Unsere Mitarbeiterinnen

Weil manche Paten und Spender in Deutschland gar nicht so genau wissen, wer bei der Betreuung unserer Patenkinder in Kolumbien welche Aufgabe hat und welches Gesicht mit welchem Tätigkeitsbereich verbunden ist, haben wir unsere Mitarbeiterinnen gebeten, ein paar Zeilen zu ihrer Person und ihren Aufgaben im Verein zu formulieren. 

Carmen Julia Diaz Naranjo

Meine Geschichte in der KINDERHILFE begann vor über 30 Jahren, als ich einen Kurs beim Jugendamt machte. Ganz zufällig hat mir dort eine Sozialarbeiterin, die meine Geschichte kannte, geraten ich solle für mich und meine Familie Hilfe bei einem Verein suchen, bei dem man Kindern und Menschen in Not, wie mir, helfen würde. Dort nahm man meine Daten auf. Nachdem sie einen Hausbesuch gemacht und die Situation meiner Familie überprüft hatten, wurde mein Sohn in das Patenschaftsprogramm aufgenommen und wir erhielten schließlich die großartige Nachricht, dass er Paten bekommen hatte, die ihm vom ersten Augenblick an halfen. Mir ging es in dieser Zeit sehr schlecht, denn zuhause litt ich unter meinem alkoholkranken, gewalttätigen Lebensgefährten. Das Zusammenleben mit ihm war sehr schlimm, selbst meine Kinder hatten unter seinen Misshandlungen zu leiden, was mich besonders betrübte. Schließlich beschloss ich, mich von ihm zu trennen, meine Kinder allein durchzubringen und nach Arbeit zu suchen. Dafür betreute ich damals an zwei Tagen Kinder vom Jugendamt und machte kleinere Näharbeiten, um Lebensmittel und die hohen Raten für das Haus zu bezahlen, das ich gekauft hatte. Als der Verein meine Notlage sah, machten sie mir Mut und ich fand dort soziale, finanzielle und auch emotionale Unterstützung. Man half nicht nur meinem Sohn, indem man seinen Schulbesuch bezahlte, sondern damit auch mir als alleinerziehender Mutter. Ich konnte beruhigt für die restlichen Ausgaben arbeiten gehen. Meine befristeten Arbeitsstellen brachten jedoch nie genug Geld ein, um meine Familie ausreichend versorgen zu können, weshalb wir immer in Not waren. Der Verein erkannte das und gab mir Arbeit. Anfänglich putzte ich an zwei Tagen die Woche die Räume im Viertel Los Alamos. Das war dann der erste Schritt für meine berufliche Unabhängigkeit. Als mein Sohn Probleme bekam, wegen denen er die Schule nicht besuchen konnte, wurde die Patenschaft auf meine Tochter übertragen. Aber leider konnten beide die Hilfe der Paten nicht richtig nutzen. Ihre vielen sozialen Probleme hatten sicher ihren Ursprung in unseren schwierigen Familienverhältnissen. Heute kann ich aber sagen, dass alles, was sie im Verein erlebt und gelernt haben, zusammen mit ihrer eigenen Lebenserfahrung dazu führte später doch noch ihren Weg zu machen. Mein Sohn ist heute Anwalt, hat eine stabile Familie und eine gute Arbeit. Meine Tochter hat zwar keine Ausbildung gemacht, aber das Kochen erlernt und ist eine fleißige und anständige Frau geworden, die ihre beiden Kinder unterstützt. Für mich ist das Wichtigste, dass meine Kinder nicht auf Abwege geraten sind, wie es normalerweise unserem Viertel üblich ist. Auch meiner ältesten Tochter gab der Verein eine Arbeit, was ihrer Familie sehr geholfen hat. Sie arbeitet bis heute und schon seit vielen Jahren für die KINDERHILFE. Für meine ganze Familie ist der Verein eine große Unterstützung gewesen und hat sich positiv auf uns alle ausgewirkt. Um auf mich zurückzukommen: Nach zunächst 2 Tagen Arbeit in der KINDERHILFE wurde ich in Vollzeit angestellt, zuerst als Putzhilfe und dann auch in der Küche. Das ermöglichte mir in anderen Bereichen Kenntnisse zu erwerben, denn ich konnte auch das Backhandwerk erlernen und dadurch später die Leitung der Bäckerei in der KINDERHILFE übernehmen, um wiederum Kinder darin zu unterrichten. Alles Gelernte multiplizierte sich also. Schließlich arbeitete ich auch im Bereich der Körperpflege der besonders vernachlässigten Kinder und außerdem ein Jahr als Verantwortliche für die Offenen Gruppen in Handarbeit, Basteln und Kochen. All das hat mir geholfen, sehr viel achtsamer mit dem Leben umzugehen und ist für mich eine Lehre als Mensch gewesen. Ich weiß es unheimlich zu schätzen, dass der Verein uns in allen Bereichen ermöglicht, uns persönlich umfassend weiterzuentwickeln. Auf diese Weise konnte ich auch die Sekundarstufe mit einem Abschluss beenden, denn als Kind war ich nur bis zur dritten Klasse zur Schule gegangen. Danach besuchte ich mit Hilfe der KINDERHILFE auch noch Kurse im Haareschneiden sowie anderen Bereichen. Ich bin sehr dankbar für alles, was der Verein für mich im Laufe dieser 30 Jahre getan hat. Jeden Tag bin ich motiviert aufzustehen und gehe begeistert an meine Arbeit, mit der ich zudem meinen Lebensunterhalt verdiene, und die es mir ermöglicht hat meine Familie durchzubringen. Der Verein, Señora Ute, die Paten und die Spender sind überaus wichtig für mich, denn dank all der Bildung und Wertschätzung, die ich hier erfahren habe, konnte ich die unterwürfige Frau, die ich in der Vergangenheit war und die in einer Zeit ihres Lebens so viele Misshandlungen ertragen musste, hinter mir lassen. Heute halte ich mich für eine starke Frau, die dafür kämpft weiterzukommen. Das verdanke ich zum größten Teil dem Verein und allem, was ich hier erhalten habe. Es hat mir ermöglicht, an mich selber zu glauben, mich zu lieben und als Mensch zu achten. Das ist das Allerwichtigste für jemanden, der schon so viele Schwierigkeiten und Probleme durchstehen musste.

