Casita 2 in Popayán: Bericht über die Monate April, Mai, Juni 2022

Die Kinderhilfe unterstützt weiterhin die Familien, um eine gute Gesamtentwicklung der Kinder zu erreichen und ihnen eine bessere Zukunft zu garantieren.

Seit dem ersten Auftreten von Corona in unserem Leben haben sich die Probleme extrem vergrößert. Besonders schlimm ist die Tatsache, dass viele Menschen in unserem Land arbeitslos wurden und keine Möglichkeit hatten, für den Lebensunterhalt ihrer Kinder zu sorgen. Das Gesundheitssystem war instabil und komplett überfordert, die Bevölkerung wurde nicht gut betreut. Viele bekamen psychische Probleme durch die Angst, sich zu infizieren und infolgedessen hilflos und mittellos zu werden. Mitten in der Corona-Problematik mussten wir auch noch mit nationalem Streik und Protesten fertig werden. Der Grund dafür war die Wut der Leute über die schlechte Regierungspolitik und führte zu Anfang auch noch zu Lebensmittelverknappung. Als diese nach und nach wieder ankamen, gab es eine Preiserhöhung, die bis jetzt für viele Familien unerträglich geworden ist. Viele leiden große Not und sogar Hunger, weil das wenige Geld, das sie verdienen können, nicht ausreicht, um Grundnahrungsmittel kaufen zu können.

In 2022 haben viele Familien nach und nach wieder Arbeit finden und ihre finanzielle Lage ordnen können. Aber nicht alle haben es, trotz verschiedener Anstrengungen, geschafft, die Krise zu überwinden, in der sie leben. Vor allem die hohen Lebensmittelpreise bewirken, dass eine Familie, die sich vor der Pandemie halbwegs ernähren konnte, heute nicht einmal ihre Grundbedürfnisse decken kann.

Seit den letzten Präsidentschaftswahlen setzen wir Kolumbianer alle Hoffnungen in den neuen Präsidenten, der einen positiven Wandel für das Land versprochen hat. Diese Wahl hat ein wenig Beruhigung für das Land gebracht. Man hört hoffnungsvolle Stimmen auf den Straßen, die vom Beginn einer positiven Zukunft reden, in der wir eine bessere Lebensqualität haben können, ein menschenwürdiges Gesundheitssystem garantiert wird, die Nahrungsmittelpreise sinken und alle unsere Kinder und Jugendlichen Zugang zu Bildung erhalten.

In der Realität fehlt es an Arbeit, an Einkünften, an Bildung, Nahrung und Gesundheit. Und genau hier erfüllt die KINDERHILFE ihre große Aufgabe. Sie ist von überlebensnotwendiger Bedeutung für die Familien, die ihre Hoffnungen auf die großartige Unterstützung setzen, die sie ihnen jeden Tag gewährt. Die Kinder erhalten Betreuung, Lebensmittelspenden, Hausaufgabenhilfe, Verständnis und Liebe, damit sie sich gesund entwickeln können, während ihre Eltern unterwegs sind, um das Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen.

Der normale Alltag findet im Casita immer noch unter dem Druck der Corona-Maßnahmen statt. Abstandsregeln, Masken tragen und Hygiene, waren in der letzten Zeit schwierig aufrechtzuerhalten. Auf staatliche Anordnung hin wurde das Tragen der Maske in geschlossenen Räumen abgeschafft, weshalb die Schulen den Kindern den Gebrauch freistellen. Wer sie tragen möchte, kann das weiterhin tun, hat aber nichts zu befürchten, wenn er es nicht tut. Für die Kinder war es unverständlich, dass wir es im Casita weiterhin verlangen. Sie argumentieren, dass sie den ganzen Vormittag mit denselben Kindern in der Schule ohne Masken zusammen wären, mit denen sie sich später im Casita träfen, weshalb sie das Tragen von Masken hier nicht einsehen würden. Aber trotz dieser Schwierigkeiten machen wir in den einzelnen Gruppen normal mit der Arbeit weiter, um den Kindern das Umfeld im Casita zu bieten, das sie bisher gewohnt waren.

