NDIGENA-SCHULE IN SAN JOSE DEL GUAYABAL 3. QUARTAL 2020

SAN JOSE DEL GUAYABAL- VORBILDLICHE ERZIEHUNG  IN ZEITEN DER PANDEMIE

Die Schule von San Jose del Guayabal ist für die Indigene Gemeinschaft eine große Hilfe gewesen und die Möglichkeit für Fortschritt und um voranzukommen. Seit sie sich, nachdem sie wegen der Überschwemmungskatastrophe von Paez ihre Heimat verlassen mußten, in diesem Reservat niedergelassen hatten, konnten sie sich nämlich immer auf die umfassende Unterstützung der Kinderhilfe verlassen, nicht nur durch Nahrungsmittel, sondern in etwas ganz Wichtigem, wie der Bildung und Erziehung, der Grundlage jeder Entwicklung in Gemeinden und Ländern. Es begann mit dem Bau der Grundschule. Und das ist es, was unterentwickelte Länder wie unseres anscheinend nicht verstehen. Oder vielleicht verstehen sie es sehr gut, aber  für die herrschende  Korruption, soziale Ungleichheit und Chancenlosigkeit ist eine Investition in die Bildung nicht zweckmäßig. Man kann hier nicht zulassen, daß die Kinder und Jugendlichen sich in einem besseren Umfeld entwickeln, damit sie eine andere Zukunft haben durch Bildung und Visionen, eine humanere Entwicklung, mit der sie nützlich für die Gesellschaft werden könnten. Aber definitiv paßt es den korrupten Regierenden Kolumbiens nicht, ein gebildetes Volk zu haben.

Für San Jose del Guayabal ist die Kinderhilfe die Grundlage gewesen. Sie ist seit mehr als zwei Jahrzehnten hier gewesen und hat immer umfassende Hilfe geleistet. Auch deshalb hat die Gemeinschaft positive Impulse bekommen und sich besser entwickeln können. So wurde die Schule die Basis dafür, daß viele Jugendliche hier gut ausgebildet in verschiedenen Berufen heutzutage zur sozialen Entwicklung

der Gemeinschaft beitragen. Vielleicht deshalb bitten so viele Familien der Landbevölkerung und  afrokolumbianische um die Aufnahme ihrer Kinder hier, weil die konventionelle Bildung mit den Regeln und Lebensweisen der Indigenen Gemeinschaften vermischt wird. Dadurch werden die Jugendlichen organisierter und autonomer und haben eine andere Sichtweise vom Leben. In dem Zusammenhang müssen wir unbedingt betonen, daß die Indigenen Gemeinschaften organisierter sind und vielleicht auch die einzigen im Land, die für ihre Rechte streiten, damit die Regierung uns nicht vollkommen vergisst.

So kam es, daß wegen ihrer Projekte sie es nach vielen Jahren erreichten, daß der Staat ihnen finanzielle Mittel billigte und zusagte für den Bau eines Gemeinschaftshauses. Aber dabei kann man sehen, wie sehr die Gemeinschaften benachteiligt werden, denn es sind mehr als zwei Jahrzehnte vergangen, ohne daß der Staat etwas zu den Räumlichkeiten der Schule beigetragen hat. Es ist ziemlich sicher, daß, wenn die Kinderhilfe die Schule nicht gebaut hätte, diese immer noch nicht existierte und viele Kinder und Jugendliche keine Möglichkeit gehabt hätten, zur Schule zu gehen und sich zu bilden mit all den Möglichkeiten, die ihnen die Kinderhilfe gibt.

Hierbei können wir auch sehen, wie unlogisch der Staat handelt, denn in diesem Moment, wo die Gemeinschaft nichts so nötig braucht wie Lebensmittel, wurde ihr dieses Bedürfnis nicht gedeckt. Aber es wurde in Zeiten der Pandemie der Bau des Gemeinschaftshauses genehmigt, was ziemlich unlogisch erscheint. Aber so schlecht geht es bei uns zu  mit der staatlichen Korruption, bei der nicht auf die sozialen Bedürfnisse geachtet wird und dringende Prioritäten in diesen Zeiten. Trotzdem  muß die Gemeinschaft  das Wenige, das vom Staat kommt, annehmen und nutzen.