Omayra Villota

Sozialarbeiterin

Ich arbeite seit 1995 in der KINDERHILFE. Zu meinen Aufgaben gehören die Auswahl der Kinder, die aufgenommen werden, Hausbesuche, psychosoziale Unterstützung, Anleitung und Hilfe bei den Hausaufgaben und anderen Arbeiten der Patenkinder, Unterstützung der Handarbeitsgruppen und die Verwaltung des rotierenden Fonds. Dieser wurde geschaffen, um die Familien finanziell zu unterstützen. Ich schreibe regelmäßig die Berichte für die Paten und organisiere die Korrespondenz. Vor allem aber bemühe ich mich, den Kindern und Jugendlichen die Werte des Vereins für das Zusammenleben, wie Respekt und Solidarität zu vermitteln. Meine Arbeit in der KINDERHILFE hat mir ermöglicht, meine Lebenserfahrung und meine berufsbedingten Kenntnisse in die Praxis umzusetzen und es ist sehr befriedigend, erleben zu können, wie die Initiative und Unterstützung des Vereins KINDERHILFE das Leben der Menschen verändert und Kindern und Jugendlichen Hoffnung und Möglichkeit auf eine bessere Zukunft bietet. Andernfalls würden sie weiter in dem Elendskreislauf gefangen bleiben, in den sie hineingeboren wurden. Die Erfolge und auch Misserfolge der Kinder mitzuerleben und zu sehen, wie sie aufwachsen und zu verantwortungsbewussten und gut ausgebildeten Menschen werden, ist wundervoll und es erfüllt mein Leben mit Freude und Hoffnung.

Sandra Patricia Anasco

Leiterin der Kita im Casita 2 und ehemaliges Patenkind

Ich erinnere mich noch gut, dass ich in der fünften Klasse der Grundschule von einem Ort hörte, an dem man Hausaufgabenhilfe und zu essen bekäme, zwei entscheidende Grundbedürfnisse in meinem damaligen Leben. Einige Tage später besuchte mich dann eine Sozialarbeiterin zu Hause, die dabei erfuhr, dass ich zu dieser Zeit nicht bei meinen Eltern, sondern bei meiner Tante lebte. Diese war eine sehr energische Frau, die für mich nur das Beste wollte. Sie hat mich aus meinem Dorf geholt, um mich zur Schule zu schicken. Meine Eltern waren weit weg und arbeiteten als Kleinbauern. Von ihren Ernten konnten sie uns mit Grundnahrungsmitteln versorgen, so mussten wir nicht hungern. Die Nachricht von der Unterstützung der KINDERHILFE, der später eine Patenschaft folgte, war der Anfang eines völlig neuen Lebensweges. Als ich in die sechste Klasse kam, zogen meine Eltern zu uns, weil mein Vater wegen seiner fortgeschrittenen Diabetes ärztlich behandelt werden musste. In ihrem Dorf gab es weder die Medikamente für seine Behandlung noch die richtigen Nahrungsmittel für ihn. Ich konnte jetzt, zusammen mit meiner Tante und meinen Eltern, und vor allem mit der Hilfe der KINDERHILFE die Sekundarstufe II mit dem Abitur beenden. Danach unterstützte mich meine Patin weiter bei einem Universitätsstudium, obwohl ich an einer privaten Einrichtung studieren musste, denn an der staatlichen Universität gab es keinen Studiengang, der mit dem Staatsexamen in Vorschulerziehung abschloss. Damit wurde mein größter Traum Wirklichkeit. Ich hätte nicht weiter lernen und studieren können, wenn die KINDERHILFE mich nicht unterstützt hätte, denn meine Eltern waren beide arbeitslos Die Krankheit meiner Vaters war schon weit fortgeschritten. Deshalb sind sie und ich immer dankbar gewesen für die große Chance, die mir ohne jeden Zweifel bessere Zukunftsaussichten ermöglicht hat und vor allem eine positivere Lebenseinstellung vermittelt hat. Während meines Studiums war ich halbtags in der Universität. Den Rest des Tages half ich im Verein in den verschiedenen Kita-Gruppen. Das machte ich mehr als fünf Jahre lang, zumal ich schon in der Schulzeit in den Gruppen ausgeholfen hatte. Kurz vor Ende meines Studiums starb mein Vater. Aber er ging mit der Freude zu wissen, dass eine seiner Töchter jetzt ein Universitätsstudium beenden würde, auf das ich sehr stolz bin. Nach meinem Abschluss begann ich, in den Kita-Gruppen als Vorschullehrerin mit Schwerpunkt Sozialarbeit zu arbeiten. Inzwischen sind viele Kinder an meiner Hand groß geworden, und etliche von ihnen sehe ich jetzt als Jugendliche weiterhin in anderen Gruppen des Vereins heranwachsen. Ich hoffe, dass sie es schaffen, ihre Ziele zu erreichen und im Leben voranzukommen. So wie ich es einmal geschafft habe. Zu meinen derzeitigen Aufgaben als Leiterin der Kita im Casita 2 gehören das Anfertigen der Berichte von Kandidaten, der Aufnahme- und der jährlichen Entwicklungsberichte. Ich beteilige mich an der Anfertigung der Quartalsberichte und schreibe selbst zwei davon im Jahr. Ich mache Hausbesuche bei den Kandidaten macht, um zu erfahren, wie es den Kindern und ihren Familien geht, um Notlagen einzuschätzen und Lösungen anzubieten. Dadurch bin ich ständig in Kontakt mit den Familien und für sie da, wenn sie mich brauchen. Die Woche über teile ich mit den Kindern ihre Erlebnisse und ihre Träume. Am Vormittag fördere ich das Lernen durch spielerische Aktivitäten. Dabei werde ich täglich von meiner Arbeitskollegin Leidy unterstützt. Gemeinsam planen wir die Beschäftigungen mit dem Ziel, die Spontaneität und Freude der Kinder zu fördern. Am Nachmittag habe ich die Aufgabe, die Vorschulkinder für den Schulbeginn vorzubereiten. Inmitten der täglichen Routine in der Kita bewegen wir uns zwischen der Essenszeit, dem Mittagsschlaf und der Vorbereitung der Kinder auf das Nachhausgehen. Wir erziehen sie zur Selbstständigkeit – wie zum Beispiel beim Gang zur Toilette –, und kümmern uns dabei genauso um den individuellen Fortschritt jedes einzelnen Kindes mit seinen spezifischen sozialen Problemen. Dabei bemühen wir uns, für die Linderung der Nöte zu sorgen. Am Ende des Tages desinfizieren wir die Spielsachen, die Möbel und alle genutzten Gegenstände, damit wir die Kinder am nächsten Tag wieder in Sicherheit spielen lassen können. So hat es mir die KINDERHILFE, abgesehen davon, dass sie mir eine dauerhafte Arbeit gibt, ermöglicht, in sozialer Hinsicht zu wachsen und meine Lebensqualität zu verbessern. ich kann meine Tochter regelmäßig und gesund ernähren und auch ihre Betreuung ist garantiert und gesichert, da auch sie bei der KINDERHILFE untergebracht ist, wofür ich sehr dankbar bin.

