SAN JOSÉ DEL GUAYABAL – Bericht über Oktober, November, Dezember 2023

Dieses Jahr war voller positiver Erfahrungen. Die Kinder konnten sich weiterhin in der Schule an allen pädagogischen Aktivitäten beteiligen. Die Grund- und weiterführende Schule sind inzwischen so gut ausgestattet, dass die Kinder leicht Lernfortschritte machen können und so auch in den verschiedenen Lernabschnitten weiterkommen.

In der KINDERHILFE haben wir uns sehr um die Schule gekümmert und sie regelmäßig besucht. Dabei konnten wir viel Zeit mit den Kindern in direktem Kontakt verbringen. Bei jedem Besuch haben wir uns darüber informiert, wie sie sich entwickeln und für sie lehrreiche Aktivitäten zur Integration vorbereitet. Dazu gehörte das gemeinsame Backen oder Spiele, wie im Dezember, bei denen sich alles um Weihnachten drehte. Aus der KINDERHILFE beteiligen sich dabei die einzelnen Betreuerinnen der Gruppen in Popayan, alles Pädagoginnen, die abwechselnd die Aktivitäten dort vorbereiten und durchführen, damit sie auch die anderen Seiten des Vereins in unserem Land kennenlernen. Bei diesem Besuch haben sie vor allem ein weihnachtliches Lottospiel mitgebracht, um das Ende des Schuljahres zu feiern.

Alle beteiligten sich mit vollem Eifer und das nicht nur, weil ihnen das Spiel gefiel, sondern auch, weil es Spiele dabei zu gewinnen gab. Außerdem hatten wir noch einen Film mitgebracht und ein kleines Kino improvisiert, wobei sie alle sehr bei Sache waren, denn das gefiel ihnen besonders gut. Das alles ermöglicht uns, die Kinder und ihre Vorlieben besser kennenzulernen und zu verstehen, dass solche Dinge für sie sehr wichtig sind. Da sie auf dem Lande leben, haben sie kaum Zugang zu solchen Aktivitäten. Es haben zwar einige einen Fernseher zu Hause, aber die meisten haben nicht einmal dazu Zugang, schon gar nicht zu Sendern, auf denen sie einen Film sehen könnten oder mehr über das Leben jenseits ihrer Gemeinschaft erfahren. Deshalb war das eine sehr schöne Abwechslung für sie. An diesem Tag hatten wir aus der KINDERHILFE auch die nötigen Zutaten für ein leckeres Mittagessen mitgebracht. Die Leute aus der Gemeinschaft bereiteten es selbst zu. Es gab Hähnchen mit Reis und auch die Kinder machten begeistert mit. Am Ende gab es für alle ein Weihnachtsgeschenk, eine Auswahl von Hygieneartikeln. Man muss hervorheben, dass diese Kinder sehr dankbar sind für alles, was sie vom Verein bekommen. Sie sind über unseren Besuch sehr glücklich, vor allem, weil sie wieder ein Schuljahr beendet hatten, in dem sie viel lernen mussten. Allerdings ist es für viele nicht so schön, Ferien zu haben, weil sie dann für 2 Monate nicht die Schule, den Spielplatz und das leckere Essen genießen können.

Die KINDERHILFE unterstützt sie aber weiterhin und ist schon dabei, das Material für das neue Schuljahr zu besorgen und vorzubereiten, damit sie es im neuen Jahr mit allem, was sie brauchen, beginnen können. Das ist eine große Erleichterung für ihre Eltern, die oft nicht das Geld haben, um die Schulsachen zu kaufen oder ihnen eine ausgewogene  und ausreichende Ernährung bieten zu können. Immerhin haben sie in den Dörfern den großen Vorteil, dass sie Gemüse, Kochbananen, Kaffee und Zuckerrohr anbauen können, um Vorräte als Nahrungsgrundlage anzulegen. Das ist allerdings in keiner Weise mit der Ernährung in der Schule zu vergleichen, die komplett, ausgewogen und ausreichend ist. Deshalb schicken die Eltern ihre Kinder auch regelmäßig, damit sie das leckere Essen genießen können, das ausreichend Proteine, Säfte und Salate beinhaltet. Dadurch sind die Kinder auch bei guter Gesundheit und können sich insgesamt besser entwickeln.

