfeldes zu befreien und damit sie eine andere Lebensweise kennen lernen, jenseits der ihrer Hütten. Vor allem sollen sie lernen, daß es andere Arten gibt, zu überleben, zu lernen, zu arbeiten. Auch wenn etliche Schwächen im emotionalen Bereich haben, Probleme beim Lernen in der Schule, können sie doch andere Dinge erlernen, und so ist die Bäckerei ein geeigneter Ort, um interessantes Wissen anzuhäufen und die Zeit positiv zu nutzen. In diesem Quartal haben wir die Brote, Kuchen, Nachspeisen, Kekse und verschiedenen Zwischenmahlzeiten für alle Gruppen sowohl im Haupthaus, wie auch im Casita zwei zubereitet. Aber es werden auch weiterhin die Sozialen Projekte bedacht, wie die Besuche im Altersheim, die Gruppe von Dona Marleny und Cottolengo (eine Art Hospiz für Frauen). Außerdem hatten wir in diesem Quartal ein ganz besonderes soziales Vorhaben, das uns ermöglicht, Sensibilität und Solidarität für unseresgleichen zu entwickeln mit dem Verteilen von Keksen. Diesmal haben wir 700 Kekse an Kinder verteilt, die mit ihren Eltern auf den Straßen arbeiten, oder die auf die Märkte mitgenommen werden, weil man sie nicht allein zuhause lassen kann. Die Familien haben kein Geld, um jemanden zu bezahlen, der sie hütet, und es gibt auch Eltern, die es

vorziehen, sie mit zur Arbeit zu nehmen, anstatt sie in der Obhut von Leuten zu lassen, von denen sie nicht wissen, ob sie sie gut betreuen oder ob sie im Gegenteil, dort in großer Gefahr sind. In einigen Fällen müssen diese Kinder ganz einfach arbeiten. Für sie haben alle Kinder des Vereins aus allen Gruppen, wie den Patenkindern, sich ans Werk gemacht, um leckere Kekse zu backen und mit Schokolade zu verzieren. Sie haben eifrig Papiertüten dekoriert, in denen sie auf hübsche Weise verteilt wurden. Als alle Kekse fertig und eingepackt waren, gingen sie im Zentrum der Stadt auf die Märkte, wie La Esmeralda, Barrio Bolivar und passierten auch etliche Ampeln, wo sie den Kindern dort mit einer Umarmung die leckeren Kekse anboten. Dabei lernten sie neue Gesichter kennen, und unsere Kinder wurden sensibilisiert für alle jene, die ganze Tage auf der Straße verbringen, bei Regen und Hitze, Kinder, die etwas essen können, wenn es der Verdienst ihrer Eltern mit den Geschäften erlaubt. Das Essen kann aus einem Kaffee mit einem trockenen Brötchen bestehen und vielleicht einer dünnen Suppe als Mittagessen, wobei sie täglich auf der Straße Not leiden. Aber als sie die Kekse geschenkt bekamen, zeigten sie sich sehr glücklich, und die Kinderhilfe ermöglichte ihnen, etwas Zuwendung und Solidarität zu spüren, wobei sie gleichzeitig anerkannten, wie groß die Unterstützung ist, die man im Verein erhält. Die Kinder begreifen, daß sie täglich hier behütet werden und so viele Wohltaten erfahren und außerdem lernen, sich der Umwelt gegenüber zu sensibilisieren. Jeder Tag ist eine interessante Geschichte, und diesmal möchten wir hervorheben, wie groß das Interesse der Kinder in den anderen Gruppen ist, in die Bäckerei kommen zu können. Für viele von ihnen ist es wie eine Prämie und riesige Motivation, ein anderes Umfeld zu erleben, voller Lehren, Teige zu kneten und leckere Rezepte zuzubereiten. Diesmal stellen wir Ihnen CARLOS (Name geändert) vor, einer unserer Jungen mit den vielleicht größten sozialen Problemen. Er ist schon als Baby in die Kinderhilfe gekommen, und ihm und seiner Mutter haben wir