Soranyi Martinez Sanchez

Kinderpflegerin

Ich lernte die KINDERHILFE 1994 durch eine Verwandte kennen, die ebenfalls vom Verein betreut wurde. Ich war 13 Jahre alt und wohnte mit meiner Mutter, meinem Stiefvater und meinen Geschwistern in der Siedlung „Los Llanos“ in El Tambo, Cauca. Mein Stiefvater und ein Bruder sind inzwischen verstorben. Die KINDERHILFE befand sich damals im Viertel „Los Alamos“ in Popayan, und es gab nur das Patenschaftsprogramm. Dann zog sie um nach „Santa Ines“, wo der Verein immer weiter wuchs. Zusammen mit meiner Patin ist die KINDERHILFE zu einer Chance für mich geworden, einen Ausweg aus Armut und sozialer Gewalt zu finden. Dank des Vereins konnte ich zur Schule gehen und sogar die Sekundarstufe beenden. Ich bekam ein ganz neues Selbstwertgefühl und alle Erfahrungen, die ich im Verein machte, halfen mir, meine Lebensbedingungen zu verbessern und mich auch menschlich zu entwickeln. Mit dem Ende der Schulzeit endete auch meine Zeit in der KINDERHILFE, aber ich blieb dennoch ständig in Kontakt. Nachdem ich an vielen verschiedenen Orten gearbeitet hatte, konnte ich eine Ausbildung als Kinderpflegerin beginnen, bei der ich darum bat, mein Praktikum in der KINDERHILFE absolvieren zu dürfen. Um nebenher meinen Unterhalt zu bestreiten ging ich zusätzlich putzen. Nach dem Praktikum und dem Abschluss als Kinderpflegerin bekam ich erfreulicherweise eine Anstellung in der Kita der KINDERHILFE. Wenig später wurde ich schwanger und bekam einen Sohn, der in der Babykrippe aufgenommen zu werden. Inzwischen ist mein Sohn 11 Jahre alt und geht in die sechste Klasse der Sekundarstufe. Die Unterstützung, die ich damals in der KINDERHILFE erhielt, war für uns eine ganz große Hilfe. In der KINDERHILFE habe ich verschiedene Tätigkeitsfelder, die ich kurz beschreiben möchte: Da ist die Bäckerei, in der eine Gruppe von Kindern lernt und beschäftigt wird. Zusammen bereiten wir die Zwischenmahlzeiten für alle Kinder im Verein zu. Wir führen auch soziale Besuche durch, zum Beispiel ins Altersheim, Cottolengo (Hospiz für Frauen) und die Verteilung von Nahrungsmitteln an besonders arme Menschen. Wir arbeiten nur mit gesunden Zutaten, verwenden Vollkornmehl, getrocknete Früchte und Kuchen- und Dessertcremes ohne chemische Zusätze. Wir bereiten Desserts aus Obst zu, wobei wir immer möglichst wenig Zucker verwenden. Für die alten Leute kochen wir nur nach Diätrezepten. Dadurch habe ich dazu beitragen können, den Kindern des Vereins diese Kenntnisse zu vermitteln. In der Kita und der Babykrippe habe ich bei vielen Aktivitäten der Kinder mitarbeiten können und bei ihrer Ernährung, der Betreuung, dem Spielen und dem Lernen geholfen. Wir sind alle zuständig für die Sauberkeit und Ordnung in den Räumen und müssen in der Küche helfen, wenn es nötig wird. All das hat mir persönlich sehr gefallen und mich in meiner Entwicklung weitergebracht. Das gilt im Übrigen und auch für meine eigene Familie. Die KINDERHILFE ist für alle ihre Familien sowie für Mitarbeiterinnen eine ganz große Chance.

Sandra Mora Hidalgo

Musiklehrerin in Pasto

Ich wurde in San Juan de Pasto geboren. Dort habe ich mein Staatsexamen in Musik mit Schwerpunkt auf Instrumentenkunde gemacht. Außerdem habe ich mich auf Projektentwicklung und Pädagogik spezialisiert. Ich habe 25 Jahre Erfahrung in der Musikerziehung. Davon arbeite ich seit 21 Jahren mit den besonders benachteiligten Teilen der Bevölkerung, vor allem mit Opfern des bewaffneten Konfliktes in Kolumbien. In der Musik beschäftige ich mich gerne mit der Komposition und Interpretation von Andiner kolumbianischer und lateinamerikanischer Musik. Meine Tätigkeit im Verein KINDERHILFE begann im Jahre 2009 mit der Bildung eines Chores und dem Instrumentalunterricht (Sopranflöten und Melodicas). Im Laufe der Jahre knüpfte ich Beziehungen, die es uns ermöglichten 2014 und 2015 mit Musikunterricht an symphonischen Instrumenten (Violine, Viola und Violoncello) weiterzumachen. In den Jahren 2016 bis 2018 hatten wir das Glück auch noch mit Blasinstrumenten (Trompete, Klarinette, Saxophon und Posaune) üben zu können. Unser Chor, den wir URCUNINA INFANCIA COLOMBIANA genannt haben, wurde dann seit 2014 zu internationalen Festivals für Chöre eingeladen: „Por esto cantamos juntos“ und dem Chorfestival „Javier Fajardo“. 2020 machten wir trotz Corona weiter und führten die Musikerziehung stattdessen virtuell durch. Auch an den Chorfestivals nahmen wir auf diese Weise teil: dem RAWSON in Argentinien, dem  Chorfestival SAN NICOLAS in Mexico, den internationalen Festivals LOS ANDES in Chile und POR ESTO CANTAMOS JUNTOS in Pasto, Kolumbien sowie dem Festival CAJITA DE MUSICA in Bogota, Kolumbien. Wie man sehen kann, hat es viele Erfolge und persönliche und musikalische Erfüllung gegeben. Ich habe viele Kinder des Vereins kommen, wachsen und gehen sehen, immer in der Überzeugung, dass die Wandlungsfähigkeit der Musik ihren Teil zur Bildung und Erziehung beigetragen hat. Außerdem will ich nicht versäumen eine meiner größten Freuden zu erwähnen: Ich meine damit eines der ältesten Patenkinder des Vereins: Diana Camila Trejo. Sie hat vor – so wie ich – an der Universität des Narino Musik zu studieren. Ich hoffe, dass mit der Zeit eine großartige Musikerin aus ihr werden wird, die mich vielleicht sogar einmal ersetzen und eine der Lehrerinnen der KINDERHILFE werden kann.

