Programm Hoffnung für Kinder ohne Zukunft Popayan: 4. Quartalsbericht 2019

Die Lage in unserem Land ist sehr schwierig. Wir haben mitbekommen, wie der bewaffnete Konflikt erneut auf alarmierende Weise aktiviert wurde. Es reicht nicht, daß wir vom Krieg gebeutelt sind, von Armut und Elend, die jeden Tag größer werden, zweifellos wächst damit die sexuelle Gewalt gegen Frauen. Die Mißachtung, Unterdrückung und das Fehlen von Chancen trägt dazu bei, daß sich die sexuelle Gewalt alarmierend vermehrt hat, vor allem bei den Kindern, die inmitten von Armut leben, weil sie noch verletzlicher sind und es an Betreuungsmöglichkeiten fehlt.

Dadurch werden sie leicht zu Opfern sexueller Aggressoren. Es ist schon so schlimm, daß das für viele Menschen alltäglich und normal geworden ist, wobei unsere Mädchen am meisten davon betroffen sind, die, wenn sie Opfer dieser Taten geworden sind, aus Angst und Mißtrauen wegen der Drohungen nicht reden können und schweigend dieses schreckliche Panorama über sich ergehen lassen. Diese Art der Kindesmißhandlung ist zu einem ganz großen Problem geworden, und die Kinder haben niemanden, an den sie sich wenden oder bei dem sie ihren Kummer loswerden könnten. Das können wir daran erkennen, wie viele unserer Mütter und Kinder in der Kinderhilfe, die irgendwann in ihrem Leben Mißbrauchsopfer des Mißbrauchs wurden, für das ganze Leben gezeichnet sind. Noch an ihren Kindern erkennt man die Narben und Leere. Wie wir ja wissen, entwickelt jeder Mensch, der auf irgendeine Weise Opfer eines Mißbrauchs wurde, ein geringes Selbstwertgefühl, wirkt intellektuell eingeschränkt und resigniert und kommt beruflich auch nicht recht voran oder hat keine Erwartungen an seine Zukunft. Missbrauchte Mütter werden häufig zu Opportunisten und geben das an ihre Kinder weiter, was sich dann in Verhaltensauffälligkeiten widerspiegelt. 

