Haus Ursula in Popayan: Viertes Quartal 2022

Man meint, die Kindheit sollte die glücklichste Zeit im Leben der Menschen sein; aber in Kolumbien machen wir diesen schönen Lebensabschnitt kaputt. Wir verursachen riesige Traumata bei den Kleinen, die sie nie überwinden werden, für die sie nie die nötige Hilfe bekommen. Es gibt keine staatliche Bildung, um diese Fälle behandeln zu können, im Gegenteil. Angesichts von Kindern mit so schlimmen Erlebnissen, so viel fehlender Zuwendung und so verletzlich, nutzen ihre erwachsenen Angehörigen dies aus, um sie weiter zu missbrauchen, was zusammengefasst heißt, dass in Kolumbien Kinder als Objekte angesehen werden.

Man kann nur schwer den angerichteten Schaden bei den Menschen beseitigen. Unsere Familien sind darauf gegründet, auf so vielen lebendigen Verletzungen, die von den Großeltern herkommen, den Eltern, und jetzt wachsen die Kinder mit all der negativen emotionalen Last auf. Die ist das einzige, was ihre Eltern ihnen entgegen bringen können. Unsere Familien haben nur ganz minimale Grundlagen, und deshalb gibt es kaum emotionale, intellektuelle und psychosoziale Bildung und schon gar keine im Bereich der Ernährung.

Die Kostensteigerung, die Inflation und die zunehmende Kriminalität lassen die Armut immer weiter ansteigen. Die Prinzipien, uns gegenseitig respektvoll zu behandeln, sind verschwunden. Schon können wir nicht einmal mehr darauf vertrauen, was wir konsumieren, denn es gibt illegalen Handel, weil man kaum mit vielen Steuern zurecht kommt. Dadurch kann man etwas günstigere Nahrungsmittel bekommen, aber es ist auch die Gelegenheit für üble Vergehen. In unserer Stadt hat man uns lange Zeit Pferdefleisch verkauft, und es wurde schon darüber geredet, dass dasselbe mit Hunden passiert sei. Diese Tiere werden nicht einmal gut aufgezogen und sind normalerweise unterernährt. Die Bevölkerung begann aufmerksam zu werden, weil die Pferde verschwanden, die die Lasten vom Markt tragen. Die Besitzer versuchten, nachzuforschen, bis jemand die Reste von Pferden fand. Derjenige, der das angezeigt hatte, ist auch schon verschwunden (Zeitungsartikel in SEMANA). Selbstverständlich wird in der KINDERHILFE bei den Einkäufen für unsere Kinder immer auf Qualität geachtet. Aber das verursacht auch erhöhte Kosten.

Wir Kolumbianer fügen uns gegenseitig Schaden zu, ganz gleich, ob jemand bedürftig ist oder in Schwierigkeiten, denn es wird der Nachbar betrogen oder beraubt. Schon werden die Grenzen zwischen den Vierteln schärfer gezogen, und in vielen Vierteln hat man besser künstliche Barrieren aufgestellt, um wegen all der Probleme den Durchgang von Nachbarn zu verhindern. Trotz der Schwierigkeiten im Umfeld der Familien der KINDERHILFE, bemühen sich einige wenige, sich von den vielen Problemen ihrer Familien fernzuhalten und für das eigene Heim zu kämpfen. Aber das ist sehr schwer, denn wenn du nicht bei den sozialen Problemen dabei bist und nicht bei den illegalen Aktivitäten mitmachst, hat dasselbe Umfeld dich im Blick, um dir Schaden zuzufügen.

