Indigena-Schule von SAN JOSE DE GUAYABAL: 4. Quartal 2019

Seit April 2019 hat es eine Reihe von Kundgebungen der Indigenas und Campesinos, der Landbevölkerung, gegeben, weil die nationale Regierung ihre Versprechen und Aufgaben im sozialen Bereich nicht erfüllt hat. Außerdem haben die Paramilitärs an Stärke gewonnen und begonnen die Gemeinschaften zu bedrohen, damit sie keine weiteren Protestaktionen mehr starten. Im Laufe dieses Jahres sind im Department Cauca ungefähr 132 soziale Anführer ermordet worden, darunter Indigene, Campesinos und Afros. Die meisten davon waren Indigene. Auch im Reservat von SAN JOSE DE GUAYABAL ist das Problem bekannt, denn die „Gobernadora“ Mildred Gueja hat ebenfalls telefonische Drohungen erhalten. Die Bevölkerung ist beunruhigt durch die unsichere Lage. Deshalb wurde es verboten, in den späten Abendstunden die Verkehrswege zu benutzen. Aber manchmal muß das eine oder andere Familienmitglied doch noch abends unterwegs sein. Dann ist die Familie sehr in Sorge. Auch für die Schüler der Grundschule und der weiterführenden Schule ist es gefährlich, weil sie ständig dorthin unterwegs sein müssen, um in den Unterricht zu kommen. Das beunruhigt die Eltern sehr. Aus diesem Grund wurde abends eine Sicherheitskontrolle der indigenen Wache organisiert. Das ist gefährlich für die Leute, die diese Aufgabe übernehmen, darunter Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

In der Schule halten die Lehrer kleinere Vorträge für die Kinder und Jugendlichen, damit sie auf Gefahren achten und auch lernen, wie sie in den verschiedenen Situationen reagieren sollten. Sie teilen dann ihre Kenntnisse mit ihren Familien zuhause.

Bei der schulischen Begleitung der Jugendlichen aus der weiterführenden Schule wird der Satz des Pythagoras des rechtwinkligen Dreiecks erklärt.
Die Kinder malen Sätze in ihrer Sprache Nasa Yuwe, die sich auf den Frieden beziehen: Sie rufen die Menschen u.a. dazu auf, das Recht auf Leben zu achten, auf die Einheit und die Gleichheit. Auf diese Weise werden sie schon in der Kindheit in positiven Werten und mit beruflicher Ethik erzogen.

Am Ende des Schuljahrs beteiligen sich die Schüler an einer Feier mit verschiedenen künstlerischen Darbietungen, wie Tänzen, Liedern, Theaterstücken, Reimen. So lernen sie, vor einem Publikum aufzutreten und das Lampenfieber zu verlieren.

Nariye P. schafft das Abitur

Nariye P. als Technische Abiturientin

Die Familie von Nariye mietete anfangs ein Haus, in dem sie 2 Jahre wohnte. Nach dieser Zeit übergab der Cabildo ihnen ein Haus in dem Ort La Esperanza und schenkte ihnen Land dazu. Sie begannen Kaffee und Zuckerrohr anzupflanzen. 2011, als Naryi gerade in die vierte Klasse gekommen war, gingen ihre Eltern jedoch wieder für ungefähr ein Jahr in ihren Heimatort Belalcazar zurück, um dort Produkte anzubauen, die nur in kaltem Klima gedeihen, wie u.a. Kartoffeln, Ollucos, Weizen und Bohnen. Sie wollten gesündere Produkte anbauen und an die Nachbarn verkaufen, um ein Einkommen zu haben. Alejandra blieb traurig zurück, weil sie die Fürsorge und Unterstützung ihrer Eltern vermisste. Die Zuwendung ihrer Großeltern ist nicht die gleiche, wie die der Eltern. Sie ging aber weiterhin zur Schule. Mit zehn Jahren beendete Naryi mit der fünften Klasse die Grundschule in San Jose de Guayabal und kam dann auf die weiterführende Schule Nuestra Senora del Rosario, als Patenkind der Drachenflieger. Die Kinderhilfe unterstützte sie mit den Schulsachen, dem Essen in der Schulkantine und allem was sie für den Schulbesuch benötigte. Sie zeigte immer großes Interesse am Lernen und kam daher Jahr für Jahr weiter. Im Dezember des Jahres 2018 hatte der Vater von Naryi, William P., einen Unfall. Er wurde von einem Motorrad überfahren und erhielt dabei einen heftigen Schlag gegen den Kopf, der ein Schädel-Hirn-Trauma verursachte. Es gab aber kein medizinisches Zentrum in der Nähe, in dem er angemessen hätte behandelt werden können, weshalb sich sein Zustand zunächst verschlechterte, bis er endlich in das Krankenhaus von Popayan gebracht wurde. Dort wurde er behandelt und der Arzt schrieb ihn auch für 6 Monate arbeitsunfähig. In dieser Zeit war es ihm unmöglich körperlich anstrengende Arbeiten zu übernehmen. Deshalb arbeitet seine Frau, Blanca P., im Haushalt einer Familie in Popayan, um die Medikamente für ihren Mann und den Unterhalt für ihre vier Kinder bezahlen zu können. Das waren die 16-jährige Naryi, Dianey (13 Jahre), Carlos (11 Jahre) und Sindi (7 Jahre). Jetzt mußten die Kinder, neben der Schule, auch noch die Arbeiten im Haushalt erledigen. Täglich standen sie gegen 4.30 Uhr morgens auf, um das Frühstück zu machen und das Mittagessen für den Vater, der im Hause blieb. Weil Naryi die Älteste ist, mußte sie ihren Vater pflegen und die 3 Geschwister versorgen. Aber auch so ließ sie in ihren schulischen Leistungen nicht nach und kam in der Schule gut voran. Nach und nach erholte sich der Vater von den Unfallfolgen und er wollte auch wieder mitarbeiten, um die Schulden bezahlen zu können. Dadurch blieben die Kinder tagsüber allein zuhause. Trotz all der Schwierigkeiten schaffte es Naryi die Sekundarstufe zu beenden. Mit 16 Jahren schaffte sie das technische Abitur, worauf ihre Familie und die ganze Gemeinschaft sehr stolz sind. Sie ist unendlich dankbar für die riesige Unterstützung durch die Patenschaft der Drachenflieger und der Kinderhilfe während ihrer gesamte Schulzeit. Dadurch kann sie sich jetzt noch weiterbilden, um ihre Eltern unterstützen zu können, ihre Geschwister weiterzubringen und ihrer Gemeinschaft zu helfen.

Jose Nolver Pete Yandy als Rechtsanwalt

Wir begreifen jeden Tag mehr, daß die Stärke unserer Schule darin besteht, daß wir auf SIE zählen können, die Sie uns all Ihre Unterstützung geben. Für Ihre große und unendliche Hilfe widmen wir IHNEN die Erfolge der Jugendlichen, die in unserer Grundschule begonnen haben und jetzt ihr Ziel erreichen konnten. Sie sind sehr weit gekommen. Danke, vielen Dank! Wir wünschen Ihnen ein glückliches Jahr voll von viel Segen und Erfolg bei Ihrem großartigen Werk.

Jesus Pacho und Soledad Perfetti