Quartalsbericht Oktober – Dezember 2020

Programm “Eine Hoffnung für Kinder ohne Zukunft”

Einleitung

Die Slums – eine weitere Folge der Pandemie

Die Siedlungen, die außerhalb städtischer Regulierung entstehen und wachsen, bergen normalerweise mehrere Arten von Problemen, z.B. Arbeitslosigkeit, hohe Lebenshaltungskosten, Migration, Verlust von Einkommen, Bevölkerungswachstum und viele mehr.

Dieses soziale Phänomen zeigt die katastrophale Situation, in der sich viele Familien als Folge der aktuellen wirtschaftlichen Rezession befinden. Einiges ist unternommen worden: Man hat Kredite gewährt zum Wiederaufbau, finanzielle Hilfsmittel seitens der Regierung zur Verfügung gestellt und Steuern erlassen. All das ändert nichts an der Tatsache, dass die Arbeitslosigkeit um 14% gegenüber 2019 gestiegen ist und dass im Laufe des ganzen Jahres die Frauen die Hauptleidtragenden waren. Unter den männlichen Arbeitnehmern ist die Zahl der Arbeitslosen um 2,7% gestiegen, bei den Frauen hingegen um 12,4%. Dies hat dort besonders zu starken Einbußen der ohnehin knappen Einkünfte geführt, denn Frauen sind in den Familien oft die Alleinverdiener.

In Pasto geschieht es immer häufiger, dass unbebautes Land in Besitz genommen wird und die Menschen sofort ihre Hütten darauf bauen. Dazu benutzen sie Restmaterialien wie Bleche, Bretter, Pappe und Planen. Die Hütten haben weder fließend Wasser noch Strom oder irgendeinen Anschluss an die Infrastruktur der Stadt. Hauptsächlich werden diese „wilden“ Siedlungen von venezolanischen Migranten bewohnt, aber immer häufiger in letzter Zeit auch von einheimischen Familien, die zuvor in Mietshäusern oder kleinen Häusern außerhalb der Stadt gewohnt haben. Diese Unterkünfte waren auch karg, hatten aber immerhin noch Wasser und Strom und waren aus Lehm und Zement gebaut.

In der aktuellen Situation können aber viele Menschen ihre Miete nicht mehr pünktlich, nicht mehr vollständig oder auch gar nicht mehr zahlen; Eigentümer fordern daher, dass diese Unterkünfte geräumt werden und drohen mit Zwangsräumung. Die Familien suchen dann andere Wohnungen, aber die Preise sind enorm gestiegen und für diese Familien nicht bezahlbar. Sie müssen Verwandte bitten, sie vorübergehend aufzunehmen oder sie besetzen – wie oben beschrieben – unbebautes Land, das der Gemeinde oder Privateigentümern gehört. Innerhalb der Stadt gab es diese Entwicklung bisher nicht, sie wurde durch die Notfallmaßnahmen der Regierung im Zusammenhang mit der Pandemie ausgelöst.

Auch eine unserer Familien sah sich leider gezwungen, so eine Hütte in einer nicht genehmigen Siedlung zu erreichten, da sie einfach kein Geld mehr für Miete hatte. In anderen Fällen hatten die Familien Glück im Unglück und konnten bei Verwandten vorübergehend unterkommen. Aber die Situation wird von Tag zu Tag schlimmer.

Aktivitäten in diesem Quartal

Hilfen für die Familien

Angesichts der dramatischen finanziellen Lage unserer Familien wegen der Pandemie durch Covid-19 versorgt die KINDERHILFE diese mit monatlichen Geldbeträgen in Höhe von insgesamt 40.000 Pesos. Die Familien bekommen dazu jeden Monat ein Paket mit haltbaren Lebensmitteln und eine Ration Obst und Gemüse.

