„Casita 2“ in Popayan: 1. Quartalsbericht 2020

Wie die Pandemie des Corona Virus „COVID 19“ unsere Kinder und ihre Familien trifft

Sharon und Gabriela genießen ein Stück Obst, das die Kinderhilfe ihnen in dieser Zeit der Not gebracht hat.

Die Pandemie des Coronavirus trifft die ganze Welt mit der Folge einer riesigen Anzahl von Toten, und abgesehen von der Gesundheit hat das Virus die Wirtschaft der Länder hart getroffen. In vielen Ländern, zu denen auch Kolumbien gehört, hat es sich sehr schnell verbreitet. Weil es in unserem Land keinen angemessen Schutz gibt, hat sich das Virus sehr schnell in den Städten ausgebreitet. Ohne Ausnahme kam es auch nach Popayan.

Am Anfang ordnete der Präsident an, mit einer Isolierung von Menschen zu beginnen, um die Ansteckung zu verhindern. Zuerst wurden die Schulen und Universitäten geschlossen. Daher wollten unsere Kinder alle ins Casita kommen, wie immer, wenn der Unterricht ausfällt. Wegen der Maßnahmen, die es zu beachten galt, konnten die Kinder bis zur vorigen Woche zu uns kommen. Wir informierten alle Eltern über die Gefahr, die es bedeutet, Kinder an so gut besuchten Orten zu unterzubringen. Deshalb wollten einige Eltern ihre Kinder, um sie von einer möglichen Ansteckung zu schützen, zuhause behalten. Andere mussten sie zu uns bringen, weil sie arbeiten gehen mussten, und wieder andere, weil die Kinder nicht zuhause bleiben wollten, sondern lieber den ganzen Tag im Casita sein wollten. Auch gab es Eltern, die das Virus für eine Lüge hielten, um die „Menschen in Angst zu versetzen“. Die Betreuerinnen kümmerten sich in dieser ganzen Woche liebevoll um die Kinder und boten verschiedene Aktivitäten an, auch eine Hausaufgabenbetreuung. Natürlich beachteten wir die nötigen Hygienemaßnahmen, wie zum Beispiel die Kinder zu einem gründlichen Händewaschen anzuhalten, wenn sie ins Casita kamen oder zu den Mahlzeiten und auch immer dann, wenn es angebracht war. Wir Betreuerinnen zeigten unseren Kindern die richtige Art, die Hände zu waschen und warnten sie davor, sich mit Küsschen zu begrüßen, sich nicht den anderen zu sehr zu nähern, usw.

Die Kinder lebten weiter wie gewohnt im Casita, spielten, waren zusammen, erledigten ihre Aufgaben und auch wenn sie für die Probleme der Pandemie informiert waren, die die ganze Welt getroffen hat, nahmen sie es gelassen auf, wie es die Art der Kinder ist.

Da die Zahl der vom Virus Infizierten in unserem Land ganz rapide anstieg, verkündete die Nationalregierung ein Dekret der Isolierung von 19 Tagen, die am 24. März beginnen sollten. Deshalb wurde es unmöglich, unsere Kinder im Casita weiter zu betreuen, auch wenn wir es gerne gemacht hätten.

In der Kinderhilfe beschlossen wir, den Familien mit einem kleinen Lebensmittelvorrat zu helfen, um sie so in dieser Krise ein wenig zu unterstützen. Unsere Eltern waren nun gezwungen, sich zu isolieren. Sie konnten nicht mehr arbeiten gehen. Die allermeisten Eltern im Casita leben aber von dem, was sie täglich einnehmen. Einige verdienen sich etwas durch ambulante Verkäufe zum Beispiel von Obst und Gemüse, andere arbeiten im Haushalt besser situierter Familien oder als Fahrer von öffentlichen Transportmitteln und als „Motorradmäuse“ (Motorradtaxifahrer) usw. Weil die Leute jetzt nicht mehr ihre Unterkünfte verlassen durften, fielen all diese Arbeiten weg. Sie konnten jetzt kein Geld mehr verdienen, um ihre Familien zu unterhalten. Es gab kein Geld um Nahrungsmittel zu kaufen und andere Grundbedürfnisse zu decken, wie die Zahlung der Nebenkosten und der Miete. Am Anfang unterstützte die Kinderhilfe unsere Familien mit Lebensmittelvorräten. Die Mitarbeiterinnen kümmerten sich sehr um die Familien, um in weiteren Notlagen helfen zu können.

