PROGRAMM “EINE HOFFNUNG FÜR KINDER OHNE ZUKUNFT”

QUARTALSBERICHT OKTOBER – DEZEMBER 2021

EINLEITUNG

Inmitten des Chaos kehren wir zur pädagogischen Normalität zurück

Nach zwei Jahren, die geprägt waren von Isolation, Krankheit, Arbeitslosigkeit, Hunger und rein virtuellen Kontakten hat nun die Regierung verfügt, dass der schulische Unterricht ab Januar 2022 wieder in Präsenzform erfolgen soll.

Es hat sich gezeigt, dass der virtuelle Unterricht, der aufgrund der Pandemie durch Covid-19 eingerichtet werden musste, für die Schüler*innen überhaupt nicht sinnvoll war, vor allem deshalb, weil die Unterrichtenden sich nicht die Mühe gemacht haben, ihre Stunden dieser neuen Form der Darbietung anzupassen. Sie haben die Aufgaben und Arbeiten schlicht den Schüler*innen aufgebürdet, ohne sich irgendwie um Erklärungen und Hilfen oder Anleitungen zu bemühen. Dazu hatten viele Schüler*innen auch gar nicht die finanziellen Mittel, sich einen „richtigen“ Computer (mit Bildschirm) anzuschaffen, sondern mussten sich mit Handys und einzeln gekauften Einheiten abmühen. Oder sie haben ellenlange Arbeitsbögen und Aufgabenblätter bekommen, die sie irgendwie auf eigene Faust und gut Glück verstehen, lösen und pünktlich wieder abgeben mussten. Die Schüler*innen waren ganz auf sich gestellt und konnten von Seiten der Unterrichtenden keine Hilfe oder Begleitung erwarten.

Gegen Ende des Schuljahres wurde überdeutlich, dass mehr getan werden musste, und so erstellten die Schulen im letzten Quartal einen anspruchsvollen Stundenplan, bei dem die Schüler*innen ganztags lernen sollten, statt wie gewohnt halbtags, vor- oder nachmittags. Das bedeutete, dass die Kinder gezwungen waren, den ganzen Tag vor dem Computer oder sogar am Handy dem virtuellen Unterricht zu folgen, Aufgaben zu bearbeiten und improvisierte Prüfungen zu absolvieren. In Pasto haben wir deshalb die Arbeit auch am Samstag wieder aufgenommen, denn Schulkinder konnten nur noch an den Dienstagen und Freitagen überhaupt in die Einrichtung kommen.

Eine andere Sorge in diesem Zusammenhang beschäftigt die Eltern ebenfalls: Zwar sind die meisten Kinder und Erwachsenen inzwischen geimpft, aber es gibt nicht genug Hygienematerial, um die erforderlichen Standards der gesundheitlichen Vorsorge zu gewährleisten. Jetzt kommen plötzlich wieder sehr viele Lernende zusammen, dazu sind die Klassenräume eng und die Ansteckungsgefahr steigt enorm. Darüber hinaus haben die Schulen keine ausreichenden Wasch- und Desinfektionsmöglichkeiten, auch fehlt es an Personal, das die Einhaltung der Hygiene- und Kontaktregeln prüfen und durchsetzen könnte. Ein gelingender virtueller Unterricht würde – unter anderem – erfordern, dass Lehrer*innen ihre Rolle und Arbeitsweise überdenken, dass Bewertungsmaßstäbe angepasst würden und dass unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten der Kinder berücksichtigt würden. All dies geschieht nicht, und für schwache Leistungen und schlechte Noten werden allein die Lernenden verantwortlich gemacht.

Zusammengefasst muss man sagen, dass Lehrer*innen diese Situation ausgenutzt haben, um sich ihrer Pflichten zu entledigen. Sie haben einfach alle Arbeit, alle Aufgaben den Schüler*innen überlassen, dass diese sich selbständig um Inhalte und Lösungen bemühen. Sie haben sich nicht die geringsten Gedanken darüber gemacht, dass durch diese mittelmäßige Arbeit zwei Jahre lang Wissenslücken entstanden sind, die sich für die Kinder auf die späteren Schuljahre und sogar die berufliche Laufbahn negativ auswirken werden. Unter den Eltern herrschen Unruhe und Unmut über den Umgang der Bildungseinrichtungen mit den Kindern unseres Landes.