In der KITA werden ihnen jeden Tag von den Mitarbeiterinnen Sandra Patricia und Leidy Johana eine Menge kreativer Beschäftigungen angeboten um ein vernünftiges Lernen zu ermöglichen. Dabei wird auch sehr auf ihre Gesundheit und Ernährung geachtet. Deshalb haben sie auch schon mehrfach Hilfe für einige Kinder verlangt, um deren Ernährung aufzubessern, wenn sie bemerken, dass diese Untergewicht haben. Diese Kinder bekommen dann morgens, wenn sie zu uns kommen, eine Extra-Portion Obst, was zu guten Ergebnissen geführt hat, denn wir sehen, wie die Kinder mit jedem Tag an Gewicht zunehmen, wie sie mehr Energie bekommen und mehr Lust, sich an den Aktivitäten zu beteiligen.

Im Augenblick bekommt ein Mädchen in der Kita das Extra-Obst, deren Schwester in der Gruppe der Schulkinder ist. Wenn diese morgens keinen Unterricht hat und ins Casita kommt, erhält sie auch das Obst. Ein anderes kleines Mädchen bekommt auch Obst, um es mit nach Hause zu nehmen und mit seiner größeren Schwester zu teilen, die ebenfalls in der Gruppe der Schulkinder ist.

In der Gruppe HOFFNUNG sind inzwischen alle Kinder wieder nach der Pandemie zurückgekehrt, so wie sie auch wieder in den Präsenzunterricht in der Schule gehen. Leistungsmäßig hat das bei ihnen große Probleme aufgedeckt, denn nach zwei Jahren virtuellem Unterricht haben die meisten große Wissenslücken. Am Anfang, als noch alle Masken trugen, auch die Lehrer, war es für sie schwer, dem Unterricht zu folgen, weil sie nicht alles verstanden. Von dem Lärm der Kameraden, den sie wieder ertragen mussten, bekamen nicht wenige ständige Kopfschmerzen, und weil sie inzwischen daran gewöhnt waren, mehr Zeit mit ihren Eltern zu verbringen, wollten viele von ihnen nicht mehr zur Schule gehen. Diese Veränderungen waren vielleicht genauso schwierig für sie, wie der Beginn des virtuellen Unterrichts und die Arbeit mit Arbeitsbögen. Das alles spiegelt sich in den Zeugnissen wider, in denen die allermeisten schlechte bis sehr schlechte Noten haben.

Für uns Betreuerinnen in dieser Gruppe ist es in dieser Zeit sehr schwer gewesen, die Kinder anzuleiten, weil die meisten sehr zerstreut waren und lustlos an die schulischen Aufgaben gingen. Auch wurde es notwendig, ihnen weiterhin Nachhilfe in den schulischen Themen zu geben, so wie wir es in der lZeit gemacht hatten, als der Unterrichto virtuell und mit Arbeitsblättern stattfand, Obwohl die Kinder jetzt in der Schule am Unterricht teilnehmen, erklären sie, das meiste vom unterrichteten Stoff nicht zu verstehen. Für uns ist das schwere Arbeit, die wir aber jeden Tag mit viel Liebe und Hingabe tun, damit unsere Kinder nach und nach zur Normalität im schulischen Alltag zurückkehren können.

Seit Mitte Juni haben die Kinder Ferien in der Schule, und die meisten verbringen diese bei uns im Casita. Sie sind jetzt alle den ganzen Tag über bei uns, weshalb wir schon vorher viele interessante Aktivitäten vorbereitet haben, damit sie diese Zeit besonders genießen können. Aber einige von ihnen haben von ihren Schulen Sonderaufgaben bekommen, um ihr Wissen zu festigen. Deshalb gibt es im Casita auch Zeit, diesen Kindern bei diesen Aufgaben zu helfen, damit sie nach den Ferien besser vorbereitet in den Unterricht gehen können.

Das Hauptereignis für unsere Kinder war in diesem Quartal OSTERN. Dafür hatten wir Betreuerinnen im Casita alle eine Aktivität auf dem Spielplatz des Casitas vorbereitet, an der sowohl die Großen wie die Kleinen teilnehmen konnten, eine Gymkhana. Dabei hatten wir maximalen Spaß, konnten aber auch genügend Abstand halten, und alle machten voller Freude mit.