Wiedereröffnung für die Kinder und deren persönliche Betreuung in der Einrichtung

Seit September kommt eine kleine Gruppe von Patenkindern wieder in die Einrichtung; zusammen mit den Erzieherinnen wurde dazu ein Katalog an Hygienemaßnahmen erstellt, um Ansteckungen zu verhindern. Die Hände werden desinfiziert, ebenso die Füße, bzw. Schuhe, sobald die Einrichtung betreten wird. Auch wird als erstes die Temperatur gemessen. Im Verlauf des Tages dürfen nur maximal vier Kinder in einem Raum zusammen sein und sie müssen stets den Abstand wahren. Täglich werden die benutzen Gegenstände desinfiziert, wobei ein Elternteil hilft. Für die Kinder, deren Eltern noch nicht möchten, dass sie zu uns kommen, bieten wir weiterhin die Hausaufgabenhilfe auf digitalem Weg an.

Schulische Aktivitäten:

In diesem letzten Quartal haben wir die Hausaufgabenhilfe und die Unterstützung bei sonstigen schulischen Arbeiten gerade jetzt zum Ende des Schuljahres verstärkt. Viele Kinder waren mit ihren Aufgaben im Hintertreffen, denn sie haben zuhause keinen Internetanschluss und Computer. Glücklicherweise haben dennoch alle dieses Schuljahr erfolgreich beenden können.

Chor:

Wegen der aktuellen Situation, der Pandemie, verbot es sich, die Chorproben in Präsenzform abzuhalten. Aber die Lehrerin wollte die Kinder keinesfalls ohne ihre Musikstunden lassen und hat die Proben daher digital abgehalten. Das war deshalb schwierig umzusetzen, da nicht alle Kinder Zugang zum Internet per Computer oder Handy haben. Dennoch hat sie mit den meisten Patenkindern den Unterricht fortführen können. Die Ergebnisse sind erfreulich: Manche haben sich selbst Instrumente gebaut oder sie haben an einem internationalen, virtuell abgehaltenen Chortreffen teilgenommen oder gar auf diesem Wege zwei traditionelle, weihnachtliche Stücke eingeübt, um sie den Paten der KINDERHILFE darzubieten.

Hausbesuche:

Unsere Hausbesuche haben wir fortgesetzt, um die Familien nicht allein zu lassen. Vor allem aber um zu erfahren, welches die dringendsten Bedürfnisse sind, um unsere Hilfe anzubieten und diese den persönlichen Situationen anzupassen.

Aktivitäten im Dezember:

Auf die Weihnachtszeit freuen sich die Kinder schon lange vorher, sie erfüllt sie mir Vorfreude und Vergnügen, wenn sie den Weihnachtsbaum schmücken oder die Krippe herrichten. Leider konnten wir in diesem Jahr nicht gemeinsam singen oder Gruppenaktivitäten durchführen, aber dennoch haben wir diese wunderbare Zeit weihnachtlich gestaltet: Aus Resten haben die Kinder mit viel Phantasie ganz unterschiedlichen Weihnachtsschmuck gebastelt.

Bastelarbeiten:

Unter Verwendung von Papier, Pappe, Plastikflaschen, Farben und Filzstiften lassen die Kinder ihre Phantasie spielen und basteln hübsche Dekorationen.

Weihnachtsgeschenke:

Alle Kinder der KINDERHILFE haben zu Weihnachten ein Set zur Körperpflege bekommen, darin waren Zahnbürste und –pasta enthalten, Shampoo und Puder, Deodorant, Papiertaschentücher und Seife für den Körper.

Danksagungen:

Die Familien des Programms “Eine Hoffnung für Kinder ohne Zukunft” in Pasto bedanken sich für all die Hilfe, die die KINDERHILFE ihnen in Form von Lebensmitteln und Geld geleistet hat. Die KINDERHILFE hat damit maßgeblich dazu beigetragen, dass wir diese Krise durchstehen konnten.

OMAYRA VILLOTA B.

TRABAJADORA SOCIAL – PASTO

übersetzt von Anette Bauer