Leidy Johanna Morales Marin

Assistentin Vorschulkinder

Ich bin jetzt (2021) 31 Jahre alt. Meine Geschichte in der Kinderhilfe begann aber schon vor vielen Jahren. Ich erinnere mich, dass ich in der dritten Grundschulklasse und ungefähr 10 Jahre alt war, als ich in den Verein aufgenommen wurde. Damals besuchten Sozialarbeiterinnen die Schulen auf der Suche nach bedürftigen Kindern, und eine meiner Lehrerinnen erzählte ihnen von mir. Sie machten einen Hausbesuch, und ich kam mit einigen anderen Kindern zusammen in den Verein. Wir waren die ersten Kinder, mit denen das Projekt „Hoffnung für Kinder ohne Zukunft“ für Grundschulkinder begann. Zu dieser Zeit war meine familiäre Situation sehr schlimm. Meine Mutter hatte mich und meine Geschwister verlassen, und mein Vater lebte in einer anderen Stadt. Finanziell unterstützte er uns kaum, und wir blieben in der Obhut meiner Großmutter und einiger Onkel, die uns zusammen aufzogen. Ich erinnere nicht genau an das Jahr, in dem ich in den Verein kam. Ich erinnere mich an eine schöne Kindheit dort, eine gute Erziehung und das nahrhafte Essen, das ich dringend brauchte. Einige Zeit später wurde auch meine Schwester aufgenommen, schied aber später aus. Ich blieb dort meine ganze Schulzeit hindurch und kam dann in die Bäckerei, als ich schon etwas älter war. Dort lernte ich viele Rezepte, und der Verein bezahlte mir sogar einen Backkurs, in dem ich noch mehr lernte. Wir produzierten Brot, Kekse und anderes für die Zwischenmahlzeiten der Kinder im Verein und verkauften die Waren auch auf der Straße. Das half mir sehr für mein Leben und besonders, da ich um die schlimme Lage unserer Familie wusste, wo kein Geld und keine Nahrung da waren. Mein großes Ziel war genügend Geld zu verdienen, um meine Großmutter zu unterstützen. Im Laufe der Jahre konnte ich erleben, wie meine Klassenkameraden aus verschiedenen Motiven aus dem Verein ausschieden. Aber ich blieb dort und sammelte weiterhin Wissen und lernte. Mit der Zeit begann ich dann, in der Kita zu helfen und bemerkte dabei meine Begeisterung für die Arbeit mit bedürftigsten Kindern und dass sie mir sehr ähnlich waren. Ungefähr in der zehnten Klasse der Sekundarstufe zog ich zu meinem Vater nach Pereira und schied aus dem Verein aus, weil ich bei meinem Vater sein und mit ihm zusammen leben wollte. Dort ging ich in die zehnte Klasse, bekam dann aber im Hause Schwierigkeiten mit den Brüdern meines Vaters. Bevor das Schuljahr beendet war, kehrte ich wieder nach Popayan zu meiner Großmutter zurück, als ich so ungefähr 18 Jahre alt war. Eines Tages besuchte ich die KINDERHILFE und erzählte den Betreuerinnen, was passiert war, die das wiederum der Señora Ute berichteten. Und so bekam ich eine zweite Chance und durfte in den Verein zurückkehren. Bereits zu Beginn habe ich dort geholfen, wo immer es nötig war und begann damit in der Kita, weil mir das am Herzen lag und weil ich etwas von der Hilfe zurückgeben wollte, die ich bekommen hatte. Dort habe ich mehrere Monate mitgearbeitet, und bekam schließlich die Nachricht, dass ich eine Ausbildung in Vorschulerziehung machen könnte. Ich erinnere mich an die Erzieherin Elizabeth Cardozo, die eine großartige Lehrerin war und sich sehr um mich gekümmert hat. Ich konnte die Schule beenden, die Ausbildung machen, und im Laufe der Jahre ermöglichte Señora Ute mir als Assistentin bei den Vorschulkindern zur KINDERHILFE zu gehören. Hier arbeite ich jetzt schon seit über 10 Jahren in den verschiedenen Gruppen und mit den verschiedenen Arbeitskolleginnen, im Augenblick mit Sandra Patricia in der Kita im Casita 2. In all den Jahren gab es Höhen und Tiefen. Ich habe Kinder und Familien kennengelernt und auch schlimme Situationen mit ihnen erlebt, die oft meiner Geschichte ähnelten. Während dieser Zeit habe ich aber auch meinen jetzigen Lebensgefährten kennengelernt, mit dem ich seit 9 Jahren zusammen lebe. Wir haben einen vierjährigen Sohn. Traurigerweise starb vor 4 Jahren meine Großmutter, die Frau, die mich aufgezogen hat und die mir das Wenige gab, das sie unter großen Mühen aufbringen konnte. Ihr Verlust war für mich sehr traurig, aber seitdem lebt meine Mutter jetzt bei uns, die all die verlorenen Jahre mit uns aufholen möchte. Dank der KINDERHILFE habe ich mich in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt. So habe ich jetzt Arbeit und mit dem Einkommen versuche ich meine Familie zu unterstützen, wovon ich immer geträumt hatte. Das hat mir ermöglicht unabhängig zu werden, mir persönliche Dinge zu kaufen und auch unser Überleben sichern. Ich bin froh und danke Gott und Doña Ute, dass sie mir ermöglicht haben, die KINDERHILFE kennenzulernen, denn unter den damaligen Umständen wäre mein Leben sonst sicher ganz anders verlaufen. Die KINDERHILFE ist meine Zuflucht, mein Ruhepunkt. Sie bedeutet für mich vielen Familien helfen zu können, die hier unter schwierigsten Bedingungen leben. Ich habe keine Worte, um für alles zu danken, was sie für mich getan haben. Die KINDERHILFE hat mir ermöglicht, dass mein Sohn schon seit zwei Jahren im Verein ist, sodass ich ihn aufwachsen sehen und ihn begleiten kann. Vor allem bekommt er hier die gesunde und gute Ernährung, die man uns gibt. Inzwischen bin ich eine eigene Persönlichkeit, habe eine Familie und kann meinem Sohn eine bessere Lebensqualität ermöglichen, als in meiner eigenen Kindheit. Tausend- und abertausend mal Dank für die Möglichkeit hier zu arbeiten. Ich hoffe, dass ich noch viele Jahre für die Kinder arbeiten kann, die es am meisten brauchen und dass die KINDERHILFE und Doña Ute weiterhin Kraft und Gesundheit bewahren, um unseren Familien zu helfen.

