Programm „Hoffnung für Kinder ohne Zukunft“, Pasto, 1. Quartalsbericht 2020

Coronavirus: ein weiterer Angriff, dem wir begegnen müssen

Das Coronavirus stellt unser ohnehin schwaches Gesundheitssystem auf die Probe. Am 6. März wurde in Kolumbien der erste Fall einer Infektion bekannt, aber die Maßnahmen, die die Regierung seitdem angeordnet hat, helfen hauptsächlich den multinationalen Konzernen, den Banken und den Politikern selbst: mit zinslosen Krediten und anderen Zusagen, damit ihre Vermögen nicht angegriffen werden. Zuletzt hat die Regierung sich diese Krise zu Nutze gemacht, und unter Anwendung des Dekrets 444 von den Behörden des Landes eigenständig Mittel an Banken und Unternehmen verliehen. Mit der Folge, dass für die Versorgung der Bevölkerung nun weniger Geld zur Verfügung steht!

Diese fürchterliche Regierung kümmert sich nicht darum, die Krankenhäuser mit dem Notwendigen zur Versorgung der Schwerkranken auszustatten. Auch andere Standorte für die Krankenversorgung werden nicht entsprechend ausgerüstet. Das wäre aber wegen der raschen Ausbreitung des Virus dringend notwendig (608 gemeldete Fälle bis heute, 2 bestätigte Fälle in Nariño allein am 28.03.). Andererseits werden häufig gar keine Tests durchgeführt, weil die Gesundheitsbehörden nicht genug Testeinheiten haben und wegen der hohen Kosten auch vermeiden, sie einzusetzen, selbst wenn Angehörige eines Erkrankten danach verlangen. Wir müssen daher mit einem medizinischen Notstand rechnen und mit vielen Opfern.
Die wirtschaftliche Situation darf man dabei nicht außer Acht lassen: Mit der Anordnung der Zwangs-Quarantäne seit dem 24. März ist die schwächste Gruppe der Bevölkerung, die täglich von der Hand in den Mund lebt, gezwungen zuhause zu bleiben. Diese Menschen können kein Geld für ihren Lebensunterhalt verdienen und noch weiß niemand, ob diese Regelung nicht über den bisher angekündigten Termin hinaus verlängert wird.
Dieser Präsident hat nicht einen Gedanken daran verschwendet, wie die Menschen ihre Kosten für die Unterkunft oder die Schulden bei der Bank bezahlen sollen. Für die einfachen Leute laufen die Kosten weiter und die Rechnungen kommen weiter ins Haus. Sie sind völlig verzweifelt und viele versuchen deshalb trotzdem ihre Arbeit als Straßenverkäufer, als Haushaltshilfe oder Motorrad-Taxifahrer fortzusetzen. Dabei müssen sie das Risiko eingehen, wegen der Missachtung der Quarantäne verhaftet zu werden oder aber sich mit dem Virus anzustecken.
Hier in Pasto sind alle unsere Familien von der Situation schwer getroffen. Sie alle arbeiten im ungeregelten, sozial nicht abgesicherten Bereich. Sie haben keine festen Einkünfte und leben jeden Tag von dem, was sie einnehmen können, und es gibt viele alleinerziehende Mütter, die einfach nicht wissen, wie es weitergehen soll.
Angesichts der Lage und in Kenntnis der dringendsten Bedürfnisse dieser Familien, unterstützt die Kinderhilfe diese Menschen weiterhin bedingungslos. Als erste Maßnahme hat die Kinderhilfe einen Großeinkauf mit Grundnahrungsmitteln für die Familien gemacht, Fahrgeld für den Monat März verteilt und auch jetzt halten wir ständigen Kontakt mit den Menschen, um zu erfahren, was sie am nötigsten brauchen und um ihnen zu vermitteln, dass sie in ihrer Not nicht allein sind, sondern auf die Kinderhilfe zählen können. Alle Familien sind sehr dankbar, dass ihnen die Kinderhilfe in dieser Zeit großer Not beisteht.

Aktivitäten während dieses Quartals:

Die Kinder bekommen das jährliche Schulpaket:
Ende Januar, als für die Patenkinder das neue Schuljahr begann, wurden die Schulpakete verteilt, die jedes Kind hier bekommt. In diesen Paketen stecken Hefte, Farben, Karton, Bleistifte, Stifte, Hefter, Klebstoff, Lineal, Radiergummi und Anspitzer. Ebenso bekamen die Kinder und Jugendlichen, je nach Bedarf, Teile der Uniform. Damit haben die Aktivitäten in diesem Jahr in Pasto begonnen.

Schulische Aktivitäten:
Zur Wiederaufnahme der Hilfen für die Schüler haben wir neue Gruppen organisiert, die von den Schülern höherer Klassen (neunte bis Universität) angeleitet werden. Es entstanden fünf Arbeitsgruppen, die von den Patenkindern Camila T., Johana U., Jancy O., Oscar G. und Katherine E. betreut werden. Sie übernehmen die Verantwortung für die Arbeit mit den jüngeren Kindern, leiten sie bei den Hausaufgaben an, begleiten sie und helfen ihnen.

Geburtstage:
In diesem Quartal wurde der Geburtstag von Luis D. gefeiert. Auch Yoselín D. und Dilan C. durften ihre Geburtstagskerze auspusten und freuten sich zusammen mit ihren Freundinnen und Freunden über ein kleines Geschenk.


Chor „NUEVA ESPERANZA“ („Neue Hoffnung“)

Der Chor fing im Februar mit den Proben an, denn er hatte eine besondere Einladung zur Woche der Kirchenmusik bekommen, die in der Karwoche veranstaltet werden sollte. Gemeinsam mit der Musiklehrerin wurde das Repertoire zusammengestellt und die Vorbereitungen für dieses bedeutsame Ereignis begannen. Dieser Chor ist der einzige Kinderchor, der überhaupt eingeladen wurde! Leider wurden die Konzerte wegen der Corona-Pandemie abgesagt bzw. auf den Juni verlegt.

Neuzugänge:
Seit dem vergangenen Jahr haben wir mehrere Hausbesuche gemacht, und aus den möglichen Kandidaten für die vorläufige Aufnahme den Jungen Sebastián P. und das Mädchen Alison A. ausgewählt. Beide wurden im Februar aufgrund der besonders prekären sozialen und finanziellen Lage und der Bereitschaft der Familie, mit der Kinderhilfe zusammenzuarbeiten, als Kandidaten zur Probe aufgenommen.

Ein besonderer Fall:
Diana D. ist elf Jahre alt und geht in die fünfte Klasse. Obwohl die Situation zu Hause gerade sehr schwierig ist, arbeitet sie weiter fleißig in der Schule und singt ebenso begeistert im Chor. Sie ist sehr zuverlässig und hilfsbereit.

Danksagungen:
Die Familien des Programms „Eine Hoffnung für Kinder ohne Zukunft“ bedanken sich ausdrücklich für die Hilfe durch die KINDERHILFE. Das Schulpaket für ihre Kinder, das Fahrgeld für diesen Monat und die Zuteilung der Lebensmittel hilft ihnen diese Notlage, die durch die Corona-Pandemie entstanden ist, durchzustehen.

OMAIRA VILLOTA B.
Sozialarbeiterin, Pasto
übersetzt von Anette Bauer