Wenn die Kinderhilfe dann beginnt, nachzuforschen oder Psychologische Hilfe zu geben durch unsere Psychologin, kommt heraus, daß viele unserer Mütter dieser Kinder sexuell mißbraucht wurden, oder daß viele unserer Mädchen, um nicht zu sagen alle, in ständiger Gefahr leben, mißbraucht zu werden. Sie leben in dysfunktionalen Familien, in Massenunterkünften mit vielen weiteren Familien zusammen, mit Onkeln, Cousins, Neffen, und viele von denen zeigen unangemessene Verhaltensweisen und Drogenprobleme. Dadurch befinden sie sich in akuter Gefahr, und das ist eine ganz große Sorge der Kinderhilfe. Inmitten all dieser Situationen haben die Eltern auch sehr große Probleme gehabt, die sie zu staatlichen Instanzen geführt haben, um ihre Kinder zu schützen oder weil einige Aggressoren sich unverschämterweise über die Frauen hinweg gesetzt haben, ohne die Anwesenheit Erwachsener zu beachten, weil das Ambiente unserer Kinder sehr intolerant ist. Diese Art von Mißbrauch und Aggression ist dort, unter anderen, schon zu etwas Normalem geworden. Aber wir konzentrieren uns hier auf den sexuellen Mißbrauch und die Gefahren, in denen sich unsere Kinder befinden. Dafür möchten wir den Jungen PEDRO (Name geändert) vorstellen. Wir zeigen hier die Perspektive der Mutter auf und können dabei zeigen, wie die Kinderhilfe mit ihrer Arbeit an den Kindern, viele Dinge und Geheimnisse von Müttern aufdecken kann, die bis dahin aus Angst und Scham geschwiegen haben. In vielen Fällen ist das Grund, warum ihre Kinder emotionale oder Lernprobleme haben, Schwierigkeiten, die Folgen sind dieser Traumata, die ein Mißbrauch in den Müttern hinterlassen hat und die ihre Kinder in ihrem Wachstum und ihrer Entwicklung behindern. Pedro hat von Anfang an, seit er ganz klein in die Kinderhilfe gekommen ist, viele Probleme gehabt, wegen derer wir ihm sehr viel Unterstützung gewährt haben, weil wir wissen, wie sehr er diese braucht und heute, mit seinen 12 Jahren, braucht er den Verein immer noch sehr wegen seiner Probleme in der Schule. Seine Lernschwierigkeiten haben seine Mutter bewogen, mit ihm zu einem Neuropsychologen zu gehen, und die Diagnose ergab eine leichte geistige Behinderung. Bei den Gesprächen der Mutter mit unserer Psychologin kam heraus, daß Pedro das Ergebnis einer Vergewaltigung ist durch einen Verwandten von ihr. Das Schrecklichste für sie war, daß ihre Angehörigen, obwohl sie es wußten, ihr nie richtig geholfen haben, und sie mußte mit diesem Trauma ihr ganzes Leben lang allein leben und fertigwerden, ohne jemals eine Therapie bekommen zu haben. Heutigen Tages zeigt sich das auf eine Weise bei Pedro, dessen Leben mit einem Trauma begann, auch für sie, die immer noch und immer wieder daran denken muß und nicht begreifen kann, wie ihre Familie, obwohl sie alles wußte, ihr nie die Hilfe gegeben hat, die sie brauchte, um wenigstens ein wenig damit fertigzuwerden. Auch zeigt dies die Bedürfnisse Pedros an Behütung und Fürsorge, denn wäre nicht die Kinderhilfe gewesen, wäre er heute viel empfänglicher dafür, der Straße zu verfallen und den sozialen Problemen. Zum Glück konnten wir ihnen in der Kinderhilfe psychologische Hilfe geben, und die Mutter konnte sich ein wenig erleichtern und von dem Trauma befreien, was ihr seinerzeit nicht möglich war. Solche Probleme werden erst im Laufe der Zeit entdeckt, und das ist auch nur möglich, wenn die Kinderhilfe in die Not der Kinder eintaucht und in die Bedürfnisse der Familien insgesamt. Das ist aber nötig, um gemeinsam mit Eltern und Kindern arbeiten zu können, damit diese positive Ergebnisse in ihrer gesamten Entwicklung haben können, auch der seelischen. Man muß hier aber betonen, daß sowohl Pedro, wie auch seine Familie, sehr arm ist und es ihnen schwer fällt, den Lebensunterhalt zu verdienen. Das ist allein möglich durch die Arbeit der Mutter als Hausangestellte und dem Müllsammeln, worin sie sich an den Wochenenden betätigt. Nur so können sie die Nahrungsmittel beschaffen und inmitten eines so feindlichen Umfeldes überleben. Es ist sehr schlimm, denn ganz viele Familien müssen in derselben Situation, wie Pedros Mutter leben, und wir sorgen uns unendlich um die meisten Kinder und Jugendlichen, die in der Gefahr eines Mißbrauchs leben, sei es auf der Straße oder in ihren eigenen Elternhäusern. Indem wir es aus der Perspektive der Minderjährigen und direkt betroffenen Mädchen sehen, die sich in der Gefahr befinden, mißbraucht zu werden, können wir eine Situation schildern, die sich in diesem Quartal ergeben hat: MARIA ESTEFANIA (Name geändert) lebt in einem sehr schlimmen Viertel, wo es viele Drogenprobleme gibt und man an jeder Ecke Menschen unter Drogeneinfluß sieht und es sogar normal ist, daß die Menschen auf der Straße verelenden. Das Mädchen ist Waise von Seiten beider Eltern und der Barmherzigkeit von Leuten ausgeliefert, die es wie eine Tochter aufgenommen haben und sie sehr behüten. Aber allein die Tatsache, daß die Leute, die ihr Vormund sind, keine Angehörigen sind und sie dort mit noch weiteren Menschen zusammen wohnt, bedeutet für sie eine Gefahr. Aber in ihrem Fall bestand die Gefahr nicht im Hause, sondern auf der Straße, wo sie eines Tages zum Laden ging. Dort traf sie auf einen stark unter Drogen stehenden Mann, der sie zu berühren begann und fest nach ihren Brüsten griff. Zum Glück waren andere Leute und auch Verwandte in der Nähe, die sie verteidigen konnten und verhinderten, daß dieser Angriff in einer Vergewaltigung endete oder in noch schlimmerem. Aber der Zusammenstoß der Leute, die Maria in ihrer Obhut haben und der Familie jenes Mannes, die nicht zulassen wollte, daß sie diesen körperlich angriffen, wurde zu einem schweren Straßenkampf, der fatal endete. Man mußte die Polizei rufen, und Marias Familie mußte ihn wegen Mißbrauchs oder versuchten Mißbrauchs einer Jugendlichen anzeigen, womit die Konflikte zwischen den beiden Familien sich weiter verschärften. Und seitdem hat Maria in ihren jungen Jahren schon Feinde, nur, weil sie sich nicht hat mißbrauchen lassen und weil jemand sie verteidigt hat. Und das ist nur ein kleines Beispiel für all die Gefahren, in denen sich unsere Mädchen und Jungen auf der Straße befinden. Aber dank der Kinderhilfe werden sie unvergleichlich beschützt und behütet vor vielen Angriffen und Mißbrauch. Auch erhalten sie hier Erziehung, Kommunikation und Informationen, auch die Eltern, daß sie sehr auf ihre Kinder achten müssen und vor den Leuten beschützen, mit denen sie zusammen leben. Die meisten Fälle, nach Studien in diesem Land, und die meisten Taten geschehen durch Personen, die mit den Kindern zusammen wohnen und oft sind es auch Angehörige. Deshalb greifen wir in der Kinderhilfe früh ein, damit die Kinder imstande sind, sich zu verteidigen und auch eine Stimme haben und Vertrauen, nahestehenden Menschen alles zu erzählen, wie ihren Betreuerinnen, wenn sie Opfer einer Vergewaltigung, eines Mißbrauchs geworden sind oder einem Menschen gegenüber Mißtrauen empfinden. Die Gruppe HOFFNUNG FÜR KINDER ist ein überaus netter Ort für alle, die täglich hier zusammen sind. In diesem Quartal hatten wir auch die weihnachtlichen Feiern und den lebendigen Adventskalender, wo es viele Aktivitäten gab, wie Basteln, Verzieren von Keksen, es gab einige Speisen, die mit der Weihnachtszeit in Bezug standen und die wunderbare Chance, in der Kinderhilfe zu sein. Da wir uns in den Ferien zum Jahresende befinden, kommen jetzt täglich um die 45 bis 50 Kinder ins Haus, die miteinander viele Spiele spielen, wie „Gummitwist“, puzzeln, lesen, mit Puppen oder dem Puppenhaus spielen, malen , zeichnen und basteln. Dadurch haben sie hier ein sehr behagliches Ambiente in den Ferien. Die Erzieherinnen müssen auf die Betreuung vieler Kinder vorbereitet sein und ihnen Harmonie, Frieden und Ruhe ermöglichen können und die Sicherheit, daß es ihnen gut gehen wird, während ihre Eltern arbeiten. Dazu genießen sie die Zwischenmahlzeiten und das Mittagessen, das in der Küche mit viel Liebe zubereitet wird, wodurch sie ein angemessenes Gewicht haben können.