Lydia Isabel Diaz

Betreuung der Schulkinder im Casita 2

Bis zu meinem 6. Lebensjahr lebte ich allein mit meiner Mutter zusammen. Dann traf sie den Mann, mit dem sie meine zwei Geschwister bekam. Ohne leiblichen Vater aufzuwachsen und mit einer Mutter, die jeden Tag sehr schwer arbeiten musste, um uns durchzubringen, weil ihr Lebensgefährte uns nicht unterstützte, bedeutete unzählige Notlagen und viele Misshandlungen. Meine Mutter begann beim Jugend- und Wohlfahrtsamt als Tagesmutter zu arbeiten, was unsere Lage ein wenig verbesserte. Trotzdem war die Not noch sehr groß. Bei „Bienestar“ lernte meine Mutter die KINDERHILFE kennen und begann dort tageweise zu putzen. Mein Bruder bekam einen Paten und im Verein konnten wir uns ständig weiterentwickeln. Ich beendete mit 19 die Schule mit dem pädagogischen Abitur, wurde jedoch kurze Zeit später mit meiner ersten Tochter schwanger. Vom Vater des Kindes bekam ich jedoch keine Unterstützung. Daher musste ich arbeiten gehen als meine Tochter noch ganz klein war. Da meine Mutter Kontakte zum Jugendamt hatte, erreichte sie es, dass ich als Tagesmutter zu Hause Kinder betreuen konnte. So konnte ich gleichzeitig auch meine Tochter betreuen. Diese Arbeit hatte ich 2 Jahre lang. Danach war ich erneut in großer Not, weil der Vater meiner Tochter mir nur noch wenig Unterhalt zahlte und das auch nur, weil er gerichtlich dazu gezwungen wurde. Ich musste jede Arbeit annehmen, die ich finden konnte, z.B. als Haushälterin. Als meine Tochter zweieinhalb Jahre alt war, begann ich bei einer ehemaligen Mitschülerin in einer Schule zu arbeiten, die diese damals leitete. In dieser Zeit hatte ich eine neue Beziehung, und nach kurzer Zeit wurde ich mit meiner zweiten Tochter schwanger. Weil es eine Risikoschwangerschaft war, musste ich die Arbeit aufgeben. Ich heiratete, blieb aber weiterhin bei meiner Mutter wohnen. Mein Mann hatte keine feste Arbeit. Bis meine zweite Tochter zwei Jahre alt war, widmete ich mich nur meiner Familie, und wir lebten abwechselnd bei meiner Mutter oder meiner Schwiegermutter. Mein Mann arbeitete, wo immer er etwas fand, auf dem Bau, im Verkauf, usw. Nachdem ich aufgehört hatte zu stillen, bekam ich eine Arbeit in einer Vorschule bei derselben Schulfreundin, für die ich schon gearbeitet hatte. Hier blieb ich einige Jahre. Die Bezahlung war aber weder gut noch regelmäßig. Da die Arbeit halbtags war, konnte ich wenigstens Geld verdienen und trotzdem meine Töchter betreuen. Danach hatte ich noch 3 verschiedene Arbeitsplätze in anderen Vorschulen, die alle sehr schlecht oder gar nicht bezahlt wurden. Die beiden letzten Schulen schulden mir bis heute das Gehalt. Da meine Mutter damals schon eine feste Anstellung in der KINDERHILFE hatte, und Señora Ute unsere Geschichte kannte, hatte sie an mich gedacht, als sie eines Tages zu Besuch im Verein war. Sie wollte im Casita 2 eine Kita eröffnen, damals noch mit Sitz im Viertel Nazaret. Señora Ute bot mir deshalb ab Mai 2005 an für die KINDERHILFE zu arbeiten. Mit der Hilfe von Doña Marleny und Lorena baute ich dort eine Kita auf. Ich begann mit 5 Kindern, die nur am Vormittag betreut wurden. Am Nachmittag half ich den größeren Kindern bei den Hausaufgaben, mit der Unterstützung vieler Patenkinder. Nach und nach wuchs die Zahl der Kinder in der Kita und ich lernte, Hausbesuche zu machen und Familien auszuwählen. Das machten zu der Zeit Doña Marleny und Lorena. Ich betreute nur die Kinder. Dann wurde ich darin fortgebildet, wie die Berichte zu schreiben sind, und schließlich wurde ich allein zuständig für das ganze Projekt. Als wir noch im Viertel Nazaret waren entwickelten wir ein Hilfsprogramm für die Kinder der Siedlung Figueroa. Dort gründeten wir eine Gruppe mit vielen Kindern, die wir wöchentlich betreuten, und denen wir etwas zu essen und einige vorbereitete Bastelarbeiten mitbrachten. Eine Familie stellte uns ihre kleine Finca zur Verfügung und wir organisierten einen Schulgarten. Sonnabends gingen wir auch mit den Kindern des Casitas dort hin um zu gärtnern. Das war eine schöne und produktive Abwechslung. Als die Gruppen im Casita immer zahlreicher und größer wurden und das gemietete Haus zu klein wurde, kaufte Señora Ute ein Haus im Viertel San José, ganz in der Nähe, wo das Casita 2 bis jetzt besteht. Nach dem Umzug wurde die Kita ganztägig geöffnet, und wir konnten mit dem Projekt in Figueroa nicht mehr weitermachen. Mehrere Jahre war ich allein für die Kita zuständig, dann erhielt ich Hilfe von Leidy, später von Sandra Patricia, die damals noch studierte und ihr Praktikum bei mir machte, und schließlich auch von Soranyi. Als Sandra Patricia ihren Abschluss als Vorschul-Erzieherin gemacht hatte, wurde sie in der KINDERHILFE eingestellt und übernahm die Leitung der Kita im Casita 2, während ich in die Gruppe der Schulkinder versetzt wurde, wo ich bis heute bin. Seitdem leite ich die Gruppe der Schulkinder (Hoffnung für Kinder ohne Zukunft) mit allem, was dazu gehört (Hausbesuche, Berichte, Betreuung und Auswahl neuer Familien). Auch dieses Programm ist gewachsen und inzwischen habe ich mehrere Gruppen in meiner Obhut, wie z.B. die Sondergruppe der größeren Kinder, die noch keine Paten haben und die eigentlich ausscheiden müssten, die größeren Patenkinder des Casitas, die Schulkinder und noch eine neue Gruppe mit vierjährigen Kindergartenkindern, die nur am Vormittag zu uns kommen. Insgesamt betreue ich im Augenblick 40 Kinder. Daneben habe ich noch weitere Aufgaben im Verein, wie die Führung des Kassenbuches für kleinere Ausgaben, die Erstellung der Beiträge für die Quartalsberichte für die Projektpaten, bei denen ich mich mit Nelcy Lucia und Sandra Patricia abwechsele sowie die Mitarbeit sonnabends, sei es bei der Zubereitung des Essens für die Kinder oder deren Beschäftigung vor dem Mittagessen. Im Augenblick habe ich noch die Verantwortung für meine Kindergruppe, auch wenn es wegen Covid-19 weniger sind. Dabei kümmere ich mich auch weiterhin um die Familien, die noch nicht wieder ins Casita kommen können. Vormittags und nachmittags wasche ich die Masken und reinige und desinfiziere zusammen mit meinen Arbeitskolleginnen die Räume. Mittags helfe ich in der Küche beim Abwaschen des Geschirrs. All das bemühe ich mich, so gut wie möglich zu erledigen, wenn nötig auch mal in meiner Freizeit, um die Berichte und andere Aufträge pünktlich abzuliefern. Die KINDERHILFE kam genau im richtigen Moment in unser Leben, um unsere Lage zu verbessern und mir persönlich zu helfen im Leben voranzukommen. Alles, was ich jetzt habe, verdanke ich der KINDERHILFE. Ich konnte ein Grundstück erwerben, auf dem ich mit einem Darlehen zu bauen begann, das mir Señora Ute gab. Nach und nach konnte ich mit dem Geld, das ich in der KINDERHILFE verdiente, meinen Töchtern ein besseres Leben ermöglichen. Ich habe sie ernähren und kleiden können. Meine ältere Tochter wird jetzt ihr Studium an der Universität beenden. Meine jüngere Tochter hat eine Ausbildung gemacht und beginnt dann ebenfalls ein Studium. Alles in allem danke ich Señora Ute für diese Chance, die es mir viele Jahre ermöglichte so viel zu lernen. Ich erlebe viele glückliche Momente mit den Kindern, die an meiner Seite aufwachsen. Es ist sehr befriedigend nach vielen Jahren zu sehen, dass etwas, das ich bei ihnen gesät habe, aufgegangen ist. Ich sehe, dass es ihnen gut geht, dass sie vorankommen und im Leben Fortschritte machen. Ich werde weiterhin für diese Kinder und ihre Familien mein Bestes geben, um ihr Leben ein wenig zu verbessern. All das natürlich unter der Leitung von Señora Ute, die mich unterstützt und die es mir erst ermöglichte so viel durch diese herausfordernde, aber auch lohnende Tätigkeit zu lernen.