Trotz der so schwierigen Situation durch die Pandemie mit Covid-19 hat sich die Gemeinschaft in pädagogischer Hinsicht sehr um die Kinder bemüht, und die Kinderhilfe unterstützt sie beständig dabei. Obwohl wir wissen, daß es für den Verein ebenfalls schwer ist, die Mittel dafür zu besorgen, haben unsere Hilfen inzwischen zugenommen, mit denen wir die Familien mit Nahrungsmitteln beliefern, um diese Not zu lindern und ihnen das Leben ein wenig zu erleichtern. In fast allen dieser Gemeinschaften sind die Auswirkungen der Pandemie nämlich viel schlimmer, denn der Staat gibt keine große Hilfe. Und da sie weit vom Stadtkern entfernt leben, können sie ihre geernteten Produkte nicht mehr verkaufen und auch nicht einkaufen, was sie benötigen. Weil aber diese Gemeinschaft so gut organisiert ist, haben sie in ihren Gärten Gemüse gepflanzt, um ihre Ernährung zu verbessern. Die Gemeindevertreter leiten  die Menschen an, damit sinnvoll mit dem Vorhandenen  und sparsam mit dem umgehen, was ihnen gebracht wird und was sie besorgen können. Die Kinderhilfe hat ihnen auch mit Sämereien geholfen, die unser Lehrer in seinen Stunden mit den Kindern aussät, und diese nehmen dann die kleinen Pflanzen mit nach Hause, um sie zu hegen, bis sie zu ihrer Nahrung beitragen können.

Etwas sehr Befriedigendes lieben wir an der Gemeinschaft, das ist ihre Dankbarkeit und ihr Zugehörigkeitsgefühl zum Verein, denn immer schenken sie uns Nahrungsmittel aus ihren Gärten oder der eigenen Herstellung, wie Kochbananen, Yuca, Limonen, Orangen oder gepreßten Zuckerrohrsaft. Immer überreichen sie uns etwas als Gegenleistung für die Lebensmittel, die wir ihnen bringen, und so kehren wir nach Popayan zurück mit Nahrungsmitteln für die hiesigen Familien. Im Allgemeinen können wir für ca 18 Familien eine Tüte mit verschiedenen gesunden Dingen zusammenstellen, die für diese unheimlich hilfreich ist für eine ausreichende und gesündere Ernährung.  Abgesehen davon bekommen die Familien der verschiedenen Gruppen in Popayan ja monatlich Lebensmittel vom Verein geliefert. Von den Nahrungsmitteln aus San Jose del Guayabal werden auch viele, wie Kürbisse, Bohnen und Kochbananen, für das Essen der wenigen Kinder im Verein verwendet, die nach und nach wieder zu uns kommen können.

Die Kinderhilfe hat immer noch den Lehrer Tito Armando Pacho für die Kinder dort angestellt. Er ist inzwischen eine umfassende pädagogische Hilfe für die Kinder und Jugendlichen der Gemeinschaft, und es ist großartig, seine Geschichte zu lesen, die wir im Folgenden erzählen werden, denn sowohl dieser Lehrer, wie auch sein Bruder haben die Unterstützung der Drachenflieger durch die Kinderhilfe bekommen und sind heute ein positiver Antrieb in derselben Gemeinschaft.

TITO ARMANDO PACHO  wurde  nach der Naturkatastrophe vom 6. Juni 1994 in Paez  als Patenkind der Drachenflieger  in die neunte Klasse der Sekundarstufe des Colegios von El Rosario aufgenommen. Wegen der Arbeit auf ihren Feldern kehrten seine Eltern nach Paez zurück, weshalb Tito Armando und sein älterer Bruder Roveiro  allein in San Jose zurückblieben. Sie mußten für sich selber sorgen und in der Schule weiterkommen, bis sie das „Abitur“ geschafft hatten, was nur durch die Unterstützung der Kinderhilfe möglich war.   Danach kehrte er für die Ferien in den Bezirk von Paez zurück, wo er sich auf die berufliche Zukunft vorbereitete. Nach einem Monat bekam er die Gelegenheit, als freiwilliger Helfer in einer Schule, die in der Nähe seiner Eltern lag, Unterricht in der Sprache Nasa Yuwe zu geben. Es waren drei Monate schöner Erfahrungen bei der Arbeit mit den Kindern.

