HOFFNUNG FÜR KINDER OHNE ZUKUNFT IN POPAYAN IM ZWEITEN QUARTAL 2020

Die weltweite Pandemie hat große Veränderungen für alle Menschen mit sich gebracht. Vor allem sind davon die Viertel der Armen betroffen und dazu gehören alle Familien des Vereins Kinderhilfe. Wir leben in einem Land mit einer gleichgültigen Regierung, in dem es große soziale Ungleichheit gibt. Diskriminierungen und all diese Aspekte sind stark ausgeprägt. In dieser Zeit der Pandemie können wir weder vergessen noch leugnen, dass Kolumbien eines der Länder mit der größten Korruption ist, weil die größte Sorge des Staates und der politischen Führung ihre persönlichen Interessen sind. So haben sie die Pandemie des Virus Covid-19 dazu genutzt, die Korruption noch mehr zu vergrößern. Zum Beispiel konzentrieren sich die Hilfen des Staates auf einige wenige und die meisten armen Familien werden vergessen. Abgesehen davon sind die Hilfen, die zum Überleben gegeben werden, wie zum Beispiel Lebensmittel, nicht ausreichend, weil es nur sehr wenig gibt. Daher wird die Bedeutung der Pandemie heutzutage „verwischt“, weil die Familien sich gezwungen sehen, hinauszugehen, um den Lebensunterhalt zu besorgen. Dabei riskieren sie ihr Leben. Leider ist dieses Risiko vergeblich, weil sich nur sehr wenige Menschen auf den Straßen befinden, so dass die Verkäufe minimal sind und die Einnahmen oft nicht einmal für das Abendessen reichen. Für jene, die im Haushalt arbeiten, ist es noch schlimmer, weil die Leute lieber darauf verzichten, Menschen für sich arbeiten zu lassen, die von der Straße kommen. Deshalb leiden die Familien der Kinderhilfe große materielle Not. Aber in ihnen wächst auch Gewalt und Intoleranz und es entstehen immer mehr häusliche Probleme.

Wir sind dabei noch mehr geschädigt, denn abgesehen davon, dass unser Staat so gleichgültig ist, stellt er hohe Anforderungen an die sozialen Einrichtungen, damit sie in naher Zukunft wieder öffnen können. Das macht alles noch viel schwieriger, denn alles ist sehr viel teurer geworden und es wird sehr viel Geld benötigt, um die einzelnen Häuser der Kinderhilfe herrichten zu können und die Vorgaben und Maßnahmen der Behörden einzuhalten.




Es wurde nötig, alle Häuser zu untersuchen und alle Schäden, die im Laufe der Zeit durch den ständigen Gebrauch und vor allem durch die permanente die Feuchtigkeit entstanden sind, komplett zu renovieren. Gleichzeitig ist das aber auch die Möglichkeit, das Personal des Vereins – ohne Kinder in den Räumen – weiter zu beschäftigen. Für etliche Väter und Mütter, die jetzt große Not leiden, ist es eine Chance, weil sie nicht für ihren Lebensunterhalt arbeiten gehen können und so bei uns Beschäftigung finden.

Zu Beginn der Arbeiten im Haupthaus hielten wir Mitarbeiterinnen uns an die Anweisungen der Fachleute (Baumeister) und entfernten die Teile mit

Feuchtigkeit in den Wänden und den losen Putz. Dabei erlebten wir, dass der Putz sich überall löste und herunterfiel, weil die Wände voller Feuchtigkeit waren. Da dieses Haus sehr alt ist, war der Putz zu Pulver geworden und löste sich auf. Deshalb untersuchten die Väter unserer Kinder, die Experten im Bauwesen sind, das Haus sehr gründlich und stellten fest, dass das Haupthaus weder Träger noch Stützen hat, die ihm Stabilität und Standsicherheit verleihen. Das machte uns noch größere Sorgen, weshalb wir nachforschten und erfuhren, dass es sich um ein Haus alter Bauweise handelt, aus einer Zeit, wo man die Ziegelsteine einfach nur verzahnte und das noch ohne Zement, der eine größere Sicherheit ermöglichen würde. Die Zimmerdecken waren aus Rohrgeflecht und das Dach sehr alt. Deshalb hat es im Laufe der Jahre Unmengen an Feuchtigkeit und Wasser aufgesogen. Hinzu kommt, dass das Viertel und besonders die Häuser der Kinderhilfe kaum 500 Meter entfernt von einem Feuchtgebiet liegen, das Machangara heißt und renaturiert wird. Das Viertel liegt an einem Berghang, weshalb sich alles Regenwasser von diesem Berg in dem Feuchtgebiet sammelt, so dass alle Häuser in der Umgebung das Problem der Feuchtigkeit haben. In letzter Zeit hat sich das noch verschärft, weil die Bezirksverwaltung viele Projekte begonnen hat, um das Feuchtgebiet wieder zu aktivieren, um einige Fischarten zu bewahren, die es dort gibt. Viele der Wände im Haupthaus sind nass und die Steine sind nach und nach fast zu Schlamm geworden. Dazu ist das Dach im Laufe der Zeit so verfallen, dass der Putz vom Rohrgeflecht, das es halten sollte, herunter fällt. Das Gerüst, das das Dach trägt, ist von Holzwürmern zerfressen, wodurch es noch mehr geschwächt wird, so dass das Haus total unsicher ist. Der Verein muss es unbedingt mit Stützen, Trägern und Säulen sichern, damit es dem Sicherheitsstandard genügen kann, wenn die Gesundheitsbehörden es kontrollieren kommen, bevor wir wieder Kinder aufnehmen können, die natürlich in keiner Weise gefährdet sein dürfen.