Für die Ostereiersuche hatten wir alle gemeinsam den Spielplatz mit Hasen und Eiern geschmückt, die die Kinder selber gebastelt hatten, und so wurde die Eiersuche ganz besonders schön.

Auch haben alle Kinder des Casita Papiertüten verziert, um darin die Kekse zu verpacken, die zu den Kindern auf den Straßen dieser Stadt gebracht werden sollten. Die Jugendlichen haben sie eingepackt und begleiteten uns beim Verteilen der Kekse. Daran beteiligten sich vor allem die Jugendlichen ganz liebevoll, und sie wurden dabei alle sehr nachdenklich.

Die Handarbeitsgruppe wird von Doña Carmen Lilian geleitet und trifft sich weiterhin am Freitagnachmittag, unter Einhaltung der Corona-Sicherheitsmaßnahmen. Jede Woche arbeiten sie an wunderschönen

Sachen und sind sehr glücklich, dass sie weiterhin gemeinsam handarbeiten und ihre persönlichen Geschichten teilen können.

Im Casita haben wir viele Familien mit ganz schweren gesundheitlichen Problemen, sie sind arbeitslos und müssen hungern. Diese Familien benötigen besondere Hilfe vom Verein. Einigen Familien müssen wir mit weiteren Nahrungsmitteln für die Kinder helfen, die besondere Probleme haben, Untergewicht oder unterernährt sind. Andere unterstützen wir mit der Bezahlung der Nebenkosten, geben ihnen das Fahrgeld, damit die Kinder ins Casita kommen können, das Geld für die Miete, helfen ihnen mit der Bezahlung von Fachärzten. Diese Familien brauchen die Unterstützung der Kinderhilfe noch viel mehr, denn sie haben sich nicht von der Krise erholen können, in der sie leben müssen. Im Folgenden werden wir darüber näher berichten.

Wir werden die Familie in diesem Bericht zu ihrem Schutz PEREZ nennen.

Diese venezolanische Familie besteht aus Vater, Mutter und 5 Kindern, vier Mädchen und einem Jungen. Sie kamen aus ihrer Heimat in die Stadt Popayan, wo sie sich in großer Not befinden. Der Vater betätigt sich als Helfer auf dem Bau, während seine Frau in dem Zimmer bleibt, das sie gemietet haben, und ihre Kinder betreut, die alle noch klein sind. Sie kam ins Casita und bat um die Aufnahme ihrer Mädchen, weil es ihnen fast unmöglich ist, alle Kinder zu ernähren wegen ihrer schlimmen wirtschaftlichen Lage. Als wir sahen, in welchem Gesundheitszustand die Mädchen sich befinden, die schon eine Vorgeschichte der Unterernährung hatten, nahmen wir sie auf, damit die Mutter Arbeit suchen kann. Auch wollten wir mit unserer Ernährung dazu beitragen, den Gesundheitszustand der Mädchen zu bessern. Bei ihrer Aufnahme waren die beiden Mädchen 3 und 4 Jahre alt. Aber physisch wirken sie viel jünger, wegen ihrer Unterernährung durch die fehlende angemessene Ernährung. Als sie schon bei uns waren, litten die Kinder unter ständigen Erkältungen, Husten, Fieber, und wir begannen, ihnen morgens eine Extra Portion Obst zu geben. Aber auch damit besserte sich ihr Gesundheitszustand nicht, und wir brachten sie zu einem Kinderarzt, damit er sie untersuchte, um herauszufinden, wie wir ihnen am besten helfen könnten.

Nach der Untersuchung durch den Arzt und vielen weiteren, die dieser anordnete, wurde klar, dass der Zustand der Mädchen sehr besorgniserregend war. Die kleinere hatte im Alter von 5 Monaten an einer schweren Magen-Darm-Entzündung gelitten und war dem Tode nur knapp entkommen. Dagegen hatte ein Arzt ihr ein sehr teures Medikament verordnet, das die Infektion bekämpfen konnte. Danach blieb sie aber stark unterernährt. Wegen ihrer schlechten Situation konnten die Eltern aber keine gute Ernährung bezahlen, mit der das Kind sich hätte erholen können. Nach ausgiebigen Untersuchungen erklärte der Kinderarzt, dass diese Unterernährung anhielte.

