Programm „Hoffnung für Kinder ohne Zukunft“ in Popayan: 1. Quartalsbericht 2020

COVID -19 – EINE BEDROHUNG FÜR ALLE UNSERE FAMILIEN

Kolumbien muss tagtäglich mit der Korruption und unzähligen sozialen Problemen leben. Aber eines Tages sehen wir uns von einer weltweiten Krise betroffen, der Pandemie durch Covid-19, was den Staat bewog, von einem Augenblick zum anderen drastische Maßnahmen zu ergreifen. Tausende von Familien erfuhren, dass ihre Kinder nicht mehr zur Schule gehen können, dass sie zuhause bleiben müssen und dass diese Isolierung obligatorisch ist. Das bedeutet ein riesengroßes Problem, weil die Kinder ungeschützt und unbehütet zu Hause bleiben müssen. Wir können aber betonen, dass das für die Kinder, die zur Kinderhilfe gehören, nicht der Fall war. Die Krise verschärfte sich, als die Regierung drei Tage später eine Quarantäne und zwangsweise Isolation anordnete. Das bedeutet, dass ungefähr 70.000 Menschen mit informellen Tätigkeiten in der Stadt Popayán ohne Arbeit sind. Die ambulanten Verkäufer müssen zuhause bleiben, die Hausangestellten bekommen keine Arbeit mehr, weil ihre Arbeitgeber jetzt die Hausarbeit selber erledigen können. Die Schuhputzer finden niemanden mehr, dem sie ihre Dienste anbieten können, weil der Caldas-Park jeden Tag menschenleer ist und niemand mehr auf der Straße ist.

Es gibt Polizeikontrollen an jeder Ecke, die die Leute anhalten, um zu erfahren, ob es ihnen an diesem Tag erlaubt ist, hinauszugehen, um Nahrungsmittel zu kaufen. Wenn das nicht der Fall ist, werden sie mit einer Geldbuße bestraft, die bis zu 300 Euro betragen kann. Dabei haben die Menschen kaum etwas zu essen und noch weniger das Geld, um Strafen zu zahlen.

Aber wie sieht ist wirklich hinter all dem aus? Welches sind die Konsequenzen einer verlassenen Stadt mit menschenleeren Straßen? Es sind die allerärmsten Familien, die sich gezwungenermaßen einschließen mussten, und die in ihren Unterkünften jetzt nichts mehr zu essen haben. Es gibt auch keine Möglichkeit zu arbeiten. Gerade diese Familien werden von der Kinderhilfe betreut, weil sie alle aus den Armenvierteln kommen und zum Teil systemrelevante Tätigkeiten verrichten. Es gibt keine Nahrungs- und Reinigungsmittel mehr, weil im Laufe der Zeit in hunderten von Familien der Kinderhilfe alles knapp wird. Es sind mehr als 200 Jungen und Mädchen, die in Armut leben und die ganz schnell irgendeine Art von Hilfe brauchen. Sie sind in ihren Familien, weshalb sich die Bedürfnisse multiplizieren. Das gilt leider auch für die Verzweiflung und das Elend. Und das schon jetzt, obwohl wir erst am Beginn einer Ära sind, die sicherlich für einige sehr grausam werden wird und schreckliche Auswirkungen haben wird.

Die aktuelle Krise durch das Corona-Virus oder Covid-19 und die Paralyse vieler wirtschaftlicher Aktivitäten trifft umso mehr die Menschen, die auf tägliche Einnahmen angewiesen sind, wie die ambulanten Verkäufer. Und von ihnen haben wir viele in der Kinderhilfe, Verkäufer von Mangos, von Eis, von Säften, Chontaduros, usw. Sie alle überlebten von dem Geld, das sie am Tag verdienten, und jetzt fragen wir uns in der Kinderhilfe, was unsere Familien jeden Tag essen werden. Die einzige Hoffnung für sie bleibt weiterhin die Kinderhilfe.

Wir möchten hier von einigen Familien aus der Gruppe Hoffnung für Kinder erzählen.

Beginnen wir mit einer Mutter, die wir Claudia nennen wollen, um ihre Identität zu schützen. Sie hat seit einem Jahr Eis im Caldas-Park verkauft. Ihr Arbeitsplatz ist die Straße, und sie lebt vom Verkauf an Schüler und Studenten. Eines Tages kommt sie in den Verein und sagt: „Ich bin seit mehr als zwei Wochen, seit die Schulen geschlossen sind, ohne Einnahmen. Jetzt habe ich meine geringen Ersparnisse aufgebraucht und die Lage ist sehr schlimm. Die Quarantäne wird aber noch mindestens zwei Wochen dauern, und woher soll ich das Geld für das Essen nehmen?“ Genau das sind die Ängste, die alle unsere Familien quälen.