Am vorigen Dienstag riskierten wir alle von der Kinderhilfe, bestraft zu werden, weil wir unsere Wohnungen verließen. Wir waren sehr früh in jedem der Häuser des Verein, um die Lebensmittelhilfe für unsere Familien zu organisieren.

Im Casita bekamen die Familien einen Vorrat von unverderblichen Lebensmitteln, wie Reis, Öl, Hülsenfrüchte, Nudeln, Rohrzucker, Mehl, Salz und Tunfischdosen. Da unser Guayababaum gerade eine reiche Ernte trägt, sammelten wir die meisten Guayabas auf, um jeder Familie eine Tüte voll zu geben. Hinzu kamen noch Orangen und Mangos aus unserem Garten, von denen wir auch einen großen Teil für das Haupthaus abgeben konnten. Nachdem wir alles eingepackt hatten, gingen Sandra Patricia zuerst mit Katerine und später mit Leidy zu zwei unserer bedürftigsten Familien, um die Vorräte zu überbringen. Währenddessen organisierten Esther Julia mit der Betreuerin Lyda und später mit Leidy andere Vorräte, um sie unauffällig weiteren Familien, die sie nach und nach anriefen, zu übergeben, damit es im Eingang des Casitas nicht zu Menschenansammlungen kam. Das hätte nur die Aufmerksamkeit der Polizei geweckt.

Es war sehr bewegend, die Freude der Familien zu erleben, als sie die Hilfe mit Lebensmitteln bekamen. Zahlreiche Familien hatten schon nichts mehr zu essen.

Im Casita 2 leben alle unsere Familien in schwierigen Situationen. Bei einigen zeigt sich die Not noch viel deutlicher als bei anderen, weil sie so zahlreich sind und schon immer große Schwierigkeiten hatten, ihre Kinder zu ernähren. Dies trifft jetzt aber umso mehr zu, da wir alle in unseren Unterkünften isoliert sind und nicht mehr arbeiten gehen können.

Bei dieser Gelegenheit möchten wir die Familie von zwei Mädchen vorstellen, die seit einem Jahr in der Kita im Casita sind. Die Mutter war zu uns gekommen und hatte wegen der großen finanziellen Not der Familie um Aufnahme ihrer Töchter gebeten. Da die Familie fünf Kinder hat und die Mutter keine feste Arbeit fand, war es für sie sehr schwer, alle ihre Kinder zu ernähren. Als die beiden Mädchen aufgenommen wurden, brauchten sie noch Windeln und die besondere Aufmerksamkeit durch die Betreuerinnen der Gruppe. Die Mädchen, die damals noch nicht einmal sicher laufen konnten, entwickelten sich durch all die Liebe und Zuwendung, die sie im Casita bekamen, sehr schnell und wirken jetzt recht selbstständig. Sie können allein zur Toilette gehen, beteiligen sich aktiv an allen angebotenen Beschäftigungen in der Kita und wirken strahlend und aktiv.

Der Mutter der Kinder sieht man das schwere Leben an. Sie ist sehr fleißig und sorgt sich sehr, ihre Kinder durchzubringen, auch wenn die Unterstützung vom Vater der Kinder nur unregelmäßig kommt. Manchmal zahlt er etwas und manchmal nicht und ihre Lage ist sehr schwer.