Aktivitäten während dieses Quartals

Schule und Bildung:

Unsere Hilfe bei den endlos langen Aufgabenbögen konnten wir fortsetzen. Die Kinder brauchen jemanden, der bei ihnen sitzt und sie motiviert. In diesem Jahr haben alle Kinder der Gruppe „Eine Hoffnung“ ihr Schuljahr erfolgreich beenden können und sie bereiten sich eifrig auf das kommende vor. Als Teil der Werteerziehung der Patenkinder fördern wir weiterhin Hilfsbereitschaft und Solidarität in der Gruppe, Sauberkeit, gemeinsame Nutzung von Arbeitsmitteln und Freundlichkeit sind Grundsätze, die jeden Tag das Zusammenleben prägen.

Handarbeiten und Basteln:

Stricken oder Sticken, Arbeiten mit Papier oder Pappe und Knetmasse sind eine gute Gelegenheit, den Arbeitsdruck der Schule für eine Weile zu vergessen. Für die Kinder ist es etwas Besonderes, ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen und sich selbst in ihren Arbeiten auszudrücken, es macht ihnen immer große Freude.

Chor:

Der Chor hatte mehrere wichtige Aufführungen, vor allem als Eröffnungschor bei der jährlichen Feier “DARUM SINGEN WIR GEMEINSAM”. Hier boten sie eine Hommage an die Lehrerin Sandra Mora für ihre langjährige Arbeit und ihren großen Beitrag zur Musik. Der Chor wurde auch in das “Haus der Kulturen” in Pasto eingeladen, wo er mehrere neue Stücke vorstellte. Im Dezember nahmen die Kinder und Jugendlichen an einer Aufführung der Stadt teil, die für ältere, bedürftige Menschen veranstaltet wurde. Zum Abschluss der Weihnachtszeit boten wir den Eltern unserer Kinder eine Aufführung, und dank der Bemühungen der Lehrerin durfte der Chor die Bühne des „Hauses der Kulturen“ nutzen, denn dort ist genügend Platz, dass alle Familien kommen können.

Aufführung für die Familien unserer Kinder

Aufführung im „Haus der Kulturen“ in Pasto

Konzert in der Kirche „San Andrés“ in Pasto
Aufführung im Seniorenzentrum in Pasto

Aufführung im „Hogar de Nazareth“ in Pasto

Geburtstage:

In diesem Quartal hatten Diana, Melany Michael und Isai Geburtstag; dazu haben wir auch zwei Geburtstage gefeiert von Geschwisterkindern unserer Patenkinder aus „Eine Hoffnung“. Diese beiden sind sehr oft bei uns, weil sie ihre jüngeren Geschwister begleiten. Es sind Sarita und Hansel.

Geburtstagsfeier für Melany und Hansel
(Bruder von Umberto)

Dianas Geburtstagsfeier

Geburtstagsfeier für Isaí

Neue Patenschaften

Sebastián hat erfahren, dass wir Paten für ihn
gefunden haben, er freut sich sehr über diese
Nachricht.

Jüngste Veränderungen an der Einrichtung:

Zum Abschluss der Reparaturen haben wir, zusammen mit einer Mutter, die besonders gut zeichnen kann, den Innenhof verschönert. Schließlich hatten wir von den Reparaturen noch Geld übrig, auch hatten Eltern etwas vor der Pandemie sparen können, so dass wir eine hübsche Kommode anschaffen konnten, in der wir die Kochutensilien sauber und hygienisch aufbewahren können. Sebastián P. hat erfahren, dass wir Paten für ihn gefunden haben, er freut sich sehr über diese Nachricht.

Der Innenhof wird, unter Mithilfe einer Mutter, verschönert.
Von Spenden der Eltern konnte diese Kommode angeschafft werden

Ausgabe der Weihnachtsgeschenke:

Zum Abschluss der Aktivitäten des laufenden Jahres wurden den Patenkindern Mittel für die Pflege überreicht, dazu für die Familien ein Kuchen und ein Huhn für das Weihnachtsmahl.

Danksagung:

Die Kinder der Gruppe “Eine Hoffnung für Kinder ohne Zukunft” bedanken sich bei ihren Paten für die großartige Unterstützung, die sie durch dieses schwierige Jahr gebracht hat; sie senden von ganzem Herzen schönste Weihnachtsgrüße.

OMAYRA VILLOTA BENAVIDES (Sozialarbeiterin, Pasto)

übersetzt von Anette Bauer (verändert, d.h.)