KITA IM CASITA 2 WÄHREND DES AUSGEHVERBOTES

Die schweren Zeiten in Kolumbien halten an. In Popayan gibt es keine Arbeit, weil die Familien immer noch nicht hinausgehen dürfen, denn die Beschränkungen gehen weiter und die Bestrafungen ebenfalls. Diese schlimme Situation kann nur ein wenig leichter sein für Leute, die einen sicheren Arbeitsplatz haben und dadurch vielleicht später für so viele Schulden aufkommen können, die sie im Augenblick machen müssen. Aber auch so ist es für alle schwer, weil unsere so schlechte kommunale Verwaltung nicht das extreme Ansteigen der Preise für die lebenswichtigen Dinge verhindert.

Aber wenn die Situation schon schwer ist für jene, die eine feste Arbeit haben, sehr viel schwerer ist sie noch für die Familien der Kinderhilfe, die fast alle in einfachen Tätigkeiten arbeiten, wie im Haushalt von Familien, als ambulante Verkäufer, Müllsammler, wo noch hinzu kommt, dass in den Familien nur eine einzige Person für das Einkommen zuständig ist. Meistens sind das alleinerziehende Mütter, die das Risiko auf sich nehmen und hinausgehen, auf der Suche nach einer Tätigkeit oder etwas zu essen. Aber am Ende kommen sie mit Tränen in den Augen heim und mit dem Problem, eine Strafe bekommen zu haben. Angesichts von so viel Ungerechtigkeit auf den Straßen gibt es für die Familien nur die Möglichkeit, zuhause zu bleiben, und so geht es auch den meisten unserer Familien im Casita. Ihre Lage ist so schlimm geworden, dass sie ihren Kindern nichts mehr zu essen geben und die Miete ihrer Hütten und Unterkünfte nicht mehr bezahlen können. Aber durch die wertvollen Spenden kann die Kinderhilfe im Moment in die allerärmsten Familien mit den Nahrungsmitteln ein Licht der Hoffnung bringen, inmitten von so viel Trostlosigkeit, Angst und Verzweiflung.

Und so sind alle Familien, zu denen wir mit den Lebensmitteln gelangen konnten, oder die sie im Casita 2 haben abholen können, unendlich dankbar für IHRE Unterstützung, denn diese ermöglicht ihnen, das dringendste Bedürfnis zu decken, den Hunger zu stillen. Bei etlichen Familien, wie der von Jade Victoria Torres Fajardo, bedeutet die Ankunft der Lebensmittel, ein Mittagessen an jenem Tag zu haben, das schnell und begeistert verzehrt wurde.

Für die Familie von Sofia (Name geändert) und ihrer Schwester Laura (Name geändert), beide ebenfalls aus Venezuela, war es auch eine riesige Erleichterung, den Lebensmittelvorrat zu bekommen, so sehr, dass die Mädchen mit glücklichem Gesichtsausdruck die Lebensmittel aufhoben und sie mit ihren Händen in eine kleine Holzkiste trugen, um aufzubewahren, was ganz sicher bis jetzt die einzige Hilfe für sie gewesen ist. Sie haben hier ja keine Angehörigen und können schon gar nicht mit staatlicher Hilfe rechnen. Für das Baby der Familie war es auch ein glücklicher Tag, denn es bekam Babynahrung und einige Packungen Babybrei.

Dank der Geldspenden in Deutschland konnten wir das besorgen, und am selben Tag, als wir sie darüber informierten, war die Mutter unendlich erleichtert, weil sie es wieder einmal riskiert hatte, auf den Straßen um Milch für ihren kleinen Sohn zu bitten, ohne etwas zu bekommen. Für sie war die Nachricht, dass die Kinderhilfe an diese Familie dachte, eine wunderbare Überraschung. Ihre Lage war seit ihrer Ankunft hier sehr schwer gewesen, was sich jetzt noch mehr verschlimmert hatte. Obwohl die Eltern ein wenig Arbeit hatten, konnten sie nur ganz billige Milch kaufen, die nicht für Babys geeignet war, und jetzt, in dieser Krise, mussten sie noch billigere Tütenmilch kaufen, und auch das war ihnen nur selten möglich. Jetzt hat die Kinderhilfe eine Erleichterung für die Familie gebracht, die aus den Eltern, vier Mädchen und dem Baby besteht, indem sie für einige Tage satt werden können und eine Sorge weniger haben, wegen der Bezahlung der Miete und der Nebenkosten.

Abgesehen davon, dass sie zu essen bekommen, brauchen unsere Kinder auch Nahrung für den Geist. Viele von ihnen wollen wieder ins Casita kommen, weil sie nicht verstehen, warum sie zuhause eingesperrt bleiben müssen. Sie vermissen ihre Kameraden, ihre Betreuerinnen und die Spiele, und deshalb haben wir daran gedacht, ihnen die Tage ein wenig angenehmer zu machen, indem wir ihnen Vorschläge für Beschäftigungen nach Hause schicken, mit denen sie ihre Motorik verbessern können, aber auch ihre Phantasie durch Geschichten und kleine Aufgaben.

Wir haben den Kindern didaktisches Material nach Hause geschickt, damit sie sich altersgemäß beschäftigen können. So sind sie während der zwangsweisen Isolation zuhause abgelenkt, indem sie ausschneiden, malen, kneten, Papier reißen, unter anderen Ideen für ihre Kreativität nutzen. Wir haben den Müttern die Tätigkeiten erklärt und das Material vorbereitet, um es für zuhause auszuteilen.

Wie viele andere hat die Familie von Paula Andrea (Name geändert) Pobleme mit der Miete gehabt. Die Kinder dieser Familie waren sehr eingeschränkt im Spielen, um keinen Lärm zu machen und die Vermieter nicht zu stören. Man hatte ihnen den Strom abgestellt, und ihr Alltag bestand in verbalen Beschimpfungen durch die Tochter der Vermieterin, weil sie nicht das Geld für die Miete aufbringen konnten. Deshalb war die Hilfe, die der Verein brachte, für sie besonders wertvoll, und heute ist diese Familie glücklich. Paula und ihre Geschwister können lachen und reden, auch leben sie jetzt in besseren Umständen. Bei unserem Besuch, um der Familie das (gespendete) Geld für die Miete zu bringen, konnten wir sie in einer anderen Wohnung zur Miete unterbringen, denn die Probleme mit der vorigen Vermieterin wären geblieben. Jetzt können sie etwas beruhigter schlafen, auch wenn ihre finanzielle Lage gleich bleibt. Aber sie haben wenigstens ein angenehmeres Umfeld zum Wohnen. Die Mutter und die Tante von Paula warten darauf, wieder arbeiten zu können, und ohne die Kinderhilfe wären sie in diesen Tagen sehr eingeschränkt.

Unsere Familien und wir vom Verein sind jedem einzelnen der Spender und der Senora Ute unendlich dankbar für die beständige Hilfe in dieser Not, wo die Nahrung und ein Ort zum Leben Vorrang haben. Hier gibt es keinen Staat, der darüber wacht, so dass die Familien einmal mehr die Hoffnung nur in die Kinderhilfe setzen können, als einzige Hilfe in dieser Zeit.

Sandra Anasco