Das ältere Mädchen hat ebenfalls Untergewicht, an der Grenze zur Unterernährung, wie ihre Schwester, und dieses Kind leidet ständig an Erkältungen mit sehr hohem Fieber.

Abgesehen von den weiteren Untersuchungen verordnete der Kinderarzt den Mädchen beim ersten Besuch Mittel gegen Parasiten, Vitamine und eine besondere Ernährung, bei der das Mittagessen durch Leber und Schweinemilz ergänzt werden soll. Seitdem haben wir alle Hinweise des Arztes hier erfüllt, um den Gesundheitszustand der Kinder zu verbessern. So haben wir auch die Familie in ihren vielfältigen Nöten unterstützt, während der Pandemie mit der Bezahlung der Miete und Lebensmitteln für die ganze Familie.

Nach einem Jahr all der Fürsorge für die Mädchen kann man viele Fortschritte bei ihnen erkennen. Aber da sie sich immer noch nicht ganz erholt hatten, gingen wir erneut mit ihnen zu dem Spezialisten, der nach der Untersuchung erklärte, dass es den Kindern etwas besser ginge, dass aber das Problem der Unterernährung weiterhin bestünde. Der Arzt zeigte sich deshalb sehr besorgt, weil wir ihm von der besonderen Ernährung der Kinder hier im Verein erzählt hatten und ordnete für die Ältere eine Herz- und Blutuntersuchung an, um eine Anämie auszuschließen, weil das Kind ständig mut- und kraftlos ist. Für das kleinere Mädchen ordnete er ebenfalls weitere Untersuchungen der Schilddrüsen an und ließ etliche Blutwerte feststellen, weil das Kind so langsame Fortschritte machte. In diesem Jahr gingen wir mit den Mädchen wieder zur Kontrolle und zu unserer großen Freude haben beide an Gewicht und Größe zugelegt. All die Anstrengungen im Casita haben sich gelohnt, denn die beiden haben nach und nach doch Fortschritte gemacht. Der Kinderarzt empfahl, ihnen weiterhin die spezielle Nahrung zu geben und dazu Vitaminergänzungen.

Die ältere schickte er zum Zahnarzt, weil sie ganz viel Karies hat, wodurch schon ihr Zahnfleisch geschädigt ist. Außerdem verschrieb er ihr Inhalatoren, denn das Kind ist übermäßig oft stark erkältet. Die kleinere bekam Vitamine und ein Medikament gegen die Erkältung verschrieben, und beide Mädchen erneut Mittel gegen Parasiten. Da diese Familie immer noch keine Aufenthaltsgenehmigung für Kolumbien hat, ist es ihnen nicht möglich, in medizinischen Zentren behandelt zu werden, außer in extremen Notfällen. Daher haben diese Kinder nur die Unterstützung durch die Kinderhilfe. Wegen ihres schlechten Gesundheitszustands erholen sie sich nur langsam, und deshalb werden sie unsere Hilfe noch sehr lange brauchen, obwohl wir sie schon eine ganze Weile unterstützt haben, bis sie sich gesundheitlich stabilisiert haben werden und besser entwickeln können. Die Mädchen sind sehr intelligent und machen, trotz ihrer gesundheitlichen Probleme, in der Schule gute Fortschritte, wo sie mit Leichtigkeit dem Lehrstoff folgen können.

Wie diese Familie haben wir viele im Casita, deren einzige Hoffnung und Unterstützung die Kinderhilfe ist.

Wieder bedanken wir uns im Namen der Mitarbeiterinnen, Kinder und Familien des Casita 2 für die wertvolle Unterstützung, die wir jeden Tag von der Seňora Ute erhalten und von all den Spendern aus Deutschland, die bewirken, dass unser Leben und das unserer Familien mit jedem Tag besser wird und dass wir ein Hoffnungslicht haben für eine bessere Zukunft.

Lyda Isabel Diaz