Casita 2 in Popayan; 4. Quartalsbericht 2020

Covid-19, ein Virus, das das Leben aller verändert hat und weiterhin unsere Kinder und Familien belastet.

Es kam in unsere Welt und hat das Leben der Menschen, ihre Gewohnheiten, ihre Arbeit, ihr familiäres und soziales Umfeld verändert.
Zu Beginn waren wir zuhause isoliert und verbrachten viel Zeit mit unseren Familien. In vielen Fällen war das Zusammensein gut und wir lernten uns gegenseitig besser kennen. In anderen Familien litten sowohl Kinder als auch Erwachsene unter allen möglichen Arten von Misshandlungen. Abgesehen davon wurden sehr viele Menschen arbeitslos und verloren dadurch ihre Unterkunft, da sie ihre Miete nicht bezahlen konnten. Andere Familien hatten nichts mehr zu essen und hingen von den wenigen Hilfen des Staates ab. Unser Verhalten und unsere Bräuche wurden total verändert, weil wir uns jetzt nicht mehr umarmen und unseren Lieben nähern konnten. Die Kommunikation findet jetzt auf Distanz statt – zumeist über Telefon und Internet. Wir mussten uns dauerhaft an den Gebrauch von Mund- und Nasenmasken gewöhnen sowie daran, viele Male am Tag die Hände zu waschen, jedes Mal, wenn wir hinausgegangen sind, zu duschen und unsere Kleidung zu waschen.

All das traf auch für unsere Familien des Casitas zu, die ebenfalls unter der Isolation litten, unter der fehlenden Arbeitsmöglichkeit und der Lebensmittelknappheit. Viele unserer Familien waren vollkommen abhängig von den Nahrungsmitteln, die sie seit März Monat für Monat von der KINDERHILFE bekamen. Viele dieser Familien haben immer noch nicht wieder Fuß fassen können und erhalten diese monatlichen Vorräte weiterhin.
Damit wir wieder unsere Kinder im Casita empfangen durften, mussten Renovierungen vorgenommen werden. Der Putz wurde von den feuchten Wänden abgeklopft und diese dann neu verputzt und gestrichen. Die Türen wurden gestrichen, im Innenhof wurde der schadhafte Fußboden total erneuert, etliche, stark abgenutzte Holzmöbel wurden hergerichtet, und alles unter der Anleitung eines Handwerkers, der der Vater eines Babys in der Babykrippe in Haus Ursula ist. Die Mitarbeiterinnen der KINDERHILFE halfen monatelang bei den Renovierungsarbeiten, und es war eine sehr schwere ungewohnte Arbeit. Aber das Casita wurde sehr schön und war bereit, die Kinder wieder aufzunehmen.
Danach bereiteten wir uns darauf vor, die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen einzuhalten. Wir markierten den Abstand zwischen Tischen und Stühlen, um die Abstände einzuhalten. Es wurden Matten und Thermometer gekauft, sowie Desinfektionsmittel- und Seifenspender, damit ständig die Hände der Kinder, der Mitarbeiterinnen und aller Personen, die ins Casita kommen, desinfiziert werden können.
Als zu Beginn des Septembers die obligatorische Isolation aufgehoben wurde, durften auch unsere Kinder nach und nach wieder ins Casita kommen, angefangen mit denen, die besonders dringend betreut werden mussten, weil ihre Eltern wieder angefangen hatten zu arbeiten. Für die Kinder war es eine große Freude, ihre Freunde wieder zu treffen. Sie wollten sie beim Kommen wie immer mit einer Umarmung begrüßen und ihnen beim Spielen ganz nahe sein. Obwohl wir verpflichtet sind, sie auf Abstand zu halten, war es nicht zu übersehen, wie unsere Kinder unzufrieden und traurig wurden, wenn wir sie von den Freunden trennen mussten und sie sich beim Spielen einander nicht nähern durften.
Wenn die Kinder morgens kommen, müssen sie auf eine Matte mit Desinfektionsmittel treten, um ihre Schuhe vor dem Betreten zu desinfizieren. Eine der Betreuerinnen misst ihre Temperatur und dann legen sie ihre Mund- und Nasenmaske in eine Schüssel mit Seifenwasser, waschen sich die Hände und legen die Masken an, die sie im Casita haben. Diese sind am Vortag gewaschen worden. Wenn alle Kinder da sind, wäscht eine der Betreuerinnen die Masken und spült sie mit kochend heißem Wasser, um sie dann zum Trocknen aufzuhängen. Wenn die Kinder am späten Nachmittag wieder nach Hause gehen, legen sie diese wieder an, und die Mitarbeiterinnen waschen dann die am Tag im Verein getragenen. In den Waschräumen hängen zwei große Handtücher, eines für die Mädchen und eines für die Jungen, die nach jedem Händewaschen gewechselt werden.

