Quartalsbericht März 2022 Haus Ursula Popayan

In Kolumbien erleben wir grade wieder einen neuen schweren Schlag. Schon haben Analysten sich angesichts der schwierigen Lage geäußert und über jene, die am schlimmsten davon betroffen sind. Der Professor der Universität von „La Salle“ Jaime Rendon ist leitender Beobachter der Wirtschaftlichen Entwicklung an derselben Universität und erklärt, dass „die heutige Inflation am schlimmsten die Armen trifft, bei den Nahrungsmitteln und allem, was mit Unterkunft, Strom, Wasser und Gas zu tun hat. Hier liegt sie um 80 % über der Inflation von 2021“. Lebensmittel, wie Mehl, Zucker, Milchpulver, Eier und Öl gehören zu jenen mit den höchsten Preissteigerungen von bis zu 60 % wenn man sie mit den Preisen von 2019 vergleicht. Nach Angaben der Nationalen Vereinigung der Brotfabrikanten hat das schon im ganzen Land zur Schließung von 4 000 Bäckereien geführt. Im letzten Bericht des kolumbianischen Statistikamtes wurden im November die höchsten Inflationsraten bei Kartoffeln, Fleisch und Speiseöl festgestellt( 45,7%). Danach kamen Baumtomaten (36,17%), Karotten (25%), Kräuter und frisches Gemüse (22,7%) und frisches Obst (21,9%).

Das oben Dargestellte zeigt, wie unser Land auf einen Kollaps zusteuert, wo der Hunger unsere Familien quält, weil die Preise für absolut alles gestiegen sind, während ihre finanziellen Einnahmen zurückgingen. Die Inflation ist so hoch, daß das verdiente Geld nichts nützt. Jenen, die einen Mindestlohn verdienen, reicht dieser nicht zur Deckung ihrer Bedürfnisse, und noch viel schwerer ist es für unsere Familien, die nicht einmal einen Mindestlohn bekommen können. So wissen die meisten nicht, wie sie von ihren ambulanten Verkäufen überleben sollen, die immer weniger werden und müssen sich täglich neu erfinden, um ihre Produkte anzupreisen.

In Kolumbien müssen sogar die sozialen Schichten, die gewöhnlich finanziell etwas besser gestellt waren, wieder erfinderisch sein. Die Preise für Treibstoff und das Fahrgeld sind auch gestiegen, und die Angleichung der Wirtschaft wegen der Streiks, der Pandemie und der Verzug der Anerkennung eines menschenwürdigen Mindestlohnes für die Arbeiter und einer würdigen Krankenversorgung bewirkten, daß sich die Ungleichheit in vielen Jahren immer weiter steigerte. Der jetzige Zusammenbruch trifft wie immer die Ärmsten, die das Elend verzweifeln läßt. Die absolut schlechte Gesundheitsversorgung macht unsere Kolumbianer immer noch kranker, weil die schlimmste Krankheit hier, der Hunger, immer stärker wird. In Kolumbien werden schon Kinder aufgrund dieser Krankheit begraben.

Da der Staat unsere ländlichen Gegenden total verlassen hat, spüren wir die Folgen der Erhöhung der Gebühren für die nötige Ausstattung für den Ackerbau und die geringen Überschüsse beim Verkauf der Produkte. Und diese Menschen haben uns während der Pandemie gezeigt, dass sie weiterhin ihre Produkte lieferten, wenn auch unter großen Schwierigkeiten, aber mit großer Sorge um die Zivilbevölkerung. Jedoch können nicht alle an die direkten Verkaufszentren gelangen wegen der großen Entfernungen. Und sie müssen Zwischenhändler einschalten. Außerdem leiden auch sie unter den starken Auswirkungen unseres Klimas, zusätzlich zu den fehlenden Investitionen in die ländlichen Gebiete und Straßen. Dadurch kommt es ständig zu Erdrutschen, die die Ernte vernichten und die Kosten für den Transport auf den so gefährlichen Straßen erhöhen. So werden die soziale Politik und die Achtung vor der Not der anderen immer weniger und führen dazu, dass die Bedürftigsten weiterhin die am meisten Geschädigten bleiben und die Korruption weiter zunimmt. Dabei versucht jeder, an sich zu reißen, was immer er kann.

Der Wert, den die Kinderhilfe bei alldem besitzt, ist RIESIG. Keine andere Einrichtung in unserer Stadt hat es riskiert, den Hunger unserer Kinder zu stillen, und noch schlimmer: es gibt weiterhin die Weigerung, sich extrem wichtigen Themen zu stellen. Die Vorschulen des Sozial-und Jugendamtes bleiben immer noch geschlossen, und wie viele Kinder müssen deshalb ohne Nahrung zuhause bleiben? In unserer Stadt machen sie allein 90 % der ärmsten Bevölkerung aus. Jetzt erbitten sie bei uns nicht nur einen Platz für ein Kind, sondern kommen und bitten um die Aufnahme von zwei oder drei Geschwistern. Oft können wir nur die Daten eines Kindes aufnehmen; aber die Mütter erklären, daß sie alle Kinder unterbringen müßten, weil sie sonst alle zuhause sich gegenseitig allein hüten müßten.