Es folgt die traurige Geschichte, die der Familie des kleinen Nicolas geschah. Seine fleißigen Eltern arbeiten jeden Tag für einen Lohn, der nicht an den gesetzlichen Mindestlohn heranreicht. Sein Vater hat manchmal Arbeit, oft aber auch nicht. Seine Mutter arbeitet in Schichten, wovon sie nur das Minimum bestreiten kann für eine zahlreiche Familie mit einem Behinderten. Es ist zu betonen, dass sie kaum etwas mit ihren Nachbarn zu tun haben, denn sie sind umgeben von Kriminellen, Sicarios (käufliche Mörder), Drogenabhängigen und inmitten einer unsichtbaren Zone von Banden, die sich den Tod versprechen. Und so bleiben sie inmitten dieses Umfeldes auch nicht verschont. Denn obwohl viele ihre schwere Lage kennen, wurden sie durch Telefonanrufe und durch eine Verwandte betrogen. Man bat sie, Geld zu hinterlegen, in dem Glauben, dass sie dafür Ware bekämen, mit der sie in diesem Dezember arbeiten könnte (im Verkauf). Natürlich hatten sie gar nicht so viel Geld, aber sie träumten von dieser Gelegenheit, zu dieser Jahreszeit etwas verkaufen zu können und waren vor allem so vertrauensvoll, weil es ein Verwandter war, der sich mit ihnen abgesprochen hatte. Und so begannen jene, ganz raffiniert, sie weiter zu bedrängen und ließen sie glauben, dass diese Geldsumme zurückgegeben werden würde. Ganz begeistert begannen sie, sich Geld zu leihen. Logischerweise sind die Banken für unsere Familien keine Möglichkeit, weil sie nicht kreditwürdig sind. Deshalb greift man auf die sogenannten „Gota a gota“ zurück (Privatpersonen, die Geld zu einem hohen Zinssatz verleihen, als Wucherer). Diese Familie ließ sich darauf ein, weil sie selbstverständlich bald die Waren und das Geld bekommen würde. Aber sie konnten sich nur einen Teil der Summe leihen, die man von ihnen verlangte, denn das sollten mehr als „zehntausend Euro“ sein, und sie bekamen nur Eintausendvierhundert Euro zusammen. Und als sie dieses Geld zusammen hatten, dauerte es nur Stunden, bis sie merkten, dass alles Betrug war, denn alles verschwand, das angegebene Bankkonto, das ihnen geschickt worden war, die Dokumente der verschickten Ware, die Kommunikation. Absolut alles war verschwunden, Ihnen blieb nur die Angst wegen der Schulden, sie, die nicht einmal mit der augenblicklichen schlimmen Inflation fertig wurden, die sich so haben betrügen lassen und jetzt Schulden zu einem so hohen Zinssatz haben.

Unser Land ist nicht vorbereitet auf solche Delikte. Obwohl diese angezeigt wurden, wird nicht gegen die Täter vorgegangen werden. Die Familie musste sich mit diesen monatlichen Zinsen abfinden, während die Anzeige nur auf dem Papier bleibt.

Diese Familie konnte durch die Hilfe der KINDERHILFE besser zurechtkommen, denn seit Nicolas in die Babykrippe aufgenommen wurde und schon am frühen Morgen gebracht werden kann, können seine Eltern rechtzeitig zu ihren zeitweiligen Arbeiten kommen. Sie haben auf die Betreuung ihres Sohnes vertrauen können und Ratschläge bekommen. Während der Pandemie waren beide arbeitslos geworden, so dass sie nichts mehr zu essen hatten. Aber die KINDERHILFE war da, um ihnen die benötigten Lebensmittel zu bringen. In der Zeit bot sie dem Mann auch Arbeit bei der Renovierung der Häuser, der dadurch in so kritischen Zeiten seine Familie ernähren konnte. Wäre die Hilfe des Vereins nicht gewesen, hätte die Familie große Not gelitten, oder wie so viele andere sich zu kriminellen Handlungen hinreißen lassen, besonders da ihre Söhne Jugendliche sind und es nichts mehr zu essen gab.

Dank der Spender und Paten ist Nicolas heute im Patenschaftsprogramm. Dadurch haben sie ihre Nebenkosten bezahlen können, Lebensmittel kaufen, und bei den augenblicklichen Problemen konnten wir ihnen das Geld für die Zinsen des ersten Monats leihen. Auch haben wir die Mutter beauftragt, das Weihnachtsessen für eines der Programme des Vereins zuzubereiten, so dass das Geld, das sie dafür bekam, ihr half, die zweiten Monatszinsen für die Schulden zu bezahlen, die sie durch den Betrug haben.

Auch wenn die Familie ihre Schulden nicht zurückzahlen konnte, war sie etwas beruhigter, denn unsere Familien können bei solchen Problemen krank werden oder zusammenbrechen, wenn sie nicht mehr wissen, was sie machen sollen. Wenn die KINDERHILFE nicht wäre, würde diese Familie unter den gleichen Problemen leiden, wie ihre Nachbarn. Deshalb ist der Verein ein Lichtblick für diese Familie, die sich bemüht, die gesamte Summe der Schulden zu bezahlen, die ausgereicht hätte, um das Grundstück zu bezahlen, das sie so sehr ersehnt hatten.

Abgesehen davon hat die KINDERHILFE auch weiterhin fest bleiben müssen gegenüber von Dona Estefany, einer sehr konformistischen Mutter in einer ungeordneten Welt. Inmitten ihrer emotionales Verwahrlosung, die zu einem geringen Selbstwertgefühl geführt hat, sieht sie keinen Weg, sich zu ändern. Sie lässt sich ausnutzen und missbrauchen und hat vier Kinder von drei verschiedenen Vätern, von denen zwei bis heute nicht den Namen ihrer Väter tragen. Auch zeigt sich keiner gebührend verantwortlich, und sie unterwirft sich weiterhin jedem der Männer, die sie geschwängert und verlassen haben.