Nach Meinung der Väter, die seit vielen Jahren auf dem Bau arbeiten, ist es auch notwendig, die Stromverkabelung zu erneuern, denn die bestehende ist viel zu dünn und hat viele Ergänzungen. Weil das Haus so alt ist, entspricht es nicht mehr den Bauvorschriften.

Diese Arbeiten zu tun, ist sehr interessant gewesen, weil man sehen kann, wie die Kinderhilfe viele Seiten und Fähigkeiten ihrer Mitarbeiterinnen zum Vorschein bringt und nutzt. Auch wenn die Arbeit körperlich sehr schwer ist, haben wir sie zuverlässig, mit Hingabe und großem Zusammengehörigkeitsgefühl getan. Dadurch konnten wir schnell Fortschritte machen während die Väter unserer Kinder in komplizierteren Bereichen in den anderen Häusern vorankommen. Auch haben wir andere Väter als Hilfsarbeiter für einige Tage anstellen können, und das hilft den Familien, wenigstens einige ihrer vielen Bedürfnisse zu decken. Mit dem Beginn eines jeden neuen Monats konzentrieren sich die Betreuerinnen der Kinder darauf, didaktisches Material vorzubereiten, damit sie zu Hause weiter lernen können. Auch kümmern sie sich um besonders bedürftige Familien, die dringend Hilfe in Bereichen, wie der Miete oder medizinischer Betreuung, benötigen. Vor allem sorgen sie für den Kauf, die Aufteilung und geplante Auslieferung der Lebensmittelhilfen für alle Familien.

Unsere Mütter berichten uns davon, dass sie oft ihre Kinder spät aufstehen lassen, damit sie ihnen nur das Mittagessen geben müssen und am Abend noch ein wenig, weil sie dadurch Lebensmittel sparen können. Dabei betonen sie immer wieder die große Unterstützung durch die Kinderhilfe mit den Lebensmitteln und in etlichen Fällen auch bei der Miete. Die Nahrungsmittel, die wir verteilen, sind für die Ernährung der Familien gedacht, wobei die meisten Familien aus mehr als vier Personen bestehen. Deshalb versuchen wir drei Grundbedingungen zu erfüllen: Erstens, dass die Lebensmittel nahrhaft sind, dann dass sie für viele Personen reichen und schließlich dass die ganze Familie davon viele Tage ihren Hunger stillen kann.

Ein anderes Problem der Kinder besteht darin, dass der Schulunterricht jetzt digital stattfindet und viele unserer Kinder keinen Zugang zum Internet haben. Auch sind etliche der Eltern Analphabeten und können ihnen die Aufgaben der Schule nicht erklären. Deshalb hat die Kinderhilfe ihre Türen geöffnet, damit die Kinder kommen können, wenn sie Hilfe brauchen. Die Betreuerinnen stehen immer bereit, um ihnen zu helfen und die Aufgaben zu erklären.

Ganz wichtig ist auch, dass viele Kinder die Betreuung brauchen und behütet werden müssen, wie zum Beispiel Sara (Name geändert). Ihre Mutter kann zum Glück jetzt in einem Haushalt arbeiten, aber die Familie

möchte nicht, dass sie die Kleine zur Arbeit mitbringt. Sie muss daher Sara allein im Haus lassen. Sie hatte ihr das Mittagessen vorher zubereitet und auch etwas für den Abend und lässt sie dann eingesperrt zu Hause. Sara muss wie viele andere Kinder auch ihr Mittagessen kalt essen und spielt tagsüber mit ihren Puppen und macht Schulaufgaben. Da unsere Betreuerinnen in ständigem Kontakt mit den Eltern unserer Kinder stehen, erfuhren sie von Saras Mutter davon und boten ihr sofort an, das Kind täglich wieder im Verein zu betreuen, während sie arbeitet. Hier wird sie behütet und außerhalb jeglicher Gefahr versorgt, wobei wir natürlich auf die Einhaltung der Coronaschutzmaßnahmen achten. Auch wenn das noch nicht erlaubt ist, nehmen wir die Kinder auf besonderen Wunsch und auf die eigene Verantwortung der Eltern auf. Bei uns bekommen sie auch Hilfe bei den Hausaufgaben und die Möglichkeit, Texte auszudrucken und das Internet zu nutzen. Also alles das zu machen, was sie zu Hause wegen der finanziellen Probleme leider nicht tun können.

Trotz der Pandemie bietet die Kinderhilfe weiterhin allen Familien die größte Unterstützung an. Dank sei all den Spenderinnen und Spendern, die diese Arbeit möglich machen und die trotz der Pandemie all die Jungen und Mädchen hier nicht vergessen haben. Aus Kolumbien können wir Ihnen nur dafür danken, dass SIE uns nicht vergessen und ermöglichen, dass wir weiterhin Hoffnung haben inmitten von so vielen Schwierigkeiten. Das motiviert uns zum Weitermachen.

VIELEN DANK!!!

Sandra Yicel Medina Sanchez