Die Versorgung und Ernährung der Babys liegt unterhalb des Minimums, denn die Kosten für die Babynahrung sind ebenfalls gestiegen. Die Eltern greifen daher auf die billigsten Nahrungsmittel zurück, mit denen sie die Mägen ihrer Babys schädigen. Aber in der großen Not können sie sich nicht mehr leisten, und das ist verständlich, weil die so stark unterernährten Mütter nicht stillen können, und die flüssige Babynahrung ist grade in dieser Woche wieder teurer geworden, so daß ein Liter mehr als einen Euro kostet. Schon hat man uns mitgeteilt, daß die Preise dafür weiter steigen werden. Die Kartoffeln sind sehr viel teurer geworden, und die Eier kosten genauso viel wie während der Pandemie, und nichts pendelt sich auf einen angemessenen Preis ein.

Daher bleibt der Verein weiterhin diese Stütze für die Familien, wo jedes Kind die tägliche Nahrung sicher bekommt, die Fürsorge, Betreuung, Anleitung und schnelle Hilfe in diesen Notlagen.

Hinzu kommt wieder die emotionale Not und psychische Destabilisierung der Eltern, die von der Sorgenlast erdrückt werden, weil sie nicht einmal die Miete bezahlen können. Aber der Verein ist für sie eine Erleichterung, denn während die Familien auf schädliche Nahrungsmittel zurückgreifen müssen, die zu Fettleibigkeit und anderen Krankheiten führen, bekommen ihre Kinder in der Kinderhilfe eine angemessene Ernährung. Dabei sind uns die großen Anstrengungen bewußt, die nötig sind für diese Ausgaben bei der ungeheuren Preissteigerung für die Zutaten.

Um die Bedeutung der Kinderhilfe für uns noch ein wenig mehr hervorzuheben, sehen wir, dass wir seit dem vergangenen Jahr eine gegenseitige Unterstützung begonnen haben mit einer kleinen ländlichen Grundschule. Auch diese wurde von der Leitung sehr vernachlässigt und im Stich gelassen. Aber die Lehrer bemühen sich, aus eigener Initiative, den kleinen Garten biodynamisch zu kultivieren. Sie tun das nicht, um Gewinne zu machen, weil sie wissen, daß ihre Produkte nicht geschätzt werden, sondern nur für den eigenen Konsum. Aber die Kinderhilfe hat von ihnen Kohl bekommen, biodynamisch gedüngt, Erdbeeren, Kartoffeln, einige weniger Wurzeln und Zwiebeln, die für das Essen der Kinder genutzt wurden.

Die Kinder der Schule aber, die in einer Gegend mit kaltem Klima leben, konnten zur Jahresendfeier sich über leckere Kuchen freuen, die in der Bäckerei der Kinderhilfe gebacken wurden. Wie wir schon gesehen haben, sind die Kosten der Produkte der Bäckerei sehr hoch, und die Produkte sind von hoher Qualität, wie man sie sonst nirgends bekommt. Aber jene Kinder konnten diese Leckerei genießen, dank der Kinderhilfe.

Die Not ist hier überall, und jede kleine Hilfe motiviert die Kinder in diesen abgelegenen Bergregionen, wo alles noch teurer ist. Ihre Schulsachen (bei denen die Kinderhilfe sie unterstützt), die Uniformen, Hülsenfrüchte und Getreide und alles andere hat einen höheren Preis als in der Stadt. Deshalb freuen sie sich zu wissen, daß ihre Anstrengungen im Ackerbau nicht ganz vergebens sind, weil die Kinderhilfe ihnen einen Teil der Ernte abkauft, und deshalb hat jedes Kind jener Schule zwei Kartoffeln von zuhause mitgebracht, die sehr geschätzt wurden in dieser Zeit, wo alles so viel teurer geworden ist. Und sie konnten uns einen Sack mit 30 Pfund mitbringen.

Im Haus Ursula haben wir zwei neue Babys und ein zweijähriges Mädchen neu aufgenommen, und diesen Kindern wird jetzt in frühem Alter mit der Ernährung geholfen. Die beiden Babys bekamen zuhause eine extrem schlechte Ersatznahrung aus Geldmangel. Schon zeigen sie Allergien und eine Lungenschwäche. Inzwischen haben sie sich gut eingelebt und bekommen, wie die übrigen Kinder hier, eine angemessene Betreuung, Ernährung und ganz viel Liebe von den Mitarbeiterinnen.

Soziale Vernachlässigung, Ungleichheit, Elend, Hunger, Drogenabhängigkeit und die unendliche Not gehören zu unserer Gesellschaft. Aber dank der Kinderhilfe und all der Spender, die uns ermöglichen, eine andere Welt zu bieten, können wir ihnen von Anfang an ein Umfeld bieten, in dem man Freude spürt und Liebe zu den notleidenden Kindern, die ein Hoffnungslicht im Haus Ursula gefunden haben.

Wir sind unendlich dankbar für Ihre so wertvolle Arbeit. Die Kinderhilfe ist das Schmuckstück unserer Stadt, wo heute täglich um Aufnahme gebeten wird. Danke für Ihre Solidarität und den Schutz, der sich heute über so viele Familien und Kinder erstreckt, die nur durch SIE eine bessere Welt haben.

Vielen Dank, liebe Spender!!

Yaneth Rocio Rivera Pantoja