Seit wir wieder mit der Betreuung der Kinder begonnen haben, sind die Mitarbeiterinnen des Vereins auch für das tägliche Putzen zuständig und nicht mehr die Mütter der Kinder. Es werden die Waschräume und die Fußböden geputzt und die Tische, Stühle und Spielsachen desinfiziert, die die Kinder täglich benutzen. Diese schwere und ermüdende Arbeit garantiert, dass die Kinder die bestmöglichen hygienischen Bedingungen bei uns vorfinden.

Zum Spielen nutzen wir vor allem den Platz hinter dem Haus mit dem Spielplatz und der Wiese, wo die Kinder springen und rennen können. Auf diesem Platz wechseln sich stundenweise die Kinder der Kita mit den größeren Kindern ab, damit es zu keinem Gedränge kommt. Aber trotzdem ist es für die Kinder und für die Betreuerinnen schwierig, dafür zu sorgen, dass die Abstände eingehalten und die Masken korrekt getragen werden. Wir müssen sie ständig überwachen und daran erinnern, diese Regeln strikt einzuhalten, denn das fällt ihnen nach wie vor schwer. Sie werden viel schneller müde und erschöpft als vorher. Deshalb haben wir ihnen für diesen Fall geraten, dass sie sich von den anderen Kindern entfernen sollen, wenn sie die Maske für eine Weile abnehmen wollen, um Luft zu holen, um danach wieder mit der Maske zum Spielen zurückzukehren. Auch bei den Tischspielen wird das so gemacht, wenn die Kinder paarweise spielen wollen. Dann bekommen sie einen Gesichtsschutz aus Plastik, und wir achten darauf, dass auch die Mund- und Nasenmaske die ganze Zeit korrekt sitzt.

Bei unseren ständigen Ermahnungen hören wir immer wieder die Kinder sagen: „Wir sind das leid, das Virus soll verschwinden, damit wir Sie und unsere Freunde wieder umarmen können und nicht mehr diesen Mund- und Nasenschutz tragen müssen, damit können wir nicht atmen.“ Auch für uns ist es traurig, sie so entmutigt zu sehen, weil sie nicht frei spielen können und dass wir nicht zulassen dürfen, dass sie sich uns normal nähern, wie sie es gewohnt sind, denn unsere Kinder lieben es, ihre Gefühle zu zeigen.
Sowohl in der Kita als auch mit den größeren Kindern haben wir viele kreative Aktionen durchgeführt, damit sie Spaß haben und gleichzeitig dabei lernen. Natürlich sind all diese Aktivitäten so geplant und vorbereitet, dass die Abstands-und Hygieneregeln eingehalten werden, um die Gesundheit der Kinder und Betreuer*innen zu bewahren.
Schließlich wollen wir noch die Aktivitäten im Advent hervorheben, bei deren Planung diesmal besonders an die notwendigen Abstandsregeln gedacht wurde. Deshalb wurde vor allem gebastelt, oder die Kinder saßen einzeln an den Tischen. Nur Geschwister durften zusammen sitzen. Trotz dieser Schwierigkeiten war jede dieser Betätigungen im Advent für die Kinder eine große Freude, und alle beteiligten sich mit Begeisterung und Hingabe daran.
Jetzt nach Weihnachten nähen wir mit den größeren Kindern, unter der wertvollen Anleitung der Senora Carmen Lilian Mund- und Nasenmasken. Damit möchten wir erreichen, dass die Kinder diese auf andere Weise sehen und verstehen, dass sie zum Schutz ihrer Gesundheit nötig sind. Sie haben Freude daran, sie selbst nähen zu können und sind stolz, wenn sie sie benutzen, weil sie sie mit ihren eigenen Händen gemacht haben.

