Schule San José del Guayabal: 1. Quartal 2021

Die KINDERHILFE begann das Jahr 2021 mit einem Besuch im Indigenen Reservat San José del Guayabal, diesmal inmitten von Gewalt und Krieg, der erneut im Cauca ausgebrochen ist. Mutig und sich der Gefahren bewusst, begab sich das Personal der KINDERHILFE dorthin. Es war nötig einen kleinen Lieferwagen zu mieten, um die Schulsachen zu transportieren, die der Verein für die Kinder gekauft hatte. Zu Beginn des Schuljahres bekamen sie wieder alles, was sie zum Lernen brauchten, wie Hefte, Stifte, Farben, usw. Denn die Kinder dieser Schule sind privilegiert und haben das Glück, dass das Corona-Virus nicht dorthin gelangt ist. Daher wurde der Präsenzunterricht wieder aufgenommen, den die Kinder dringend benötigten, weil der Aufenthalt zu Hause – sie sind sehr oft allein gelassen – ihnen seelischen Schaden zufügte, was sich vor allem in ihrem Verhalten gezeigt hat. Außerdem waren bei vielen die Nahrungsmittel knapp, weil kein Geld da war, um sich gut zu ernähren, wie es in der Schule angeboten wird. Aber da sie jetzt wieder zur Schule gehen, bessern sich ihre Umstände und sie können sich wieder stabilisieren, anders als die Kinder und Jugendlichen in den Dörfern und Städten.

Die älteren Kinder und Jugendlichen, die die weiterführende Schule im Ort besuchen, die der Schulbehörde unterstellt ist und an der Lehrer aus der Stadt unterrichten, bekommen weiterhin virtuellen Unterricht. Die Schüler aus dem Reservat San José del Guayabal werden durch Arbeitspläne und -Blätter unterrichtet, da sie kaum Zugang zum Internet haben. Nur zwei Familien haben Antennen und Internet; aber der Zugang dazu ist sehr teuer und sie müssen tausend Peso für die Stunde bezahlen, weshalb die Eltern hier, wo das Geld so knapp ist, dieses lieber für Nahrungsmittel ausgeben, als für das Internet. Deshalb müssen die Jugendlichen mit den Paketen von Arbeitsblättern und Aufgaben der Schule lernen, die sie dann wieder abgeben. Natürlich müssen auch diese bezahlt werden, aber mit viel weniger Geld als die vielen Internetstunden.

In der neuen Gruppe der Kindergartenkinder sind ganz kleine Kinder und die Kinderhilfe hat ihnen eine Ausstattung an Material geliefert, um ihre Motorik und ihre körperliche Entwicklung zu fördern und sie gut für die Schule vorzubereiten, denn der Staat kümmert sich nicht darum. Auch mussten wir die Beihilfen erhöhen, damit die Schule mehr Gemüse und Fleisch kaufen kann, damit auch diese Kleinen ihre tägliche Zwischenmahlzeit und das Mittagessen bekommen. Sie waren sehr glücklich über die notwendigen Dinge zum Lernen, und es ist wunderschön, wie die Kinderhilfe mit diesen tollen Aktionen ein so echtes Freudestrahlen bei den Kindern hervorrufen kann, die so bedürftig sind.

Bei den Jugendlichen werden, aufgrund der Pandemie und der neuen Lehrmethoden, jetzt andere Dinge gebraucht und die Kinderhilfe musste sich umstellen, weil, anders als in allen vorigen Jahren, jetzt weniger Hefte benötigt werden, sondern mehr Blocks mit weißen, karierten und linierten Blättern und auch Stifte, Radiergummis, Anspitzer und Farbstifte. Außerdem brauchten sie eine Dose mit Büroklammern, denn in diesen abgelegenen Gegenden kann man solche Sachen nicht kaufen. Außerdem haben sie auch nicht das Geld dafür. Aber sie sind notwendig, um die Arbeitsblätter zusammenzuhalten, die sie abgeben müssen. All das bedeutet für die Kinderhilfe mehr Ausgaben.

Es ist eine sehr schwierige Zeit, in der die Jugendlichen sich auf eine neue Art des Lernens einstellen müssen, bei der sie alle üben müssen, allein zu lernen, denn jedes Arbeitsblatt müssen sie irgendwie bewältigen. Den Staat kümmert es nicht, ob und wie die Jugendlichen lernen, ob sie das Geld haben, um Arbeitsblätter zu kaufen oder für das Internet, sondern nur, dass sie ihre fertigen Aufgaben irgendwie abliefern, damit sie dann eine gute oder schlechte Note bekommen.

Keiner denkt daran, welche Mühen es viele Jugendliche an diesen Orten kostet, mitzukommen, ohne Internet, ohne eine Bibliothek und ohne Bücher zum Nachschlagen. Die meisten Eltern haben wegen ihrer mangelnden Schulbildung weder das Wissen noch die Geduld, mit ihnen zu üben und können nur wenig helfen. Da ganz viele weder zu Hause noch im Dorf jemanden finden, der ihnen etwas erklären könnte, können sie auch kaum etwas lernen, weshalb sie zwar versetzt werden, aber nicht das entsprechende Wissen haben, was sich negativ in den kommenden Schuljahren auswirken wird oder auf der Universität, falls jemand von ihnen die Chance bekommt zu studieren.