schon in der Schwangerschaft geholfen, denn sie kommen aus einer extrem armen Familie. Außerdem ist seine Herkunft voll von sozialen Problemen, denn sein soziales Umfeld ist das des Drogenhandels und Vandalismus. Viele seiner Angehörigen haben ein gewaltsames tödliches Ende gefunden. Er lebt in einem höchst gefährlichen Viertel, wo er täglich nur Gruppen von 10 bis 15 Jugendlichen Drogen konsumieren sehen kann, Kämpfe zwischen Jugendbanden, nicht nur mit Stichwaffen, sondern auch mit Schusswaffen, wobei viele seiner Verwandten mitmachen. Aber von seiner Familie hebt sich Carlos ab, obwohl er mitten unter ihnen lebt. Er hat ein anderes Aussehen, und in seinem Alter hat er noch keine Drogen kennengelernt oder konsumiert, und er hat eine Mutter, die für ihren Sohn eine andere Zukunft erhofft. Auch sie läßt sich leiten, und wir haben ihr ermöglicht, mehr über die Welt draußen zu erfahren und daß ihr Sohn sich für ein anderes und besseres Leben vorbereiten kann als das seiner restlichen Familie. Carlos hat großes Interesse an der Bäckerei gezeigt, und für ihn ist es eine Auszeichnung, in den Vorbereitungsstunden für das Brotbacken dabei sein zu können. Er knetet gerne den Teig und genießt es auch, mit seinen Kameraden zusammen zu sein. Auch wenn sein schlimmes Umfeld ihn zu einem sehr unruhigen Jungen gemacht hat mit einigen problematischen Verhaltensweisen, sehen wir, wenn er in der Bäckerei ist, daß sein Verhalten ein ganz anderes ist. Er verhält sich sehr vernünftig und konzentriert sich auf seine Aufgabe. Er wartet auf die Tage, an denen gebacken wird, damit er seine Betreuerin in der Gruppe bitten kann, daß sie ihm erlaube, in der Bäckerei mitmachen zu dürfen, um zu lernen und um die Brote zu formen. Und wenn er dabei ist, erkennt man seine Geschicklichkeit und Leichtigkeit, mit der er lernt und vor allem, seine Freude daran. Das möchten wir besonders betonen, denn einem Jungen aus seinen Lebensumständen gefallen diese Arten von Tätigkeiten normalerweise nicht. Aber dieser Junge ist auch in der Schule vorangekommen und wird jetzt in die fünfte Klasse der Grundschule kommen, womit er dann seinen Aufenthalt in der Gruppe der Grundschulkinder und im Verein beendet hätte. Seine einzige Möglichkeit, weiter in der Kinderhilfe bleiben zu können, ist das Projekt der Bäckerei, denn Kinder, wie er brauchen eine andere Chance im Leben, daß sich jemand auf der Welt für Ihr Wohlergehen interessiert, ihnen zeigt, daß sie eine andere Zukunft haben können, ohne Drogen oder kriminell zu werden, sondern daß er andere Sachen lernen kann und daß die Welt ihm etwas anzubieten hat. In seinem Fall ist es die Kinderhilfe, die ihm

ermöglicht hat, ein anderes Leben zu haben und ein glücklicher Junge zu sein, was er im Umfeld des Vereins ist. Er kann sich eine bessere Zukunft vorstellen, in der er weiterkommen und auch innerhalb seiner Familie ein Vorbild sein kann, indem er das multipliziert, was er hier bekommen hat. Dies ist ein wundervolles Projekt, und deshalb möchten wir, im Namen aller Kinder, uns vielmals bedanken für all die Unterstützung und die Bemühungen, die gemacht werden, damit dieses Projekt existieren kann, als Grundlage von Sozialen Aktivitäten und auch als Lehre für unsere Kinder. Dabei profitiert die ganze Kinderhilfe von den leckeren Produkten. Aber ohne SIE wäre diese wunderbare Arbeit nicht möglich. Sandra Y. M. S.