Leydi Johanna Morales

VOM KIND OHNE ZUKUNFT ZUR KINDERPFLEGERIN

Leydi wurde 1995 mit sechs Jahren in das Projekt Hoffnung für Kinder ohne Zukunft aufgenommen, welches die Kinderhilfe in jenem Jahr begonnen hatte. Sie gehörte damit zu den ersten zehn Kindern, denen auf diese Weise der Besuch der Grundschule ermöglicht werden sollte und die in der Kinderhilfe ein zweites und oft auch das einzige Zuhause fanden.

Leydi kam aus einer zerfallenen Familie und wuchs mit Geschwistern, Cousins und Cousinen bei der kranken Großmutter auf, während ihr Vater in einer anderen Stadt eine neue Familie hatte und ihre Mutter in anderen Orten in Bars und Kneipen „arbeitete“ und sich nicht um ihre Kinder kümmerte. Leydi kam so unterernährt in den Verein, dass sie ständig krank war und mit fast sieben Jahr wie eine Vierjährige wirkte.

Dies konnte sie in den fünf Grundschuljahren, trotz der ausreichenden und guten Ernährung in der Kinderhilfe nicht mehr aufholen. Es war deshalb nicht zu erwarten, dass sie die Sekundarstufe erfolgreich nach 6 Jahren beenden würde, auch weil der psychische Druck der Großmutter, sie finanziell zu unterstützen, immer unerträglicher wurde.

Im Projekt der Bäckerei sollte sie in der Kinderhilfe, mit weiteren 10 Jugendlichen aus besonders problematischen Familien, das Bäckerhandwerk erlernen, um sich jederzeit selbstständig unterhalten zu können. Zusätzlich ermöglichte der Verein auch den Besuch der weiterführenden Schule. Sie schaffte, als einzige einer extrem zahlreichen Familie, auf diese Weise den Sekundarabschluss und schied damit offiziell aus dem Verein aus.

Dieser war aber in den 11 Jahren so sehr zu ihrem Zuhause geworden, dass sie regelmäßig und vor allem mit ihren Sorgen, nach der Arbeit im Haushalt oder in Bäckereien vorbei kam. Mit einem Verdienst von weniger als 30 Euro im Monat konnte sie ihrer Familie kaum helfen und noch weniger an eine weitere Ausbildung denken, die sie hätte bezahlen müssen.

Trotzdem bot sie sich an, erst an einem Tag der Woche und dann an zweien im Verein bei der Betreuung der kleinen Kinder zu helfen, wo es immer zu wenig Personal für die großen Gruppen gibt. Obwohl sie an jenen Tagen keinen Verdienst hatte, kam sie ein Jahr lang pünktlich zur „Arbeit“, um etwas von all der Hilfe zurückzugeben, die sie in der Kinderhilfe erfahren hatte. Immer noch war sie sehr schwach und unterernährt und nahm ihr Essen aus dem Verein für ihre hungernde Familie mit; aber immer noch war sie fest entschlossen, eine Ausbildung zu machen.

Und deshalb bezahlte ihr der Verein einen Kursus in Kinderpflege, den sie zwei Jahre lang sonnabends besuchte, während sie an allen Wochentagen und sonnabends in den Ferien im Casita 2 bei den kleinen Kindern mitarbeitete. Im Februar 2011 hat sie ihren Kursus erfolgreich beendet und arbeitet seitdem als Mitarbeiterin und Assistentin von Lyda Diaz in der Tagesstätte für kleine Kinder im Casita 2 in Popayan.

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