Sandra Yicel Medina Sanchez

Direktorin der Kinderhilfe in Popayán

Meine Geschichte in der KINDERHILFE begann 1991, als ich im Alter von neun Jahren aufgenommen wurde. Damals besuchte ich die fünfte Klasse einer Dorfschule, die vom Verein unterstützt wurde. Eines Tages kam die Schulleiterin in die Klasse und fragte, wer von uns nach dem Ende der Grundschule gerne weiter zur Schule gehen wolle. Mit einigen anderen zusammen meldete ich mich und unsere Namen wurden notiert. Nach einem Hausbesuch erfuhr ich drei Monate später von der Sozialarbeiterin des Vereins, dass ich Paten aus Deutschland bekommen hatte, was mich und meine Familie sehr freute. Damals lebten wir in dem Dorf Los Robles, wurden aber von einer Bande Krimineller gezwungen nach Popayán zu fliehen. Sie hatten uns eines Nachts überfallen, ausgeraubt und gedroht, dass sie uns umbringen würden, wenn wir nicht von dort weggehen würden. Wir kamen völlig mittellos in der Stadt an, wobei sich unsere Situation schnell so sehr verschlechterte, dass wir nicht einmal ein Dach über dem Kopf hatten. Seitdem hat der Verein mich begleitet. Er unterstützte meinen Vater bei den Kosten für den Schulbesuch, so dass ich die Sekundarstufe beenden konnte. Danach einigte sich Señora Ute mit meinem Paten, mir das Studium der Pädagogik an der Universidad del Cauca in Popayán zu finanzieren, das ich abends absolvierte. Die Kosten wurden vom Verein getragen, aber ich musste sie mir durch meiner Mitarbeit verdienen. Zunächst half ich täglich von 8 bis 17 Uhr in der Kita. Später begann der Verein, mir eine monatliche Vergütung für meine persönlichen Ausgaben zu zahlen, mit der ich meine Familie unterstützen konnte. So erhielt ich die Chance einen Universitätsabschluss in Vorschulpädagogik mit einem guten Notendurchschnitt zu machen, weil ich mich sehr anstrengte und bemühte allen Anforderungen gerecht zu werden. Das war das mindeste, was ich tun konnte für die Hilfe und Unterstützung, die ich erfahren hatte. Dabei half auch das Beispiel meiner Eltern, die mich gut erzogen hatten. Das wurde in der KINDERHILFE durch die humanistischen Prinzipien und moralischen Werte noch ergänzt und vervollständigt, die mir halfen, zu einem guten Menschen zu werden. Durch meine Zugehörigkeit zur KINDERHILFE bekam ich einen ausgeprägten Sinn für soziale Gerechtigkeit, weshalb Señora Ute mir zunächst die Leitung der Kita im Casita 2 anvertraute und dann die der Gruppe „Hoffnung für Kinder“. Schließlich wurde ich die soziale Leiterin des gesamten Vereins. Durch die Vielfältigkeit meiner Tätigkeit konnte ich mich menschlich und beruflich weiterentwickeln. Es gibt aber noch viel zu lernen, wie zum Beispiel die Verantwortung für die Betreuung der Kinder zu übernehmen. Außerdem bin ich zuständig für die Koordination des Personals sowie die Vermittlung und Schlichtung bei Konflikten und die Lösung von Problemen. Das funktioniert zusammen mit einem großartigen Team und – was am wichtigsten ist – immer unter der Anleitung von Señora Ute. Gemeinsam wachen wir darüber, dass das Zentrum unserer Arbeit immer das Soziale bleibt und dass so gehandelt wird, dass wir den Sinn und Zweck der KINDERHILFE erfüllen. Sie ist die schönste Lebenserfahrung, die ich habe machen können, die mich am meisten gelehrt und sensibilisiert hat und mir die Kraft gegeben hat, um in den verschiedenen Bereichen meines Lebens bestehen zu können. Materiell ist sie mein Unterhalt und eine Unterstützung für meine Familie. Aber sie ist auch die Hoffnung, mich weiterentwickeln zu können, Ziele zu erreichen und meine Träume zu erfüllen. Der Verein ist jetzt das Zentrum meines Lebens, denn ich halte mich hier öfter auf als zuhause. Das liegt an der besonderen Arbeit, die ihn zur Familie macht für alle, die hier durchgegangen sind und für die Kinder und Jugendlichen, die täglich immer noch kommen. Dadurch wird die KINDERHILFE zu etwas ganz Besonderem. Sie ist anders als alles was ich kenne. Die KINDERHILFE gibt mir Kraft und Stärke in den schwierigsten Momenten meines Lebens.