Mit allen diesen Angeboten wollten wir den Kindern, die inzwischen wieder ins Casita kommen dürfen, Augenblicke der Freude ermöglichen, damit es für sie etwas leichter wird, mit den großen Problemen fertig zu werden, die das Virus Covid-19 in ihr Leben gebracht hat. Aber immer noch können etliche unserer Kinder aus verschiedenen Gründen nicht ins Casita kommen. Um sie kümmert sich die KINDERHILFE besonders, um ihre Bedürfnisse zu erfahren und ihnen etwas von dem zukommen zu lassen, was die anderen Kinder in diesen Monaten bei uns haben genießen können. Deshalb schickte die Kinderhilfe jenen unserer Kinder, die noch zuhause bleiben müssen, eine weihnachtliche Zusammenstellung von Lebensmitteln, damit die Familien ein Weihnachtsessen und etwas Freude an diesem für alle so besonderen Fest haben konnten. Unter diesen Familien war die zweier Geschwister aus der Gruppe Hoffnung.

Diese Familie ist seit 2 Jahren im Verein, und die Mutter hat die ganze Zeit im Verkauf von Lotterielosen gearbeitet. Sie wohnen zur Miete, und die Mutter ist allein für alle Bedürfnisse ihrer Kinder zuständig. Seit ihrer Aufnahme ins Casita ist sie immer sehr zuverlässig gewesen, sowohl mit der Teilnahme ihrer Kinder als auch mit den Verpflichtungen im Verein. Beide Kinder sind sehr höflich, erledigen alle schulischen Arbeiten und haben eine gute Beziehung zu den anderen Kindern der Gruppe.
Als die Covid-19 kam, verlor die Mutter ihre Arbeit und hatte dann kein Geld mehr, um die Miete und die Nahrungsmittel für ihre Kinder zu bezahlen. Deshalb entschloss sie sich, diese nach Bolivar zu schicken, einen Ort, der sehr weit von unserer Stadt entfernt ist. Dort lebt auf einer kleinen Finca die Großmutter der Kinder. Die Entscheidung, sich von den Kindern zu trennen, fiel der Mutter sehr schwer, vor allem, da sie nicht wusste, wie lange das dauern würde. Im Casita halfen wir ihr mit der Zahlung der Miete für einen Monat und den Lebensmitteln, die all unsere Familien bekamen. Am Anfang teilte sie diese auf, um den größten Teil an ihre Kinder zu schicken und behielt nur ein wenig für sich zurück. Ganz verzweifelt, weil sie nicht mehr wusste, woher sie ihren Unterhalt besorgen sollte, nahm sie eine Stellung als Hausangestellte bei einer Familie an. Die Bedingung dafür war, dass sie dort auch wohnen musste, weshalb sie, der Not gehorchend, den Tag, an dem sie ihre Kinder wieder zu sich holen könnte, immer weiter entfernt sah, denn an diesem Arbeitsplatz wollte man sie nicht mit den Kindern akzeptieren. Ein wenig beruhigte sie die Tatsache, dass sie durch diese Arbeit ihnen und ihrer Mutter etwas Geld schicken konnte, denn ihre Mutter ist ebenfalls sehr bedürftig und verdient ihren kargen Unterhalt mit dem Jäten von Unkraut in Pflanzungen und dem Waschen fremder Wäsche.
Diese Familie wurde von dem Virus emotional sehr getroffen, weil sie sich aus finanzieller Not trennen musste. Die Mutter hat sehr unter der Abwesenheit ihrer Kinder gelitten, was man ihr äußerlich auch ansieht. Als sie ins Casita kam, um die weihnachtlichen Vorräte abzuholen, wirkte sie sehr hinfällig und ihre Traurigkeit spiegelte sich in ihrem Gesicht wider, aber auch die Hoffnung, ihre Kinder sehr bald wieder bei sich zu haben. Sie erklärte, dass sie im Januar, wenn sie ihre Schulden ein wenig abgetragen habe, diese Arbeit aufgeben und ihre Kinder zu sich holen würde. Dann will sie eine andere Beschäftigung suchen, in der Hoffnung, diese auch schnell zu finden, denn in diesen Zeiten ist es sehr schwer Arbeit zu bekommen.

Von den Mitarbeiterinnen des Casitas, den Eltern und unseren Kindern senden wir einen großen Dank an die Senora Ute und an alle Spender in Deutschland für die riesige Unterstützung, die SIE uns in diesem Jahr gegeben haben. In dieser schweren Zeit durch die Pandemie mit dem Covid-Virus haben wir bei IHNEN bedingungslose Liebe und Hilfe gefunden, mit der wir so viel Unheil überleben konnten. Ganz viel Segen und alles Gute für Sie alle. Wir hoffen, dass wir in diesem neuen Jahr weiter auf Sie zählen können und wollen unser Bestes tun, damit dieses großartige Werk möglich bleibt und wir so vielen Kindern und Familien ein Licht sein können in dieser schweren Zeit.

Lyda Isabel Diaz