In diesem Jahr gab es hier einen großen Erfolg mit dem Schulabschluss einer Jugendlichen zu feiern. Sie ist die Tochter von Führern der Gemeinschaft, Menschen, die nach Kräften für deren soziale Entwicklung und ihr Wohl arbeiten. Deshalb sind die Eltern auch oft nicht zu Hause, sondern arbeiten in der Gemeinschaft, und dieses Mädchen ist oft für seine jüngeren Geschwister verantwortlich. Das hinderte sie nicht daran in der Schule gut voranzukommen und gute Leistungen zu erzielen. Vor allem aber hat sie feste Vorstellungen von einer besseren Zukunft für sich. Sie träumt davon, eine Ausbildung als Köchin machen zu können. Ihre Lehrer erzählen viele Geschichten davon, wie gerne sie zuhause kocht. Wenn es ihr möglich ist und ihre Eltern ein wenig Geld haben, bittet sie sie darum, einige Zutaten zu kaufen, damit sie sie unterrichten oder einige andere Gerichte zubereiten kann, um sie in der Familie zu verzehren.

Wie ihre Lehrer berichten, ist die die junge Frau sehr fleißig und hat den starken Willen voranzukommen. Ihre Eltern arbeiten zwar für den Indigenen Rat, erhalten aber für viele Tätigkeiten in der Gemeinschaft kein Geld, so dass sie der Tochter die teure Ausbildung nicht bezahlen könnten. Wir empfehlen, ihr zu helfen, damit sie diese Ausbildung zur Köchin machen kann.

Von den übrigen Familien können wir sagen, dass diese jeden Tag weiterkämpfen, um voranzukommen. Viele haben sich auf die Landwirtschaft konzentriert, den Anbau von Kaffee und Kochbananen, ihrer Nahrungsgrundlage. Außerdem verkaufen sie diese Produkte, um andere Dinge kaufen zu können, wie Reis, Zucker, usw. Oft arbeiten sie auch auf benachbarten Fincas, womit sie das Geld verdienen für die restliche Ernährung, oder Putzutensilien und ähnliches.

Man muss die Fähigkeit hart zu arbeiten dieser Leute hervorheben und wie lange sie das tun. Es ist nicht selten, dass man einige im Alter zwischen 70 und 80 Jahren sieht, die schwere körperliche Arbeit verrichten, um innerhalb der Gemeinschaft existieren zu können. Allerdings ist diese auch sehr solidarisch, alle kümmern sich umeinander. Deshalb müssen ihre Anführer auch weiter für ihre Kinder und die Gemeinschaft kämpfen, denn sie entwerfen Projekte und Pläne, damit der Staat ihnen mehr Mittel für die Bildung bereitstellt. Und weil es eine Indigene Gemeinschaft ist, die unermüdlich kämpft, haben sie einige Fördermittel erhalten, um zusätzliche Bildungsangebote auszubauen. Zum Beispiel war vor kurzem ein Lehrer für Musik und Tanz vor Ort, der sie in anderen Bereichen – außerhalb der Lehrpläne – unterrichtete. Gerade als Indigene Gemeinschaft möchten sie weiterhin unbedingt ihre Besonderheiten bewahren, ihre Sprache und ihre Bräuche, denn im Laufe der Zeit haben die Technik, die Kommunikationsmedien und anderes so viel Einfluss gewonnen, dass ihre typischen Eigenarten und Sitten drohen verloren zu gehen. Ihre Arbeit ist sehr wichtig und auch die Projekte, die ihnen ermöglichen, als Gemeinschaft Fortschritte zu machen. Deshalb sind sie der KINDERHILFE sehr dankbar, dass sie diese Schule gebaut hat. Sie war der Beginn einer großen Chance und eine Ermutigung mit den Zukunftsplänen weiterzumachen. Dadurch gibt es heute dort schon viele gut Ausgebildete, von denen etliche vom Verein unterstützt wurden. Dafür haben andere hart gearbeitet und gekämpft., Hier zeigt sich ihre Kraft und Willensstärke, ihrer Gemeinschaft helfen zu können, um gemeinsam stark zu werden.