Katherine Solano Meneses

Erzieherin

Ich bin die mittlere von drei Schwestern. Damals, als unsere Geschichte in der KINDERHILFE begann, befand sich meine Mutter in einer sehr schwierigen Lage und musste sich mit Gelegenheitsarbeiten, zum Beispiel als Wäscherin, über Wasser halten. Sie nahm meine jüngere Schwester und mich immer mit, wenn sie irgendeine Arbeit fand, denn sie hatte niemanden, bei dem sie uns lassen konnte und auch kein Geld, um jemanden für unsere Betreuung zu bezahlen. Dann erzählte ihr jemand vom Verein und dessen sozialer Arbeit mit Frauen und Familien, die Hilfe in der Betreuung ihrer Kinder brauchten. Sie bat dort um einen Betreuungsplatz für uns und die damaligen Sozialarbeiterinnen machten daraufhin einen Hausbesuch bei uns. Nach einigen Monaten Wartezeit wurde ich um das Jahr 1999, mit fast drei Jahren, zusammen mit meiner jüngeren Schwester aufgenommen. Dadurch wurde es meiner Mutter möglich, in Ruhe Arbeit suchen zu können, um das Geld und alles Nötige für den Unterhalt der Familie besorgen zu können. So wurde die KINDERHILFE mein zweites Zuhause, wo ich behütet wurde und Zuwendung, Aufmerksamkeit und Nahrung bekam. Ich hatte die Möglichkeit, meine Kindheit in einem gesunden Umfeld zu erleben, frei von den Gefahren auf den Straßen. Ich lernte lesen, schreiben, malen und vieles andere, was mir bis heute von Nutzen ist. Nach einigen Jahren in der Kita wechselte ich in die nächste Gruppe, wo ich mit lieben Pateneltern geehrt wurde. Diese halfen mir bei meinem schulischen Werdegang sehr. Sie kauften mir Schuhe und Uniformen, damit ich am Unterricht teilnehmen konnte. Ich bekam täglich Essen und machte dort meine Aufgaben. Ich hatte viele schöne Erlebnisse mit den Betreuerinnen und den anderen Kindern. In all den Jahren und während ich die Sekundarstufe besuchte, ging ich sehr gerne in den Verein. Ich liebte es, mit meinen Mitschülern zusammen zu sein, zu spielen und zu lernen. Ich genoss einfach alles, was uns geboten wurde. Nachmittags half ich dann den Betreuerinnen, wo immer es mir möglich war und sie mich brauchten. In den Schulferien unterstützte ich die Küchenfrau in einfachen Dingen, wie der Saftzubereitung für das Mittagessen oder beim Abwaschen, Abtrocknen und Wegräumen des Geschirrs. Auch in der Kita half ich bei einfachen Verrichtungen, indem ich den Kleinen nach dem Mittagsschlaf die Schuhe anzog, sie kämmte und bei der Zwischenmahlzeit half. Das ging so, bis ich die Schule mit dem Abitur beendete. Ich habe mich immer um ein gutes Benehmen bemüht, um Höflichkeit und Zuverlässigkeit bei meinen Aufgaben und Pflichten, sowohl in der Schule, als auch im Verein. Nach dem Ende der Schulzeit waren meine Paten bereit, mir eine weitere Ausbildung zu ermöglichen, und ich entschied mich für eine Ausbildung in der Kleinkinderbetreuung. Diese fand samstags ganztags statt und erweiterte mein Wissen enorm. Ich erhielt viele Anregungen und Strategien für die Arbeit mit kleinen Kindern. Die Woche über half ich bei der Hausaufgabenbetreuung im Haupthaus und dem Casita, wohin viele Kinder kamen, die sonst nicht zum Verein gehörten, und ich erklärte ihnen die Aufgaben, die sie in der Schule aufbekommen hatten. Zwischendurch hatte ich auch freie Zeiten, um meine Aufgaben und Arbeiten für die Ausbildung zu erledigen. Später half ich in der Kita im Casita 2, wo ich allmählich lernte, eine Gruppe zu leiten. Anfangs war das schwer für mich. Aber dann wurde ich durch die Praxis immer besser. Ich brachte den Kindern Lieder und Spiele bei und ich half auch mit viel Liebe bei der Ausführung der übrigen Aktivitäten. Mit dem Ende dieser Ausbildung endete auch meine Zeit als Patenkind in der KINDERHILFE. Einen Monat später wurde ich dann als Assistentin der Erzieherin angestellt. Anfangs war ich in der Kita des Casitas, dann in der von Haus Ursula, und am Ende gab der Verein mir die Möglichkeit, im Casita 2 eine Babykrippe aufzubauen. Leider kamen wir damit wegen der Pandemie nicht sehr weit. Das Platzangebot reichte wegen der Corona-Sonderregeln nicht mehr aus, und weil einige der Familien in ihrer großen Not aufs Land zurückkehren mussten, woher sie eigentlich geflohen waren. Andere konnten jetzt ihre Kinder zuhause betreuen, weil sie keine Arbeit mehr fanden. Aus diesem Grund helfe ich jetzt als Assistentin in der Gruppe der Schulkinder (Hoffnung für Kinder) im Casita, wo eine personalisierte Betreuung nötig wurde, weil die Kinder nach der langen erzwungenen Abwesenheit mit großen Problemen zurückkehrten. Im virtuellen Unterricht (dem die meisten gar nicht folgen konnten), haben sie kaum etwas gelernt und keine Fortschritte gemacht, um das Schuljahr gut beenden zu können. Deshalb müssen wir ihnen alles genau erklären, damit sie lernen und nicht ohne das nötige Wissen in die nächste Klasse versetzt werden. Wir alle machten neue Erfahrungen, damit der Verein alle Bedingungen erfüllen konnte, die das Gesundheitsministerium stellte, um die Kinder betreuen zu dürfen und um eine mögliche Ansteckung oder Verbreitung des Virus zu vermeiden. Auch hier leistet der Verein eine lobenswerte Arbeit und hat mir gleichzeitig ermöglicht, in den verschiedensten Bereichen zu arbeiten. Ich möchte auch die besondere Bedeutung dieser Arbeit für mich persönlich hervorheben, denn sie ermöglichte es mir, an der Universität zu studieren. Ich hatte Geld gespart und konnte so an einer privaten Universität beginnen Psychologie zu studieren. Im Augenblick bin ich im sechsten Semester, worüber ich sehr glücklich bin. Abschließend kann ich sagen, dass ich sehr stolz bin, dem Verein anzugehören, der mein zweites Zuhause ist, ein Umfeld des Lernens und der Fröhlichkeit. Hier machte ich Erfahrungen, die mir ermöglicht haben, charakterlich stärker zu werden. Ich lernte von den Mitarbeiterinnen, die mich auch stark gemacht haben für die verschiedenen Hindernisse, die im Leben auftauchen können. All das kann ich an andere weitergeben: Empathie erzeugen und mein Bestes geben. Deshalb hat der Verein eine riesengroße Bedeutung für mich, und ich weiß diese Chance, die der Verein mir und meiner Familie gegeben hat sehr zu schätzen. Nicht nur ich habe die Möglichkeit, hier zu arbeiten, sondern auch meine Mutter darf hier arbeiten und ihre finanzielle Lage verbessern. Damit konnte sie uns helfen und unterstützen. Wir sind sehr dankbar für diese großartige Möglichkeit, die in jeder Hinsicht ein Volltreffer ist für die ganze Familie.