Da ist auch die Angst eines Vaters, der für sechs Personen verantwortlich ist, seine Frau, die drei Kinder und zwei Großeltern. Wie alle Familien der Kinderhilfe steht er absolut ohne alles da, denn, weil er einfacher Arbeiter ist, hat er nie die geringsten Sicherheiten gehabt, auch keine Zulagen, die in diesem Land eigentlich gesetzlich verpflichtend sind. Aber sie alle mussten sich, nur mit dem Verdienst des Tages, in ihre Unterkünfte zurückziehen, um ihr Leben und das ihrer Lieben zu schützen.

Noch schlimmer ist die Lage einer Mutter, die eine Woche vor der Verkündigung der Quarantäne nach Bogota zur Beerdigung ihrer Schwester gefahren war. Als sie an ihren Arbeitsplatz zurückkehrte, klopfte sie vergeblich an die Tür ihrer Arbeitgeberin, bis eine Nachbarin herauskam und ihr sagte, dass jene Frau sich auf eine Finca zurückgezogen habe und ihr sagen ließe, dass sie sie jetzt nicht brauchen würde. Sie lasse die Mutter rufen, wenn sie wieder zurückkäme. Völlig verängstigt kam diese Frau in die Kinderhilfe und sagte, dass sie nicht mehr wüsste, was sie machen sollte.

Es sind trostlose und frustrierende Lebenssituationen, denn alle Familien erklären, dass es ihnen wirtschaftlich durch die Isolierung sehr schlecht gehe. Viele von ihnen sind in keinem Hilfsprogramm des Staates und erhalten deshalb auch keine noch so geringen Hilfen. Zum Glück haben sie die Kinderhilfe, die sich bemüht, die Ernährung aller ihrer Kinder nicht unterbrechen zu lassen. Sie hat den Familien einen Lebensmittelvorrat gegeben, der ihnen ermöglicht, für einige Tage die nahrungsmäßigen Bedürfnisse decken zu können. Die Eltern sind sehr dankbar, weil das eine große materielle Hilfe für sie ist, aber auch eine Hoffnung und ein Lichtblick, dass sie nicht vergessen sind, dass sie immer die Kinderhilfe als sichere Stütze haben werden, die sie nicht allein lassen wird, weder sie noch ihre Kinder.

Inmitten dieser weltweiten Krise haben wir das Glück, mit der Unterstützung durch den Verein rechnen zu können, auch wenn wir wissen, dass in Deutschland alle Spender ebenfalls von der Situation betroffen sind. Trotzdem haben sie die Familien in Kolumbien nicht vergessen, die sie in diesem Moment so sehr brauchen. Sie, die Spenderinnen und Spender ermöglichen ihnen, mit Lebensmittelvorräten nach Hause zu kommen, und auch eine weitere pädagogische Betreuung der Jungen und Mädchen in Anspruch zu nehmen. Unsere Betreuerinnen haben Strategien entworfen, um den Eltern in spielerischen und schulischen Aktivitäten weiterhin Anleitungen zu geben. Die Kinderhilfe bietet ihnen dafür das didaktische Material in Buntstiften, Plastilin, Papier und allem, was sie zuhause für diese Beschäftigungen benötigen.

Wir sind IHNEN unendlich dankbar für die unermüdliche und unschätzbare Unterstützung, die Sie unserem Land geben, denn ohne SIE wäre es nicht möglich, unseren Familien Überlebenshoffnung und ruhige und friedliche Momente für die Kinder der Kinderhilfe zu geben. Auch wenn der Verein seine Türen schließen musste, ist das für uns kein Hindernis, zu den Familien zu kommen und mit den verschiedenen Hilfen z. B Lebensmittel und Geld zu versuchen, die Notlagen vieler Familien zu lindern.

Danke für alles, und wir hoffen, dass diese Krise schnell vorüber geht und dass Sie von Deutschland aus unseren Jungen und Mädchen ermöglichen können, weiterhin von einer besseren Zukunft zu träumen.

Sandra Yicel Medina Sanchez mit Beiträgen von Nury Lopez Henao