Später konnte er mit Hilfe seiner Ersparnisse aus zeitweiliger Arbeit in eine andere Stadt gehen, wo er eine kostenlose Ausbildung in Agroindustrie und Kleinviehhaltung machte. Als er diese beendete, ging er zurück nach San Jose del Guayabal, um dort die entsprechenden Praktika zu machen, und mit Hilfe der gesamten Gemeinschaft konnten sie eine Anlage mit Legehennen bauen. Später arbeitete er wieder als Lehrer in einer Grundschule in einem Nachbarbezirk, und schließlich begann er, auf Empfehlung der Gemeinschaft, 2020 wieder für die Kinderhilfe zu arbeiten als pädagogische Unterstützung  im Sinne der Philosophie des Vereins und auch als ergänzende Erziehung und Bildung der Gemeinschaft.

Während der Pandemie wurden die Woche über die fälligen Arbeiten in der Schule mit Hilfe einiger Eltern erledigt, und man hat an den Zukunftsvorstellungen (Plan de Vida) gearbeitet. Bei dem Thema Bildung hat man Fortschritte im Wechsel zur „Eigenen Erziehung“ (der Indigenen) machen können. Es werden einige Schüler benannt, um Arbeiten im Hause zu  machen, und denjenigen, die in die Schule kommen, werden Aufgaben ausgehändigt, die sie machen müssen und sie werden nach den Anweisungen der Behörden angeleitet. Bei etlichen Kindern tauchen Schwierigkeiten auf, denn es hat immer nur das Lehrmodell des Präsenzunterrichtes gegeben, das nun von einem Augenblick zum anderen geändert wurde.  Aber die Lehrer der Schule betreuen einige Kinder dort und machen Hausbesuche, um festzustellen, wie es den Kindern und Familien weiterhin geht.

Auch die Eltern müssen, trotz der Verbote, von der täglichen Arbeit als Tagelöhner leben oder ihre eigenen Äcker bebauen. Deshalb bleiben die Kinder allein zuhause, ohne ein Frühstück zu bekommen, wie sie es in der Schule hatten. Zum Glück trägt die Kinderhilfe weiterhin in hohem Maße dazu bei, die Familien mit Lebensmitteln zu versorgen, auch wenn man dafür die aufwendige Fahrt von Popayan machen muß. Dafür muß man Genehmigungen besorgen, ein geländegängiges Auto mieten, um die Lebensmittel transportieren zu können, um so die Aufgabe erledigen zu können, der Gemeinschaft zu helfen, wobei alle vorgeschriebenen Sicherheits- und Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Vor allem aber helfen wir den Kindern, damit sie nicht zu große Not leiden und ausreichend ernährt werden, obwohl sie zuhause sind.

Da wir ja nur selten dorthin kommen, wollten wir diesmal den Kleinen einen besonderen Kuchen aus unserer Bäckerei zukommen lassen, eine Portion, die groß genug für die ganze Familie war, damit die Kinder hier auch einmal etwas so Leckeres genießen können, wie es die anderen in Popayan tun.

Insgesamt waren es diesmal zwei Familien mehr, denen wir geholfen haben, denn eine junge Frau, die in Bogota zum Arbeiten war, mußte mit ihren beiden Kindern wegen der Pandemie zurückkommen, und hier im Reservat gibt es für sie weder eine Möglichkeit zu arbeiten, noch für den Unterhalt. Deshalb wurde sie von der Kinderhilfe in die Liste derer aufgenommen, die einen Lebensmittelvorrat bekommen, damit sie ihre Kinder ernähren kann. Außerdem gehen diese Kleinen jetzt auch in unsere Schule, denn in Bogota ist die Ansteckungsrate sehr hoch und es gibt keine Existenzmöglichkeiten. Deshalb mußten sehr viele Familien, wie diese, in ihre Heimat zurückkehren.

Auch unterstützen wir jetzt eine alte Frau, die allein lebt, obwohl

 sie keine Kinder in der Schule hat. Sie litt große Not, weshalb wir es für notwendig hielten, sie mit Lebensmitteln zu versorgen, bis sich die Lage ihrer erwachsenen Kinder bessert und diese sie mit dem Lebensnotwendigen unterstützen können. Damit wird wieder einmal die Bedeutung unserer sozialen Arbeit mit den Allerärmsten sichtbar.

Wir sind unendlich dankbar für all diese Hilfen und Unterstützung, die von Deutschland aus die Linderung der Not in San Jose del Guayabal ermöglichen, denn ohne IHRE Hilfe wäre es nicht möglich, den Kindern hier das zukommen zu lassen, was sie so dringend benötigen. Damit geben Sie ihnen die Möglichkeit, ein anderes Leben zu leben und eine bessere Zukunft zu erhoffen.

Sandra Yicel Medina Sanchez mit Beiträgen des Lehrers Tito Armando Pacho