Es ist auch eine große Hilfe für die Eltern, sich bei der Arbeit nicht um die Ernährung ihrer Kinder sorgen müssen. Wir hatten wieder einen wunderschönen Ausflug, als wir Kekse an Kinder auf der Straße verteilt haben, die dringend etwas Zuwendung brauchen und eine liebe Umarmung bekamen und als Zeichen von Zuneigung leckere Kekse, die mit Schokolade verziert waren. Wir machten auch die Besuche im Altersheim, und einige Jugendliche aus dem Patenschaftsprogramm und der Bäckerei besuchten Soziale Zentren für behinderte Kinder, wie auch Cottolengo. Aus der Kinderhilfe brachten sie ihnen leckere Nachspeisen mit, was diese Menschen besser essen können, und auch sie bekamen die Aufmerksamkeit und Zuwendung unserer Jugendlichen, die sie mit Hingabe in ihren Rollstühlen spazieren führten oder sie liebevoll mit Pudding fütterten, der hier zubereitet worden war und der für sie ganz köstlich ist. Es ist ein wunderbares Werk, was die Kinderhilfe in unserer Stadt ermöglicht, für das wir unseren Dank aussprechen möchten. Es macht etwas so Wertvolles möglich, das wir ohne IHRE Hilfe nicht haben könnten. In den Schulen beschränkt man sich darauf Lehrstoff zu vermitteln. Es gibt kaum eine Einrichtung in diesem Land, die den Kindern eine umfassende Entwicklung und Erziehung ermöglicht, unter Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse und vielfältigen Problemen, die es in ihren Hütten, Elternhäusern und ihrem gefährlichen Umfeld gibt. Danke, daß Sie so viele Mühen aufbringen und ihnen ermöglichen, ein anderes und glückliches Leben zu erleben.

Sandra Y. M. S. mit Beiträgen von Nury L. H.