Den Jugendlichen der Kinderhilfe geht es besser, denn dank des Lehrers, den der Verein bezahlt, damit er vor allem mit den Kindern der Grundschule übt, bekommen die der weiterführenden Schule hier die Erklärungen in den Themen, die sie nicht verstehen. Die meisten haben Schwächen in Mathematik und Geometrie und so kommen donnerstags regelmäßig zwischen 10 und 16 der 18 Jugendlichen in den Nachhilfeunterricht. Diejenigen, die nicht kommen, müssen vielleicht zur Zeit der Kaffeeernte ihren Eltern helfen, Geld für den Unterhalt der Familie zu verdienen oder haben Sondertermine in der Schule. Aber wir hoffen, dass es durch die Nachhilfe allen in diesem Jahr in der Schule gut ergehen wird und dass sie mehr lernen als im vergangenen Jahr.

In die Grundschule kommen die Kinder jetzt wieder täglich, wo sie ein gutes Frühstück und das Mittagessen bekommen. Dafür trägt die Kinderhilfe monatlich für den Kauf von Gemüse und Fleisch ungefähr € 120,- bei. Außerdem lieferte sie bei diesem Besuch 6 Pfund Haferflocken, einen Sack Mehl, eine Kiste mit Margarine, Backpulver, Bocadillo und das Geld für 50% der Kosten für eine Gasflasche zum Kochen, die ungefähr 2 Monate vorhält. So sichern wir für die Kinder das tägliche Frühstück, das je nach Kreativität der Küchenleute aus Milchsuppe mit Brot oder Keksen besteht, und das Mittagessen, das Reis mit Bohnen und etwas Fleisch sein kann, oder Reis mit gekochtem Huhn und Salat und Fruchtsaft, zum Beispiel. Und alles wird mit viel Liebe zubereitet. Während die Kinderhilfe für die Schulkantine Fleisch und Gemüse beisteuert, liefern die Eltern Kochbananen, Reis, Yuca und andere Lebensmittel. Jede Familie trägt dazu bei, was sie kann, damit alle Kinder ein ausreichendes Mittagessen bekommen, dies solange, bis der Staat wieder Reis und Gemüse liefert, wie er es vor der Pandemie getan hatte.

In dem Reservat wachsen die Kinder in einem positiven, beinahe heilen Umfeld auf und haben den großen Vorteil, jetzt wieder ein normales Leben führen zu können. Die Jungen und Mädchen zeigen der Kinderhilfe ihre Dankbarkeit mit Begeisterung und einem strahlenden Lächeln über die neuen Hefte für das Schuljahr, was für den Verein eine große Freude ist und Grund zu großer Dankbarkeit für alles, was gegeben wird.

Aber es gibt auch Anlass zu großer Beunruhigung durch die Ankunft von illegalen Gruppen in den Nachbargebieten des Reservates, denn es sind dort nicht nur die Guerillas, Farc und Paramilitärs, sondern jetzt haben sich auch Gruppen von Dissidenten bewaffnet. Angeblich gibt es auch schon Leute aus Mexico von den Drogenkartellen, wie das sogenannte Sinaloa-Kartell. Deshalb müssen sich die Kinder und Jugendlichen jetzt mit äußerster Vorsicht bewegen, denn eine dieser Gruppen hatte schon drohende Ankündigungen gemacht. Als sie zu einem Sportplatz kamen, wo etliche Leute Fußball spielten, bedrohten sie diese mit Schusswaffen und brachten sie dazu, sich auf den Boden zu werfen. Hier war sich die ganze Gemeinschaft einig und gab klar zu erkennen, dass sie eine anständige und arbeitsame Gemeinschaft sei, in der es keinerlei illegalen Anbau (gemeint sind Drogen) gibt und wo die Jugendlichen sich auf das Lernen konzentrieren. So hielt diese Gruppe ihre Waffen weg und verschwand allerdings mit vielen Schüssen in die Luft. Damit lernen die Kinder leider schon ganz früh massive Gewalt kennen. Die Schule und die Kinderhilfe sind dort von großer Wichtigkeit, weil man klarstellt, dass durch sie schon viele Jugendliche eine gute Ausbildung bekommen haben, von denen heutzutage sogar einige die Leiterinnen der Gemeinschaft sind. Es macht uns alle sehr froh, wie die Gemeinschaft zusammensteht und wie wichtig es ist, dass sie alle in der Schule, die von der Kinderhilfe gebaut wurde, erzogen und ausbildet wurden. Dass sie immer die Unterstützung durch das schulische Material, das Essen und die emotionale Zuwendung und Hilfe hatten, betonen die Jugendlichen sehr stolz. Es ist schon ein großes Glück, seit so vielen Jahren eine Schule zu haben.

Die Kinderhilfe verrichtet eine wundervolle Arbeit, indem sie an diese ganz abgelegenen Orte gelangt, wo sie Hoffnung gibt und Möglichkeiten zum Weiterkommen. Dafür sind wir allen Spendern unendlich dankbar, dass sie uns immer auf diesem Lebensweg begleiten, der für uns manchmal fast zu schwer wird.

Sandra Yicel Medina Sanchez