In der Kita ist sie sehr zuverlässig, und wenn sie irgendwo mithelfen kann, ist sie immer bereit, alles so gut wie möglich zu machen. Als die Mädchen in die Kita aufgenommen wurden, lebte die Familie im Haus des Großvaters, der erlaubte, dass auch der Vater der Kinder dort mit ihnen wohnte, obwohl er diese kaum unterstützte. Das Haus war in einem sehr schlechten Zustand, wobei der Putz von den Wänden fiel. Die Familie bewohnte nur zwei Räume, weshalb sie fast übereinander schlafen mussten. Über dem Bett, in dem die Mutter mit den beiden kleinen Mädchen schlief, war ein Stromverteiler, der eine große Gefahr bedeutete. Im Augenblick wohnt die Mutter mit den Kindern zur Miete, denn das Haus ihres Vaters wurde verkauft. Für diese Mutter ist die Betreuungsmöglichkeit ihrer Töchter im Casita eine riesige Hilfe. Sie hat diese auf die beste Weise nutzen können und seit die Mädchen bei uns sind, ist sie eine der ersten Mütter, die ihre Kinder morgens bringt und nutzt die Zeit, um zu arbeiten und so eine bessere Zukunft für ihre Kinder zu erreichen. Jetzt, da unser Land und unsere Stadt wegen dieses schlimmen Virus in einer Krise stecken, ist der Lebensmittelvorrat, den wir der Familie gebracht haben, eine riesige Hilfe für sie.

Seit dem Beginn des Jahres haben wir im Casita mit allen Aktivitäten normal weiter gemacht. Dazu gehört zum Beispiel die Betreuung der Offenen Gruppen, das Handarbeiten und Basteln für Kinder und Frauen, die Hausaufgabenbetreuung, die diesmal von dem Patenkind Jazmin C. angeboten wurde, das gemeinsame Kochen und die Beschäftigung und das Mittagessen an den Sonnabenden. Alle diese offenen Angebote wurden von Kindern und Frauen sehr gut angenommen.

Auch machten wir weiterhin die sozialen Besuche mit den Kindern und Jugendlichen im Altersheim und mit den Jugendlichen in Cottolengo, die von unserer Psychologin Nelcy koordiniert wurden.

BESONDERS HERVORZUHEBEN: Diesmal möchten wir ein neues und ganz besonderes Angebot für die Kinder hervorheben, bei dem Jesus Arvey Pacho mit den Kindern einen kleinen Chor aufbaut und sie in Gartenarbeit anleitet.

Der junge Mann kommt aus San Jose del Guayabal, wo er die letzten Jahre als Lehrer für die Kinderhilfe tätig war und unterrichtet die größeren Kinder der Kita und die Schulkinder der Gruppe Hoffnung an den Donnerstagen. Es ist wunderschön zu sehen, wie die Kinder den Lehrer Jesus begeistert und liebevoll empfangen und ungeduldig auf den Donnerstag warten und auf den Unterricht und den Chor im Garten.

Jesus wendet, um die Kinder besser zu erreichen, ganz leichte und interessante Techniken an, wie das Malen mit Tusche oder das Verzieren mit Farben.

All diese schönen Angebote der Kinderhilfe, sowohl für die Kinder aus unserer Umgebung, wie auch für die Frauen, die am Handarbeiten und Kochen teilnehmen, sind durch die Pandemie unterbrochen worden, die die ganze Welt heimsucht. Uns hat sie zu einer erzwungenen Isolation verpflichtet, damit die Ausbreitung dieses Virus ein wenig gebremst wird.

Wir hoffen, dass nach diesen 19 Tagen der Isolation, in denen sowohl die Familien der Kinderhilfe, wie auch deren Mitarbeiterinnen nicht in der Einrichtung sein können, sondern zuhause bleiben müssen, sich alles wieder normalisiert und wir unsere Kinder weiter betreuen können. Vielleicht auch mit Einschränkungen, aber alle die Kinder und Familien, die sowohl in Form von Nahrung, wie auch in der Betreuung und Fürsorge von der Hilfe des Vereins abhängen, sollten sie hier bekommen.

Wir danken für die wertvolle Unterstützung der Senora Ute und aller Spender aus Deutschland, die es ermöglichen, dass dieses großartige Werk jeden Tag Wirklichkeit ist und dass so viele Jungen und Mädchen eine große Hilfe erhalten, damit ihr Leben ein anderes werden kann. Das trifft besonders jetzt in der Krise zu, in der wir in der Kinderhilfe etwas sehen, auf das wir uns stützen und verlassen können.

Lyda Isabel Diaz, mit Beiträgen von Nelcy Lucia Meneses und Sandra Patricia Anasco