Concepcion Manzano Ordonez

Kinderbetreuerin

Ich bin in La Paz, Sotara, Bezirk Paisbamba geboren. Seit 2011 habe ich diese wunderbare Arbeit in der Babykrippe der KINDERHILFE in Popayán, die mir Señora Ute ermöglicht hat. Damit hat sie nicht nur mir, sondern meiner ganzen Familie geholfen, unser Leben zu verbessern. Meine Arbeit begann, zusammen mit einer Erzieherin, mit der Gründung der Babykrippe. Wir arbeiteten dort drei Jahre lang zusammen. Das war eine großartige Erfahrung für mich, denn gemeinsam lernten wir, was die Arbeit mit den Babys bedeutet. Angefangen damit, dass wir für sie den Tagesablauf und ihren Aufenthalt planten bis zu den Treffen mit den Eltern in den Versammlungen. Unsere wichtigste Aufgabe war ihnen Hilfestellung zu geben und durch Anpassung an die wechselnden Gegebenheiten das Projekt zu stabilisieren. Später arbeitete ich mit einem ehemaligen Patenkind zusammen, das noch keine Erfahrung in dieser Arbeit hatte und das ich darin anleitete. Außerdem konnte ich jederzeit andere Kindergruppen kennenlernen und Zeit mit den Frauen verbringen, z.B. beim gemeinsamen Kochen mit neuen, selbst ausgedachten Rezepten. Wenn ich gebraucht wurde half ich in der Handarbeitsgruppe beim Anfertigen von Taschen, Wandbehängen und Ponchos. In dieser Zeit konnte ich an der Schule „Los Comuneros“, wo ich mit der sechsten Klasse begonnen hatte, die neunte Klasse der Sekundarstufe beenden. Das war ein immenser Kraftakt für mich, den ich nur mit Hilfe meiner Familie überstand. Danach arbeitete ich mit der Betreuerin Janeth Rocio zusammen, die eine besondere Begabung hatte, mit den Babys zu arbeiten. Sie war sehr gern mit ihnen zusammen. Es ist bis jetzt eine wundervolle Zusammenarbeit, in der wir es auch mal wagten die ein oder andere Routine zu durchbrechen. Wir boten den Kindern ganz andere Beschäftigungen als die üblichen. Dazu regten uns junge Leute aus dem Ausland an, wie Christopher, Fritz, Jakob, Lena und Valentina. Mit ihnen konnten wir den Babys ermöglichen, neue Orte kennenzulernen, das heißt, die Parks und Spielplätze und typische Orte der Stadt Popayan, wie das „Pueblo Patojo“ und den „Morro“. Als ich während dieser Zusammenarbeit die neunte Klasse beendet hatte, unterstützte mich der Verein finanziell, damit ich einen Kursus über Kinderbetreuung besuchen konnte. Der half mir sehr bei meiner Arbeit mit den Kindern. Ich lernte unterschiedliche Situationen richtig einzuschätzen und darauf zu reagieren. Dieser Kursus dauerte zweieinhalb Jahre. Ich arbeitete auch mit vielen älteren Patenkindern zusammen, darunter Diana Patricia und meiner Tochter Luisa Luna, die inzwischen eine große Hilfe im Verein sind und auch mir in meiner Entwicklung geholfen haben. Sonnabends half ich ebenfalls im Casita, wo ich für die hungrigen Kinder der Umgebung kochte. Leider bekam ich durch die schwere körperliche Arbeit eine Berufskrankheit, weshalb ich jetzt nur noch in der Babykrippe tätig bin, weil ich mit meinen Armen nichts Schweres mehr heben kann. Trotzdem ist der Verein an meiner Seite und hat mir Arzttermine und Therapeuten vermittelt. Während der Pandemie und Quarantäne war ich in der Schneiderei, wo wir mit Doña Carmen Lilian Mund- und Nasenmasken für alle Kinder des Vereins genäht haben. Auch bei Renovierungsarbeiten, zumindest bei den leichteren, konnte ich helfen. Jetzt bin ich wieder bei den Babys, von denen wir möglichst viele aufnehmen, die dringend Hilfe brauchen. Abschließend kann ich sagen, dass meine Entwicklung im Verein, wo ich mit Menschen, von den Babys bis zu den Erwachsenen, zusammen komme, sehr erfüllend für mich ist. Er ist wie ein zweites Zuhause. Ich habe eine Arbeit, die mir gefällt, kann mein Wissen anwenden und sogar mit einem Mitglied meiner Familie (Tochter) zusammen sein, die vom Verein unterstützt worden ist. – Aber meine Arbeit ist auch eine große Hilfe für die Kinder, weil sie durch eine gute Erziehung anständige Menschen werden mit Träumen und Zielen, die sie verfolgen können.

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