Von den Jugendlichen, die durch die KINDERHILFE eine Ausbildung machen konnten und heute eine große Unterstützung für die Gemeinschaft sind, können wir den Lehrer Javid hervorheben, der im Augenblick vom Verein für die Arbeit in der Schule eingesetzt ist. Er selber erinnert sich, dass ihm der Verein vor ungefähr 15 Jahren eine IT-Ausbildung ermöglicht hat, mit der er vom CRIC (Regionalen Rat der Indigenen des Cauca) eingestellt wurde. Mit dem Geld, das er dort und an anderen Orten verdiente, konnte er weitere Ausbildungen machen und Erfahrungen sammeln, zum Beispiel an einer Schule im Department Huila, wo er als Lehrer gearbeitet hat. Der Ursprung seines beruflichen Werdegangs war daher die Unterstützung der KINDERHILFE. Jetzt ist er wieder in der Gemeinschaft, arbeitet in der Schule und unterstützt diverse soziale Projekte zum Wohle der Gemeinschaft und ihrem Umfeld. Es ist auch die Regel dort, dass die Jugendlichen im Reservat sich sozial beteiligen.

Auch José Nolver hatte vor Jahren das Glück, von der KINDERHILFE unterstützt zu werden, damit er an der Universität des Cauca Jura studieren konnte. Seitdem hat er immer eine feste Arbeit gehabt, konnte so seine Familie unterstützen und seinen Lebensstandard verbessern. Aber er ist auch dafür verantwortlich, seine Gemeinschaft in allen Angelegenheiten und sozialen Projekten zu vertreten. An diesen zwei Personen, denen der Verein im Laufe der Zeit geholfen hat, kann man schon die Auswirkungen erkennen. Sie haben ihre Lebensqualität verbessern können, ihre Vorstellungen verändern für ein besseres Leben, das sich auch für ihre Familien verbessert hat, die sie finanziell unterstützen können. Sie sind Vorbilder für ihre Geschwister, die ihrem Beispiel im Lernen gefolgt sind und sich für eine bessere Zukunft vorbereitet haben. Dann ist da vor allem auch ihre soziale Unterstützung der Gemeinschaft, der sie zu einer besseren Entwicklung verhelfen, ihr bessere Möglichkeiten verschaffen und ihre Rechte einfordern, die in unserer so ungleichen Gesellschaft ständig verletzt werden.

Für uns ist es wichtig, dass sie alle in der Schule erzogen wurden, die die KINDERHILFE gebaut hat. Das war der Beginn all dieser schönen Geschichten. Zum Jahresende finden wir es wichtig, an einige der Jugendlichen zu erinnern, die ihr Leben durch die KINDERHILFE verändern konnten, wobei wir aber betonen müssen, dass wir noch vielen weiteren im Moment bei einer Ausbildung an der Universität helfen.

Deshalb können wir Danke sagen für die großartige Unterstützung der Gemeinschaft seit so vielen Jahren, mit der den Jugendlichen eine abgeschlossene Schulbildung ermöglicht wird. Auch ist sie eine Hilfe im sozialen Bereich für ihre Umgebung und bedeutet, dass mit jedem Tag mehr und mehr Jugendliche dem Elend entkommen können, ihre Lebensqualität verbessern und positiven Einfluss auf ihre Familien nehmen.

Sandra Yicel Medina Sanchez