Die KINDERHILFE hat der kleinen Sofia ganz früh und schnell in der Babykrippe geholfen und auch Felipe, der schon in die Kita kam. Aber trotz unserer ständigen Anleitungen und Ratschläge konnten wir Dona Estefany nicht von ihrem Fatalismus befreien und ihrer Gewohnheit, Mitleid zu erregen. Erneut wurde sie schwanger mit Cristian Daniel, dies in einer fürchterlichen Not, in der sie Miete zahlen musste und nichts zu essen hatte. Dort erlaubte ihre Mutter dasselbe ihrem eigenen Lebensgefährten, die arbeiten musste, um diesen zu unterhalten und damit er vom Alkohol leben konnte.

All das bewirkte, dass Dona Estefany für ihre Kinder dasselbe Leben erwartete und es nicht für nötig hielt, sie voranzubringen, während sie sie an ihren eigenen Lebensstil gewöhnte. Daher hätte sie bis jetzt noch mehr Kinder von verschiedenen Vätern haben können, denn ihre Kinder berichten ständig von neuen Freunden ihrer Mutter, von denen sie geschlagen würde und die ständig betrunken sind. Aber dank unserer harten Überzeugungsarbeit konnten wir erreichen, dass sie sich sterilisieren ließ. Auch ermöglichten wir ihr die Aufnahme ihres jüngsten Sohnes in die Babykrippe, der dadurch seit seiner Geburt angemessen ernährt wurde. Am Tag seiner Geburt hatte Dona Estefany niemanden, der sie ins Krankenhaus gebracht hätte, weshalb die Mitarbeiterin der KINDERHILFE auch dabei für sie da war und mit ihr wartete, dass sie im Krankenhaus betreut würde. Genauso war es am Tag ihrer Operation, wo die Kinderhilfe schon sehr früh bei ihr war, um sie ins Krankenhaus zu begleiten, trotz der vielen Risiken zu der Zeit wegen Covid -19.

Hinzu kommt noch, dass Dona Estefany nichts unternahm, damit Felipe das Schuljahr beginnen konnte, denn er hätte angemeldet werden müssen, und wenn die Kinderhilfe es nicht verlangt hätte, würde der Junge nicht zur Schule gehen. Dieses Jahr war für den Jungen nicht leicht, denn seine Mutter hat all ihre Fehler und Irrtümer der Lehrerin zugeschoben. Aber wir wissen, dass in Wirklichkeit Dona Estefany Felipe kaum unterstützt und begleitet. Und wieder half der Verein mit den Schulsachen für den Jungen und gab ihm die Möglichkeit, sonnabends an den Nachhilfestunden teilzunehmen, die unsere Kollegin Carmen Lilian besonders hilfebedürftigen Kindern gibt. Dadurch hat er sich schon in den Leistungen gebessert; aber seine Probleme wurzeln im Fehlen von Liebe und der Ablehnung, die der Junge spürt.

Und so hat die KINDERHILFE diese drei Geschwister täglich vom Frühstück an betreut, denn sie waren kraftlos, müde von der nächtlichen Aktivität der Mutter, aber immer waren sie sehr temperamentvoll.

Wenn die KINDERHILFE nicht wäre, wären diese drei Kinder in ständiger Gefahr, durch die vielen männlichen Besucher ihrer Mutter missbraucht zu werden und würden wahrscheinlich auch betteln müssen, abgesehen davon, dass ihre Kindheit den lügnerischen Manipulationen zum Opfer fiele. Hier denken wir immer an Dona Estefany, wenn jemand zum Helfen in der Küche des Vereins gebraucht wird, damit sie die Möglichkeit bekommt, etwas Geld würdevoll zu verdienen.

Wir möchten unbedingt die Arbeit der Kinderhilfe auf verschiedenen Ebenen hervorheben. Dabei ist die materielle Not in unseren Familien allgemein; aber auch Ablehnung, fehlendes Selbstwertgefühl, fehlende Liebe und Desinteresse beschweren das Leben unserer Kinder. Das ständige Anstoßen einer Mutter, damit sie nicht noch tiefer fällt und sie sich zugleich geliebt fühlen zu lassen im Verein, ist ein Teil unserer großartigen Mission, für die nur die KINDERHILFE uns die Möglichkeiten gibt, sie zu verwirklichen.

Vielen Dank, liebe Spender, dass SIE uns dieses wunderbare Werk ermöglichen zum Wohle der Kinder Kolumbiens. Jedes gesetzte Saatkorn, jedes erreichte Ziel gibt ihrem Leben Sinn, bedeutet, ihre traurigen Momente mit Spielen, Lachen und Spaß zu verändern. dass sie eine Möglichkeit haben, um ruhig schlafen zu können und das Essen vom Frühstück an bekommen, verändert das Leben und die Gesichter unserer Kleinen. Deshalb können wir immer wieder nur DANKE sagen für alle Ihre Mühen, die in unserem Land Früchte tragen.

Yaneth Rocio Rivera Pantoja